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Wie steht ihr zu Homöopathie und Placeboeffekt?

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MartinL

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Es geht hier nur um die Verknüpfung der Themen Placebo und Homöopathie. Deshalb schrieb ich "verkürzt". Quecksilber heilt nicht. Das Thema Heilung ist komplexer. Ich bin gerade offline, habe erst mal keine weitere Zeit.
 

PhilippP

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Weshalb werden diese "naiven" Haltungen dennoch so gerne angegriffen und zersetzt?

Mit Homöopathie wird - insbesondere im deutschsprachigen Raum - unverschämt viel Geld verdient. Problematisch dabei ist, dass ernsthafte Erkrankungen von vielen Anhängern mit Mitteln behandelt werden, für die kein Wirknachweis besteht, somit wird regelmäßig kostbare und womöglich lebensrettende Zeit verschenkt. Häufig wird sogar der Eindruck erweckt, dergleichen Mittelchen seien der sogenannten "Schulmedizin" überlegen. Überhaupt wird die Medizin in zwei Teile gespalten, die es eigentlich gar nicht gibt: Alternativ- und Schulmedizin. Die "alternative" Medizin sei natürlich, schonend, weltumarmend und mit der Seele im Einklang stehend, während die Schulmedizin als brutal, chemisch, überwältigend und profitorientiert angesehen wird. In Wirklichkeit stehen knallharte Geschäftsinteressen hinter dem Etikett der "Homöopathie".

Meine Mutter schluckt seit ich denken kann diese Kügelchen und bot mir diese schon als Kind bei diversen Erkrankungen an. Ich habe sie natürlich eingenommen - sie sehen ja durchaus nach Medizin aus -, konnte aber keinerlei Wirkung feststellen. Immerhin schmeckten sie etwas süß, also griff ich dennoch zu. Später verweigerte ich komplett jede Art von Medizin, was auch nicht weiter schwer ist, wenn man keine ernsthaften Krankheiten hat und der Körper jung+fit ist. Erst während meiner Krankenpflegeausbildung änderte sich auch meine Haltung gegenüber Medikamenten wieder und ich konnte das besser einordnen. Zeitgleich wurde mir klar, dass Homöopathie keine normale Medizin ist, sondern ein Placebo-Medikament. Diese waren mir ein Begriff, denn allabendlich teilten wir reichlich Placebo-Schlafmittel an Patienten mit Einschlafstörungen aus und hatten beste Erfolge. Kritisch wurde meine Haltung erst später - siehe oben.

Übrigens ist meine Mutter inzwischen schwer erkrankt und nur auf Grund der eigentlich ihr stets verhassten "Schulmedizin" überhaupt noch am Leben. Wäre sie dieser nicht mit solch großer Skepsis begegnet, müsste sie mit hoher Wahrscheinlichkeit - sicher weiß man das ja nie, weshalb sich die Homöopathie bzw. Alternativmedizin nicht für solche Fälle verantworten muss - gar nicht um ihr Leben bangen und hätte bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung allerbeste Prognosen gehabt. Das alles führt nun nicht dazu, dass sie gegenüber der Homöopathie kritisch(er) eingestellt ist, vielmehr würde sie gerne baldmöglichst ihre lebensrettenden bzw. lebensverlängernden Medikamente absetzen und wieder in die alternative Schiene einlenken. Meine größte Sorge ist, dass sie (wieder) auf irgend einen Homöopathen oder sonstigen "Guru" trifft, der ihr von einer weiteren Einnahme der Medikamente abrät und eine überlegene alternative Behandlung anpreist (verkauft). In solch einem Fall würde ich natürlich Anzeige erstatten.
 

5Zeichen

Well-Known Member
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12.269
Mit Homöopathie wird - insbesondere im deutschsprachigen Raum - unverschämt viel Geld verdient. Problematisch dabei ist, dass ernsthafte Erkrankungen von vielen Anhängern mit Mitteln behandelt werden, für die kein Wirknachweis besteht, somit wird regelmäßig kostbare und womöglich lebensrettende Zeit verschenkt. Häufig wird sogar der Eindruck erweckt, dergleichen Mittelchen seien der sogenannten "Schulmedizin" überlegen. Überhaupt wird die Medizin in zwei Teile gespalten, die es eigentlich gar nicht gibt: Alternativ- und Schulmedizin. Die "alternative" Medizin sei natürlich, schonend, weltumarmend und mit der Seele im Einklang stehend, während die Schulmedizin als brutal, chemisch, überwältigend und profitorientiert angesehen wird. In Wirklichkeit stehen knallharte Geschäftsinteressen hinter dem Etikett der "Homöopathie".

Meine Mutter schluckt seit ich denken kann diese Kügelchen und bot mir diese schon als Kind bei diversen Erkrankungen an. Ich habe sie natürlich eingenommen - sie sehen ja durchaus nach Medizin aus -, konnte aber keinerlei Wirkung feststellen. Immerhin schmeckten sie etwas süß, also griff ich dennoch zu. Später verweigerte ich komplett jede Art von Medizin, was auch nicht weiter schwer ist, wenn man keine ernsthaften Krankheiten hat und der Körper jung+fit ist. Erst während meiner Krankenpflegeausbildung änderte sich auch meine Haltung gegenüber Medikamenten wieder und ich konnte das besser einordnen. Zeitgleich wurde mir klar, dass Homöopathie keine normale Medizin ist, sondern ein Placebo-Medikament. Diese waren mir ein Begriff, denn allabendlich teilten wir reichlich Placebo-Schlafmittel an Patienten mit Einschlafstörungen aus und hatten beste Erfolge. Kritisch wurde meine Haltung erst später - siehe oben.

Übrigens ist meine Mutter inzwischen schwer erkrankt und nur auf Grund der eigentlich ihr stets verhassten "Schulmedizin" überhaupt noch am Leben. Wäre sie dieser nicht mit solch großer Skepsis begegnet, müsste sie mit hoher Wahrscheinlichkeit - sicher weiß man das ja nie, weshalb sich die Homöopathie bzw. Alternativmedizin nicht für solche Fälle verantworten muss - gar nicht um ihr Leben bangen und hätte bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung allerbeste Prognosen gehabt. Das alles führt nun nicht dazu, dass sie gegenüber der Homöopathie kritisch(er) eingestellt ist, vielmehr würde sie gerne baldmöglichst ihre lebensrettenden bzw. lebensverlängernden Medikamente absetzen und wieder in die alternative Schiene einlenken. Meine größte Sorge ist, dass sie (wieder) auf irgend einen Homöopathen oder sonstigen "Guru" trifft, der ihr von einer weiteren Einnahme der Medikamente abrät und eine überlegene alternative Behandlung anpreist (verkauft). In solch einem Fall würde ich natürlich Anzeige erstatten.
Interessante Erzählung und sehr gut nachvollziehbare Gedanken.

Im Placebo-Thread ging es darum, dass Vertrauen und Zuversicht des Patienten gegenüber seines Behandlers und dessen Behandlung eine wichtige Rolle für die "Heilung" spielen. Das ist sicher so, Du bestätigt es mit der Placebo-Schlafmittel-Geschichte.

Natürlich gibt es auch eine chemische und eine physikalische Komponente: Schlucke ich vertrauensvoll Zyankali anstelle der Zuckerkügelchen, dann wird's nicht gut ausgehen. Und lege ich mich zuversichtlich unter das Messer eines miserablen Chirurgen, dann vermutlich auch nicht.

Medizin ist also ein komplexes Wirkgefüge. Es gibt miteinander verwobene Ursachen und Wirkungen, das macht die Sache trickreich. Lebt oder stirbt (gesundet oder siecht) der Patient nun wegen oder trotz der Medizin, die ihm verabreicht wurde? Diese Frage wird oft unterschiedlich beantwortet, gerichtsfeste Beweise sind selten.

Deshalb ist "Medizin" jeglicher Art ein gutes Geschäft, wenn es denn als Geschäft betrieben wird, was ja meistens der Fall ist. Durch diese geschäftliche Komponente wird die Sache nochmals komplizierter. Sicher ist nur, dass auch schulmedizinisch perfekt behandelte Menschen am Ende sterben werden. :dontknow:
 

bribli

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Ich denke, die Extreme (materielle Medizin und immaterielle wie Homöopathie) sind nicht gut, da einerseits vergiftend und andererseits unwirksam.
Nimmt die materielle Medizin den allzustarken Schmerz, liefert die Immaterielle die Qualität zum Weiterleben. Krankheit entsteht durch Ungleichgewicht, also muss man das Gleichgewicht wieder herstellen. In einer stark materiell betonten Gesellschaft ist der Mittelweg schwer zu
erreichen.
Bei der Homöopathie ist es die Abwesenheit von Krankmachendem (z.B.Quecksilber) im potenziertem Wasser als Ritual oder Symbol zur Heilung.
Auch die Einseitigkeiten in der Welt (Religion und Kapitalismus) müssen geheilt werden, also aus dem Ungleichgewicht gebracht weerden.
 

THATSme

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146
Das A und O ist zunächst die richtige Diagnose.

Ein Grundproblem sehe ich darin, dass alles, was nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, nicht anerkannt wird.
Dann wie immer die Lobbyarbeit und Widerstände, weil es vor allem ums Geld geht. Um sehr viel Geld und die Beherrschung des Marktes.
Der wichtigste Grund für mich, warum Gesundheitsvorsorge und Pharma nicht in private Hände gehört, bzw. an eine Pflicht gekoppelt sein sollte, auch dem Gemeinwohl zu dienen. Z. B. auch Medis für seltene Krankheiten entwickeln.

Die Schulmedizin und deren Lobby und vor allem die Pharmalobby wollen natürlich verhindern, dass "neue" Behandlungsmethoden und Medis auf den Markt kommen und anerkannt werden.

Vieles wird allerdings gar nicht intensiv wissenschaftlich erforscht.
Z. B. Osteopahtie. Uralte Methode, in den USA ein anerkanntes Studium. In DE erst nach und nach von einigen Krankenkassen akzeptiert.
Erst seit ein paar Jahren werden Daten erhoben, damit die Wirksamkeit endlich nachgewiesen werden kann.
Bei der Akkupunktur und Reflexzonenmassage war es doch das selbe. Aber auch homöopathische Mittel werden z. T. bezahlt. Und bezahlt wird nur, was auch wirkt.
Viele Medis der Schulmedizin wirken ja auch nicht. Oder machen noch kranker. Die Nebenwirkungen sind oft enorm und es müssen Medis gegen die Nebenwirkungen genommen werden. Ein Wahnsinn. Da kommen schnell mal 10-20 versch. Medis zusammen, die genommen werden müssen.
Die Schulmedizin bekämpft eher die Symptome, als die Ursachen.

Wenn man etwas nicht messen kann, fällt es schwer, zu glauben. Bei Homöopathie ist das Problem die Verdünnung. Das ist natürlich unglaubwürdig.
Andererseits gibt es auch Dinge, die man nicht messen oder sehen kann.

Gutes Beispiel auch Elektrosensible Menschen. Alles Spinner. Es geht hier nicht darum ob die Strahlen Krebs auslösen, sondern dass diese Leute davon Beschwerden haben wie Kopfschmerzen etc. Inzwischen wird das bestätigt, dass die Strahlen bei manchen Menschen Beschwerden auslösen können. In Frankreich gibt es ein strahlenfreies Dorf für diese Leute.

TM, bevorzugt Naturheilverfahren, nahm schon homöopathische, aber auch konventionelle Medis

Quellen:
 

PhilippP

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Deshalb ist "Medizin" jeglicher Art ein gutes Geschäft, wenn es denn als Geschäft betrieben wird, was ja meistens der Fall ist. Durch diese geschäftliche Komponente wird die Sache nochmals komplizierter. Sicher ist nur, dass auch schulmedizinisch perfekt behandelte Menschen am Ende sterben werden. :dontknow:

So kompliziert ist die Sache im Grunde nicht: Normale Medizin wirkt nachweislich und hochspezifisch gegen Krebs, Homöopathie leistet genau das nicht. Rechtzeitig mit der richtigen (echten) Medizin behandelte Krebspatienten können - je nach Krebsart und Diagnosezeitpunkt - noch über Jahre/Jahrzehnte ein gutes Leben genießen, ohne Behandlung wären sie hingegen schon nach Monaten unter der Erde.

Google mal aus Spaß "Krebs Homöopathie" und du wirst direkt auf folgenden Treffer stoßen, dem etliche weitere von ähnlich fataler Aussagekraft nachgeordnet sind:

Die homöopathische Behandlung von Krebs ist immer zeitintensiv und sie erfordert eine möglichst genaue Beobachtung seitens des Behandlers und des Patienten. Anhand des Konzepts der homöopathischen Intensivtherapie soll der Behandlungsverlauf im Folgenden dargestellt werden.
 

Giacomo_S

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Die Schulmedizin und deren Lobby und vor allem die Pharmalobby wollen natürlich verhindern, dass "neue" Behandlungsmethoden und Medis auf den Markt kommen und anerkannt werden.

Auch mit Naturheilmedikamenten wird unverschämt viel Geld verdient, z.T. sogar mehr als mit konventionellen. Zeiweise habe ich für eine Werbeagentur gearbeitet, die Pharmakunden betreute. Damals war Deutschlands größter Hersteller von Naturheilmedikamenten (Klosterfrau. Rund 50 verschiedene Präparate, und nicht nur den Melissengeist) Deutschlands umsatzstärkstes Pharmaunternehmen überhaupt (! Platz 2: Bayer, Aspirin).
Klosterfrau arbeitet wissenschaftlich, sogar über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, und stellt praktisch keine homöopathischen Präparate her.

Die Schulmedizin bekämpft eher die Symptome, als die Ursachen.

Das stimmt, die weitaus meisten Medikamenten behandeln Symptome und keine Ursachen (außer vllt. Antibiotika). Das klingt immer so ungeheuerlich, ist bei näherer Betrachtung aber eigentlich ziemlich logisch. Außerdem ist es bei alternativen Behandlungen entweder nicht anders, oder es handelt sich schlicht um Quacksalberei.
Es gibt durchaus schulmedizinische Methoden, die an Ursachen ansetzen. Nur gehört dazu auch ein Patient, der das auch will.
Beispiel: Zu hohe Cholesterinwerte lassen sich fast immer (Ausnahme: genetische Bedingung, selten) in den Normalbereich senken - durch eine angepasste, fettarme, diätetische Ernährung. Dazu gehört aber auch die Einsicht, der Willen, das Wissen und die Disziplin des Patienten, mit einer Diät leben zu wollen - und damit ist es dann de facto meist nicht weit her.
Also gibt der Arzt dann Choleresterinsenker ...

Wenn man etwas nicht messen kann, fällt es schwer, zu glauben. Bei Homöopathie ist das Problem die Verdünnung. Das ist natürlich unglaubwürdig.
Andererseits gibt es auch Dinge, die man nicht messen oder sehen kann.

Es gibt diese Anekdote über den Atomwissenschaftler Nils Bohr, der hatte ein Hufeisen an sein Gartenhaus genagelt. Nanu, fragten seine Kollegen, Freunde und Studenten den berühmten Physiker, wie könne er als Mann der Wissenschaft denn an so einen Unfug glauben?
Er antwortete: "Es funktioniert auch, wenn man nicht daran glaubt."

Persönlich und nach all meiner Lebenserfahrung bezweifle ich, dass es Dinge gibt, die man nicht messen oder sehen kann.
Entweder haben wir die Messgeräte dafür noch nicht erfunden - aber dann kann es sich nur um sehr kleine Kräfte handeln, die ohne Auswirkungen auf uns sind und/oder sich gegenseitig aufheben. Oder sie lassen sich grundsätzlich nicht messen - aber wenn sie sich nicht messen lassen, dann können sie auf uns auch keine Wirkung ausüben. Denn jedes Messgerät kann heutzutage genauer aufzeichnen, als die menschlichen Sinne es vermögen, so sie dazu überhaupt in der Lage sind.

Was übrig bleibt, das sind romantische Vorstellungen - die im Übrigen auch nichts erklären. Denn in den allermeisten Fällen gibt es für esoterischen Unfug nicht einmal eine ausgearbeitete Theorie oder sie widersprechen sich sogar.

Gutes Beispiel auch Elektrosensible Menschen. Alles Spinner. Es geht hier nicht darum ob die Strahlen Krebs auslösen, sondern dass diese Leute davon Beschwerden haben wie Kopfschmerzen etc. Inzwischen wird das bestätigt, dass die Strahlen bei manchen Menschen Beschwerden auslösen können. In Frankreich gibt es ein strahlenfreies Dorf für diese Leute.

Spinner, in der Tat.
Alles längst widerlegt: Elektrosensible Menschen reagieren nicht auf elektromagnetische Strahlen, sie "fühlen" dasselbe, auch wenn gar keine Strahlung vorliegt. Ihre Befindlichkeiten liegen im statistischen Rauschen. Es ließ sich allerdings auch beweisen: Sie haben dieselben physischen Reaktionen, als läge ein Reiz vor, auch wenn dieser gar nicht existiert.

TM, bevorzugt Naturheilverfahren, nahm schon homöopathische, aber auch konventionelle Medis

Persönlich bin ich ein Gegner der Homöopathie, allerdings nehme ich auch sonst keine Medikamente (es sei denn, es ist wirklich notwendig und unvermeidbar, und das ist dann auch nur alle paar Jahre mal der Fall). Es muss mir allerdings auch ein Rätsel bleiben, warum so viele Menschen Medikamente nehmen ohne wirklich krank zu sein und das auf Dauer.
Ehrlicherweise muss ich allerdings zugeben, mal ein als "homöopathisch" ausgewiesenes Präparat genommen zu haben, dass mich zu Beginn einer veritablen Grippe ziemlich und überraschend schnell wieder auf die Beine gestellt hat. Und das, wo zumindest bei der ersten Anwendung von Placebo nicht die Rede sein konnte. Denn ich hielt nichts von der Homöopathie und nahm es nur frei nach dem Motto "kann nicht schaden" und meiner Chefin zuliebe, die es mir gab.
Allerdings war das Präparat auch nur teilweise homöopathisch und enthielt auch Wirkstoffe in wirksamer Dosis (Contramutan, Klosterfrau).

Das sind medizinische Ansichten aus dem Mittelalter.

Nicht aus dem Mittelalter, sondern bereits aus der Antike.
Es handelt sich um die Humoralpathologie oder Temperamentenleere, dem "Gleichgewicht der Säfte". Sie geht zurück auf Hippokrates und Galenus, wurde von den Arabern weiterentwickelt und kam mit den Kreuzzügen wieder zurück nach Europa. Sie beeinflusste nicht nur die Medizin, sondern auch maßgeblich die Kochkunst, was zu dieser schrecklichen mittelalterlichen Küche geführt hat. In der Kochkunst ging man erst um die Mitte des 17. Jh. neue, damals revolutionäre Wege (= koch doch einfach und wirf diesen ideologischen Müll über Bord).

Die Homöopathie sehe ich als eindeutiges Kind der Alchemie, es gibt viele Parallelen zwischen der Alchemie und der Homöopathie. Es gibt auch alchemistische Zubereitungen, die man heute vom Prinzip her wohl als homöopathisch bezeichnen würde. Aurum potabile z.B., das "trinkbare Gold". Chemisch gesehen ist das nichts als destiliertes Wasser, das irgendwann mal Gold in Lösung enthielt.

In gewisser Weise könnte ich mir sogar - rein hypothetisch - einen Mechanismus vorstellen, wie so etwas funktionieren könnte. Spuren von monomolekularem Gold, die irgendwie als Katalysatoren wirken. Allerdings sollte es dann auch bessere Katalysatoren geben (Platin, wurde aber erst nach dem Ende der Alchemie entdeckt). Andererseits reden wir dann über Größenordnungen, die so klein sind, dass wir praktisch jedes Element bereits in unserer Nahrung vorfinden, feinst verteilt und immer. Wie sollte da eine homöopathische Dosis herausragen?

Die neuere Ernährungswissenschaft hat im Körper des Menschen Elemente gefunden, die in so kleinen Mengen vorkommen, dass man nicht genau weiß, ob sie essentiell sind - oder ob sie aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nur "zufällig" zu finden sind.
Manche Autoren bezeichnen sie als die "Ultraspurenelemente", das Element Arsen z.B.
Es ist nicht bekannt, ob Arsen essenziell ist oder nicht. Wenn es aber essenziell ist, dann in so geringer Dosis, dass diese Menge in unserer gewöhnlichen Nahrung überall vorkommt. Es ist nicht einmal möglich, im Tierversuch einen Mangel an Arsen zu erzeugen. Denn mit irgendetwas muss man die Tiere ja füttern, und in diesen Größenordnungen ist es nicht möglich, ein "arsenfreies" Tierfutter herzustellen.
 
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PhilippP

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Ehrlicherweise muss ich allerdings zugeben, mal ein als "homöopathisch" ausgewiesenes Präparat genommen zu haben, dass mich zu Beginn einer veritablen Grippe ziemlich und überraschend schnell wieder auf die Beine gestellt hat.

Aber genau das macht es der Homöopathie doch so kinderleicht: Sobald ein Schnupfen/Erkältung etc. früher als vermutet wieder verschwindet, ist dies natürlich den passend eingenommenen Kügelchen zu verdanken - wie könnte es anders sein!

Dass wir über ein geniales Immunsystem verfügen, das uns erfolgreich und permanent gegen allerlei Krankheitserreger verteidigt, spielt dann plötzlich keine Rolle mehr. Wenn aber Kügelchen einmal keine Wirkung zeitigen, muss das freilich andere Gründe haben. Vielleicht war es das falsche Präparat, also geht man zum Lieblingshomöopathen, der ausreichend Zeit (weil Geld) zum Zuhören hat, dieser kramt in seiner Mottenkiste und zieht anders "potenzierte" Kügelchen heraus. Bis das passiert ist, konnte auch unser Immunsystem erfolgreich Antikörper produzieren und oh Wunder: Die neuen Kügelchen zeigen Wirkung, die Erkältung ebbt plötzlich ab!

Ähnlich bei der Hellseherei: Wir erinnern uns nur an solche Wahrsagereien, die uns gefallen und der Rest wird ausgeblendet. Der Barnum-Effekt tut sein Übriges.
 
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