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Sterben und Tod

pasquino

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3. Juni 2018
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64
Womit beschäftigt ihr euch eher?

Mit dem Sterben, den Gedanken zu den Umständen des Sterbens (Herzinfarkt, palliative Zeit, Schmerzen, Umstände für die Angehörigen, usw.)?

Oder dem Tod, dem anschließenden Nichts und der Bedeutungslosigkeit für andere und dem persönlichen Vermissen, dass man nicht mehr ist und nicht mehr handeln/leben kann?
 
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Svensgar

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13. Februar 2011
Beiträge
7.866
... Mit dem Sterben, den Gedanken zu den Umständen des Sterbens (Herzinfarkt, palliative Zeit, Schmerzen, Umstände für die Angehörigen, usw.)?

Oder dem Tod, dem anschließenden Nichts und der Bedeutungslosigkeit für andere und dem persönlichen Vermissen, dass man nicht mehr ist und nicht mehr handeln/leben kann?

Abwechselnd, es geht ja nur eins.

An folgende Bedeutungslosigkeit für andere Menschen denke ich nicht. Woher sollte ich wissen, was folgt?

Im Allgemeinen ist mir mein Tod an sich nicht greiflich.
 

ewaldt

Well-Known Member
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1. Dezember 2016
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2.290
Ich freue mich auch schon am Ziel anzukommen, das Ziel ist das natürliche Ende des Lebens, das Sterben ist der Prozess, der dem vorausgeht.
Das kann man im Laufe des Lebens öfter üben z.B. beim Loslassen von etwas.
 

Helmfried

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12. Mai 2021
Beiträge
341
Ich freue mich auch schon am Ziel anzukommen, das Ziel ist das natürliche Ende des Lebens, das Sterben ist der Prozess, der dem vorausgeht.
Das kann man im Laufe des Lebens öfter üben z.B. beim Loslassen von etwas.

Ich weiß nicht, ob das Ende das Ziel ist; ich befürchte das Ende kommt auch ohne eine solche Zielstellung.
Dass du dich schon freust, finde ich beachtlich, denn ich habe (bis dahin) noch Einiges zu erledigen.
Als in die Form manifestierter Teil der Welt, sehe ich meine Lernaufgabe darin, mich zu Lebzeiten von allen Anhaftungen weitestgehend zu befreien.
Alles, was ich glaube zu haben, versuche ich immer mehr von dem Begriff Besitz zu lösen. In Wirklichkeit kann ich gar nichts besitzen, nicht nur weil ich ohnehin nichts „mitnehmen“ kann, sondern weil meine körperliche Existenz sowieso nur eine Gastrolle ist und meine „Habe“ ist nur Kostüm und Kulisse.
Es ist wie im Theater, ich spiele eine Rolle und werde (abhängig davon, ob meine Rolle bei Hofe oder in der Gosse spielt) adäquat gekleidet und geschminkt und plappere den Text, den der Autor vorgesehen hat.
Wenn ich zu denen gehöre, die entdeckt haben, dass das Theaterleben doch auch einige Freiheiten zulässt, kann ich meiner Rolle - nach und nach - auch einen eigenen Zuschnitt verpassen.
Ich gewinne Einfluss auf die Kleidung, löse meine Texte vom Manuskript und verändere auch schon mal die Handlung. Wenn ich noch mutiger werde, und bereit bin Risiken einzugehen, kann ich das Theater auch verlassen. Nur dann bin ich auf mich allein gestellt und das kann allerlei Ängste auslösen.
Im schlimmsten Falle kann ich alles verlieren.
Nur wenn mit meinem Mut auch mein Bewusstsein gewachsen ist und ich erkannt habe, dass diese (wie auch manch andere) Angst – in Wirklichkeit – eine Illusion ist und ich gar nichts verlieren kann, weil mir nichts gehört, bin ich tatsächlich weitergekommen.
Wenn ich an nichts mehr anhafte, kann ein angstfreier und würdevoller „Abgang“ (ganz ohne Trauermarsch und Salutschüsse) gut gelingen, weil nichts mehr hakt, wenn ich wieder zu dem werde, was ich vorher schon war, ein spirituelles Wesen, das nichts weiter mitnimmt als ein gereiftes Bewusstsein und dem anstatt dem Gefühl von Verlust reine Liebe entgegenströmt.
Wenn diese Aussichten auch nicht schlecht sind, heben sie aber die Aufgabenstellung für dieses Leben nicht auf.
Es geht immer darum, Liebe für dieses Leben zu entwickeln und Liebe zu mir selbst. Eigenliebe ist deshalb sehr wichtig, weil ich etwas aufbaue, was ich an Andere und Anderes weitergeben kann. Wenn ich für mich (und in mir) keine Liebe habe, kann ich keine Liebe ausstrahlen, beschränke meine Lebensfreude immens und verfalle der Versuchung, Sinn irgendwo da draußen zu suchen. Das bringt vermutlich selten Erfolg, denn ohne Liebe ist alles sinnlos.
LG * Helmfried
 
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ewaldt

Well-Known Member
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1. Dezember 2016
Beiträge
2.290
Ich weiß nicht, ob das Ende das Ziel ist; ich befürchte das Ende kommt auch ohne eine solche Zielstellung.
Dein Text zu sterben und Tod wäre auch gut für den Pfarrer als Sonntagspredigt geeignet. Da Du es bist und heute Sonntag ist, versuche ich darauf aus philosophischer Sicht zu reagieren, denn ich sehe, was den Tod oder das Sterben angeht einiges pragmatischer. Aber mich freut zu welchen Gedanken Dich meine kleinen Sätze inspiriert haben und da hast Du völlig recht, ohne gesunde Eigenliebe ist alles nichts.
Genau, das Ende kommt sowieso und wenn man sich das als Ziel setzt ist schon mal klar, dass man es erreicht, das entspannt wunderbar. Ich freue mich auf das Ende, denn dann ist es geschafft und ich habe auch nicht noch einiges zu erledigen. Ich lebe mit allem drum und dran, ich will 120 Jahre alt werden, habe noch nicht einmal die Hälfte, aber das macht nichts, darüber denke ich nicht nach, ich beschäftige mich mit dem Moment der gerade ist und da eine Erfüllung zu erleben wäre schön und so geht es immer weiter. Der materielle Besitz ist dabei völlig belanglos, es geht um das psychische Loslassen, um den seelischen Freiraum und den kann man erleben, egal ob man Bettler oder Milliardär ist, denn das Ende ist immer gleich. Sicher, man kann von seinem Hab und Gut nichts mitnehmen, von Grabbeigaben abgesehen, aber man kann es an die nächste Generation vererben und dann lebt es in den Kindern und Enkeln fort. Ansonsten bin ich überzeugt, dass es eine Verantwortung für die eigene Habe gibt und dazu gehört auch wer ich bin, das lässt sich nicht verleugnen, man ist selbst der eigene Schöpfer. Wer im Leben eine Marionette ist, bleibt fremdgesteuert und leidet beim Sterben, aber wer, frei nach Schiller, 'sich selber schafft und nicht gemacht wird von irgendwem oder irgendwas' ist auch Gestalter des Endes, des Sterbevorganges und erlebt es glimpflicher. Wie gesagt, Loslassen kann man ein Leben lang üben. So lasse ich jetzt diesen Moment des Schreibens los und widme mich dem nächsten Moment, mit etwas anderem an diesem wunderbaren Sonntag mit leichter Schneedecke dem Lockdown von der letzten Coronawelle sehr ähnlich. Sterben und Tod ist offensichtlicher Alltag in der Krise.
 
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