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papstrede im bundestag

EarlGrey

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5. September 2007
Beiträge
3.475
wer kann mal zu den einzelnen absätzen sachlichen kommentar abgeben ?


Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstagnachmittag im Bundestag in Berlin gesprochen. Seine Rede im Wortlaut.

„Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen (...). In dieser Stunde wende ich mich an Sie, verehrte Damen und Herren – gewiss auch als Landsmann (...). Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. (...)

Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.

Wie erkennen wir, was recht ist? Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? (...) In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. (...)

Recht kann auch Unrecht sein
Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, dass geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war. (...)

Wenn damit bis in die Zeit der Aufklärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen. (...)

Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation entstanden ist. (...) Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen. Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erkennt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen.

Nicht allein von Vernunft leiten lassen
Das gleiche gilt (...) für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus.

Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall -, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.

Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden.

Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, dass wir in dieser selbst gemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.

Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? (...)

Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte (...). Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseiteschieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet.

Jungen Menschen war bewusstgeworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. (...) Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. (...)

An dieser Stelle müsste uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis. Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben.

Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist. (...)“
 
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AW: papstrede im bundestag

1. wer kann mal zu den einzelnen absätzen sachlichen kommentar abgeben ?


2. Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstagnachmittag im Bundestag in Berlin gesprochen. Seine Rede im Wortlaut.

Zu 1.:
Ich natürlich ....:schnl:
Aber heute nicht mehr ....:nein:

Zu 2.:
Wer sich lediglich auf den Rechtspositivisten Hans KELSEN beruft, kann dann natürlich leicht pseudo-rechts-philosophisch herum-sülzen ...:lachen::lachen::lachen:
Ganz schön raffiniert, dieser bi-gotte-schein-heilige-"Vater"..., zumal die meisten Bundestagsabgeordneten wahrscheinlich eh' keine Ahnung von der RADBRUCH'schen Formel und den Reflexionen des Staatsrechtlers Martin KRIELE haben dürften :dontknow:

Ausserdem ist in der Religionsphilosophie schon lange ein ganze anderes Reflexions-Niveau erreicht worden, als es dieses armselige Päpstlein zu repäsentieren vermag ...
Aber den "gläubigen" christlichen Macht-Menschen im Deutschen Bundestag, die mehr oder weniger devot um dieses Männlein herumschwarwenzeln, wird dieses Gesülze bestimmt gefallen haben ...:lachen:
 
AW: papstrede im bundestag

Und derweilen vor den Toren Ro... öh Berlins ... :ola:

Demonstration gegen den Papstbesuch
„Keine Macht den Dogmen“
http://www.faz.net/artikel/C32826/d...stbesuch-keine-macht-den-dogmen-30691226.html

bx6a8aj8v3sbyv0t1.jpg

http://www.faz.net/s/Rub0703B8D945F...4A44D0B13C8C7172B474F3~ATpl~Ecommon~SMed.html
 
AW: papstrede im bundestag

ich habe mir gerade die Rede des Papstes durchgelesen

philosophische Zusammenfassung
  1. das Recht ist das Ziel
  2. das Recht steht über den im Staate Mächtigen
  3. das Recht wird nicht offenbart und dann als Gesetz verkündet
  4. das Recht ergibt sich aus dem göttlichen Zusammenklang von Subjekt und Objekt
  5. das Recht ergibt sich aus dem Sein

politische Zusammenfassung
  • die Ökologie-Bewegung der 70er war ein richtiges Signal
  • der Positivismus der Gegenwart ist einseitig
  • der Mensch kann nur ökologisch verstanden werden
  • die europäische Kultur leidet unter dem Positivismus
 
AW: papstrede im bundestag

mein linkes Parteiprogramm
richtet sich gegen den juristischen und finanz-und wirtschaftspolitischen Positivismus
6. wir setzen uns für den Sinn des Rechtes ein
6.1. eine durch Paragraphen(reiter) gesetzte Rechtswirklichkeit ist einer Rechtssprechung unwürdig
6.2. die Gesetzestexte müssen komplett überarbeitet und vereinfacht werden,
damit in Zukunft Gerichtsurteile als Zusammenspiel von freien Gedanken und strengen Richtlinien nachvollzogen werden können

7. wir sind Anhänger von Lenkungssteuern
7.1. der Staat erhebt nicht deshalb Steuern, um Geld in einen Topf werfen zu können,
aus dem dann alle Geldforderungen bedient werden (= Finanzierungssteuer),
sondern um dieses Geld in dem Bereich, in dem es erhoben wurde, so einzusetzen,
daß dieser Bereich davon profitiert (= Lenkungssteuern)
7.2. der Staat versucht dabei, die wirtschaftliche Aktivität in solche Bereiche zu lenken,
die bisher mit Geld unterversorgt waren

8. wir wollen das Kapital mehren
8.1. wir betrachten das Kapital als Gegenwert des Geldes
(aus diesem Grund sorgen wir uns um die konkrete Landnutzung)
8.2. wir glauben (wie die Christen), daß sich das Kapital vor Ort höherentwickelt
und dabei nacheinander folgende Wirtschaftssektoren ausbildet
I: historisch überliefert
II: Massenproduktion
III: Optimierung der Produktion
IV: Umweltschutz
V: Soziales
VI: Recht
VII: Wissenschaft
VIII: Kunst
IX: Religion
 
AW: papstrede im bundestag

die rede war die eines intelektuellen

leider weicht der papst den wirklich drängenden fragen der menschen aus.....

ich vermute, die altherrenriege im vatikan hat den bezug zur wirklichkeit schon vor langer zeit verloren.

der skandal wegen des sexuellen mißbrauchs hat nur das faß zum überlaufen gebracht und wurde in dieser rede nicht thematisiert.

mein eindruck ist der, daß ich es nicht als glaubwürdig annehmen kann, wenn der oberhirte der katholiken moral anmahnt, während er in seiner funktion als chef der glaubenskongregation dafür gesorgt hat, daß pädophile priester vor der weltlichen justiz beschützt und versteckt wurden und bedenkenlos auf neue opfer losgelassen wurden.

wenn dieser mensch von menschwürde spricht klingt das in meinen ohren wie hohn.
ich finde es auch nicht provinziell - wie von manchen kommentatoren geäußert - daß etliche abgeordnete den planarsaal während der rede verlassen haben.

peinlicher wäre es gewesen, wenn einer von ihnen das lied
"ihr kinderlein kommet" gespielt hätte.....

wenn sich in erzkatholischen ländern wie spanien und irland schon widerstand gegen den papst und rom formiert, der auch teilweise noch von geistlichen angeführt wird, sollte man sich schon mal fragen, wie weit die institutuion kirche vom untergang entfernt ist.

viele menschen in unserer westlichen welt sind durchaus heute in der lage zwischen dem christlichem glauben und der kirche als institution zu unterscheiden.

mal sehen wie weit sich der papst in den nächsten tagen in bezug auf die ökumene und ein gemeinsames abendmahl bewegen wird.....

es gäbe viel zu tun - ich befürchte die kirchenoberen werden es aber ruhen lassen
 
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AW: papstrede im bundestag

1. die rede war die eines intelektuellen

2. leider weicht der papst den wirklich drängenden fragen der menschen aus.....

3. ich vermute, die altherrenriege im vatikan hat den bezug zur wirklichkeit schon vor langer zeit verloren.

4. der skandal wegen des sexuellen mißbrauchs hat nur das faß zum überlaufen gebracht und wurde in dieser rede nicht thematisiert.

5. mein eindruck ist der, daß ich es nicht als glaubwürdig annehmen kann, wenn der oberhirte der katholiken moral anmahnt, während er in seiner funktion als chef der glaubenskongregation dafür gesorgt hat, daß pädophile priester vor der weltlichen justiz beschützt und versteckt wurden und bedenkenlos auf neue opfer losgelassen wurden.

6. wenn dieser mensch von menschwürde spricht klingt das in meinen ohren wie hohn.

7. ich finde es auch nicht provinziell - wie von manchen kommentatoren geäußert - daß etliche abgeordnete den planarsaal während der rede verlassen haben.

8. peinlicher wäre es gewesen, wenn einer von ihnen das lied
"ihr kinderlein kommet" gespielt hätte.....

9. wenn sich in erzkatholischen ländern wie spanien und irland schon widerstand gegen den papst und rom formiert, der auch teilweise noch von geistlichen angeführt wird, sollte man sich schon mal fragen, wie weit die institutuion kirche vom untergang entfernt ist.

10. viele menschen in unserer westlichen welt sind durchaus heute in der lage zwischen dem christlichem glauben und der kirche als institution zu unterscheiden.

11. mal sehen wie weit sich der papst in den nächsten tagen in bezug auf die ökumene und ein gemeinsames abendmahl bewegen wird.....

12. es gäbe viel zu tun - ich befürchte die kirchenoberen werden es aber ruhen lassen

Zu 1.:
Aber dafür äußerst schwach, was ich :ironie: ausnahmsweise mal beurteilen kann, weil ich mich mit rechts-philosophischen Fragen/Themen :ironie: ein klein wenig auskenne ...:lachen:

Zu 2.:
Er hat halt auch keine Ahnung vom Leben - aber dafür einen theologisch aufgeblähten "Wasserkopf" ...

Zu 3.:
Wie so manche Staats-Re-gier-ung ...:lachen:

Zu 4.:
Aber das ist doch typisch für die Repräsentanten von Macht-Systemen - das Weg-Schauen/Verleugnen/Ignorieren/Vertuschen ...

Zu 5.:
Die Pädophilie hat Methode im katholischen System ...

Zu 6.:
Vor allem dann, wenn dieses Gesülze weit unterhalb des Reflexions-Niveaus ist, das in der Rechts- und Religions-Philosophie schon lange erreicht ist ...

Zu 7.:
Ein solches Gesülze gehört nicht in den Deutschen Bundestag ...aber die ChristlichDummeUnion und die ChristlichStrohdummeUnion und so manche Christen-Menschen in der SelbstProduziertenDummheit sowie bei den GRÜNEN hatten dieses Trost-Gesülze wahrscheinlich bittter nötig ...:lachen:

Zu 8.:
Ja, zumal die Weihnachtszeit erst noch kommen wird ...:lachen:

Zu 9.:
Sie ist wahrscheinlich :dontknow: bereits untergegangen - und hat es nur noch nicht gemerkt ...:lachen:

Zu 10.:
Ja ! Und lassen sich von der Schein-Heiligkeit nicht mehr ver-arschen ...

Zu 11.:
"Schau' mer mol!" :lachen:

Zu 12.:
Was sollten sie auch tun ??? Ein Ertrinkender ertrinkt um so schneller, je mehr und heftiger er sich dagegen wehrt ...:lachen:
 
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