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Mietpreise in Ballungsräumen: Mieter abschrecken?

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von PhilippP, 7. September 2021.

  1. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    801
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    Hallo zusammen,

    bekannt ist, dass Mieten und Immobilienpreise seit Jahren stetig steigen. Insbesondere in größeren Städten und Umgebung sind die Preise inzwischen in Höhen geklettert, dass es für Normalverdiener schwer sein dürfte, sich solch eine Wohnung überhaupt noch leisten zu können.

    Heute habe ich eine Freundin in einer Großstadt (Deutschland) besucht. Sie wohnt in einem Neubaugebiet (ehemalige Industriegegend) in Wohnblocks dicht auf dicht. Klar, die Wohnungen sind schon neu und wohl auch bautechnisch auf der Höhe der Zeit, aber wirklich nichts, was einen nun in neidvolles Staunen versetzen müsste - ganz normale Wohnungen in einer gar nicht mal so tollen Wohnlage halt. Die Aussicht vom Balkon direkt auf denjenigen der Nachbarn (und umgekehrt). In Innenhöfen wird der Straßenlärm (Kita, Spielplätze, Baustellen etc.) reflektiert und stetig durch offene Fenster transferiert - auch das normal für eine Großstadt.

    Gar nicht normal sind die Mietpreise. Eine 3-Zimmer-Wohnung (ca. 80 qm) kostet warm 1800 Euro. Jährliche Mietpreiserhöhungen um 10% inklusive.

    Da darf es einen nicht wundern, wenn viele Wohnungen (trotz akuter Wohnungsnot) im Leerstand sind. Leute ziehen ein und wieder aus - wie nennt man eigentlich solche Wohnungen in Fachkreisen, die nur als Sprungbrett nutzbar sind, weil schlicht zu teuer für Normalsterbliche - gibt es dafür mittlerweile einen Fachbegriff?

    Auch besagte Freundin sucht und wird hier nicht auf Dauer bleiben können. Offenbar lohnt sich solch ein Leerstand für große Aktiengesellschaften sogar, ließ ich mir sagen. Könnte es sein, dass horrende Mietpreise und saftige jährliche Mietpreiserhöhungen einen steten Mieterwechsel bzw. Leerstand erst provozieren sollen? Denke ich hier vielleicht zu pessimistisch oder einseitig?

    Ich selbst wohne in einer mittelgroßen Stadt und bin von dergleichen Perversitäten (noch) nicht betroffen, aber auch hier gehört günstiges Wohnen längst der Vergangenheit an.
     
    FreniIshtar gefällt das.
  2. Bernd

    Bernd Well-Known Member

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    3. Mai 2004
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    Berge
    Gründe:
    Fiatmoney sucht sich Sachwerte, für die vorhandene Geldmenge fehlt es einfach an Alternativen,
    anhaltende Attraktivität von Ballungsräumen für junge Leute,
    Bevölkerungspressing in Richtgung Innland...was sich in westlichen Großstädten kondensiert,
    aktuell hohe Neubau- und Sanierungskosten,
    Immobilienmantra : Lage, Lage, Lage
    [Herdenverhalten, Einkommen, Reduktion des Individualismus auf Sexualverhalten und Cyber-Identitäten)]

    Solche Wohnungen werden meist aus beruflichen Gründen bezogen und verursachen beim Mieter erhebliche Umzugs-, Neuanschaffungs-, und Bereitstellungskosten. Die Freude über den gut bezahlten Job und das damit verbundene neue Leben mit einer unerschöpflichen Zahl potentieller Sexualpartner in der Großstadt überwiegt genauere Kalkulationen.

    Diese hohen Mieten drängen nach einem Ausgleichsverhalten, man sucht sich, sobald man fest im neuen Job sitzt und Zeit für eine genaue Recherche im Umland hat, was billigeres. Oft verzögert sich "sicher sein" jedoch um mehrere Halbjahresverträge. Große Immobiliengesellschaften sind vorrangig Kapital-Sammelbecken...erst zweitrangig sind sie, anders als z.B. kleine Wohnungsbaugenossenschaften, gewinnorientiert und an langfristigen Kundenbindungen interessiert. Oft liefern sie die Umzugsdienste und Renovierungsdienste gleich mit und gleichen damit die kurzen Leerstände durch eigene Einnahmen etwas aus. In diesen Umzugsdiensten werden dann oftmals arme Leute oder teils Behinderte ausgenutzt. Die Alternativen zu "Geld in Immobilienfonds stecken" bieten im Moment geringe Konkurrenzzinsen. Aktien sind natürlich etwas drüber, aber Investoren, die in Mietshäuser gehen, haben meist schon Aktien, sie brauchen einfach noch ein weiteres Standbein, bei dem es nicht vorrangig um die höchste Rendite, sondern um einen Risikoausgleich geht.

    Hier prallen also das Interesse an bezahlbaren Mietwohnungen und das momentane Nichtinteresse an einer lückenlosen Vermietung auf einander. Momentan hab ich mal unterstrichen. Dir kann ich nur raten, die anderen in solche Ballungsräume pilgern zu lassen, wie in die Impfzentren und die möglichen Vorteile, die sich daraus derzeit ergeben, bei Bedarf umzusetzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. September 2021
  3. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    801
    Ein guter Beitrag zum Thema. Ab Minute 14 wird auf die von mir aufgeworfene Frage näher eingegangen:
     
  4. ewaldt

    ewaldt Well-Known Member

    Registriert seit:
    1. Dezember 2016
    Beiträge:
    1.981
    Ja, mei, das ist Kapitalismus mit Marktwirtschaft, da wird spekuliert, um Geld zu machen und dafür ist das Produkt Wohnung oder Immobilie hervorragend geeignet, kaum einer kann sich dem entziehen.
    Der Staat regelt den freien Markt nicht, er hat Angst so in eine Planwirtschaft zu geraten. Es bleibt nur zum Wohnen Alternativen zu finden und auf die Spekulationsobjekte nicht hereinzufallen, auch, wenn sie hohe Renditen versprechen.
    Es ist der mündige Bürger, der für sich im Kapitalismus eine Lösung findet und wer das nicht kann, wird erbarmungslos über den Tisch gezogen. Man muss nicht nach München ziehen um Leben zu können und mit den teuren Mieten
    konfrontiert werden, es gibt so viele andere Orte. Jedoch grundsätzlich ist Spekulation auf dem freien Markt in diesem System erlaubt.
     
  5. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    801
    Der Staat versucht schon, hier im Sinne einer "Sozialen Marktwirtschaft" (Kapitalismus pur haben wir hierzulande noch nicht) regulierend einzugreifen, auch wenn dies offensichtlich nicht von spürbarem Erfolg gekrönt ist.

    Es ist eben befremdlich, wenn man in einer Großstadt durch eine Neubausiedlung fährt und dort viele Wohnungen im Leerstand sind, andererseits aber die Nachfrage nach Wohnraum in der Region so groß war wie selten zuvor. Auch hier gab es im Vorfeld Versprechungen der Stadt (ich habe recherchiert), die aber ganz offensichtlich nicht annähernd eingehalten wurden. Man darf hier freilich verschiedener Auffassung sein, aber ich denke nicht, dass es langfristig auch im Sinne einer (gesunden) Marktwirtschaft funktionieren kann, wenn Wohnraum so teuer ist (sein muss?), dass er nicht mehr dauerhaft bewohnt werden kann. Wenn Neubauwohnungen nicht mehr adäquat vermietet werden können (das zahlungskräftige Klientel hierfür auf lange Sicht ausbleibt), dürfte/müsste doch die Rechnung negativ ausfallen. Eine Wohnung mag zwar auf dem Markt zu höheren Preisen verkäuflich sein, wenn sie aktuell unbewohnt ist (und/oder es vielleicht noch nie war), aber wenn sie gar nicht mehr bewohnt werden kann (vom Käufer selbst vielleicht abgesehen, diese Option dürfte bei großen und z.T. im Ausland sitzenden Konzernen aber entfallen), sehe ich keine weitere Wertschöpfungsmöglichkeit. Von einer irgendwann platzenden Spekulationsblase einmal abgesehen.
     
    FreniIshtar gefällt das.

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