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Ist die alte Welt unwiederbringlich verloren?

Chris M

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Nach den Ereignissen der vergangenen zwei Jahre und insbesondere nach denen der vergangen Wochen, stellt sich, wie auch immer man zu diesen Ereignissen steht, die Grundsatzfrage: Ist die alte Welt, wie wir sie bis Ende 2019 noch kannten, unwiederbringlich dahin? Ist es denkbar, dass die Welt noch einmal zurückfinden wird in einen einigermaßen "normalen" Zustand? Aber: War der Zustand der Welt Ende 2019 wirklich normal? Wäre es vielleicht sogar besser, wenn sich tiefgreifende Veränderungen dauerhaft durchsetzen würden? Ich denke, dass jedwede Stabilisierung des Weltzustandes derzeit in sehr weiter Ferne liegt. Wie seht ihr das?
 
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Schau-Steller

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Für mich hat sich am Zustand der Welt nix geändert.
Häuser sind da, Arbeit ist da, nur Geld wird immer knapper..
Und Menschen langweiliger.
 

weltendenkerin

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Die Welt verändert sich eigentlich ständig - in jeder Sekunde, in jedem Moment.

"Panta rei" - "Alles fließt" von Heraklit beschreibt das ganz gut.

Erst nach einiger Zeit bemerken wir aber diese Veränderungen an/in der Welt, weil unser Gehirn diese nicht so schnell feststellen und verarbeiten kann. Im Moment finden sehr drastische Veränderungen statt, die wir eben alle wahrnehmen. Wir können gar nicht anders, als diese wahrzunehmen! Wenn nämlich zu viele Veränderungen auf einmal passieren, realisiert unser Gehirn sehr schnell, dass da etwas Großes passiert, und wir denken dann automatisch, dass nichts mehr so sein wird wie vorher.

Zurück zu Heraklit: Die alte Welt ist in jeder Sekunde schon dahin und es beginnt eine neue Welt. Ja, die alte Welt ist dahin, aber das ist, wenn man Heraklit betrachtet, etwas ganz Normales.
Aber was ist schon normal? Einen normalen Zustand gibt es nicht. Normal ist eine Beschreibung/Merkmal, das nicht unabhängig von einem anderen Merkmal bestehen kann. Das entgegengesetzte Merkmal wäre abnorm. Wir vergleichen eigentlich immer ein Merkmal mit einem anderen, wenn wir etwas als normal oder abnorm ansehen. Im Grunde füllen Menschen Wörter immer mit Bedeutungen und so tun wir dies auch mit den Wörtern normal und abnorm. Aber Bedeutungen können sich grundsätzlich wandeln und so haben sich im Laufe der Geschichte die Bedeutungen der Wörter normal und abnorm geändert.
Vielleicht sollten wir uns solche Begrifflichkeiten auch abgewöhnen. Das würde ich sehr sinnvoll finden.
 

Waldboden

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Ja, das einzig beständige ist die Veränderung.
Aber hier würde ich etwas Wesentliches unterscheiden: ist die Veränderung eine von mir gewollte/hervorgebrachte oder passiert sie von außen ohne das ich direkten Einfluss darauf habe. Die Anpassung an letzteres ist natürlich schwieriger und oft ist es so, dass diese Veränderungen nicht ins eigene Weltbild passen. Hier liegt die Schwierigkeit damit klar zu kommen und leider gehört dies zum Leben dazu. Aber auch hier sehe ich ein Potential oder vielleicht sogar eine Notwendigkeit sich neu einzurichten, wenn ungewollte Veränderungen dazu beitragen, das Gefühl zu haben, das eigene Leben würde einem entgleisen und nicht mehr ausreichend lebenswert erscheinen. Neue Wege kann man so gut wie immer beschreiten.
 

Waldboden

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Zurück zu Heraklit: Die alte Welt ist in jeder Sekunde schon dahin und es beginnt eine neue Welt. Ja, die alte Welt ist dahin, aber das ist, wenn man Heraklit betrachtet, etwas ganz Normales.
Aber was ist schon normal? Einen normalen Zustand gibt es nicht. Normal ist eine Beschreibung/Merkmal, das nicht unabhängig von einem anderen Merkmal bestehen kann. Das entgegengesetzte Merkmal wäre abnorm. Wir vergleichen eigentlich immer ein Merkmal mit einem anderen, wenn wir etwas als normal oder abnorm ansehen. Im Grunde füllen Menschen Wörter immer mit Bedeutungen und so tun wir dies auch mit den Wörtern normal und abnorm. Aber Bedeutungen können sich grundsätzlich wandeln und so haben sich im Laufe der Geschichte die Bedeutungen der Wörter normal und abnorm geändert.
Vielleicht sollten wir uns solche Begrifflichkeiten auch abgewöhnen. Das würde ich sehr sinnvoll finden.

Mir ist noch etwas eingefallen, das vielleicht erwähnenswert wäre:
"Die alte Welt ist in jeder Sekunde schon vorbei" - aber dennoch schwelgen viele von uns sehr oft oder vielleicht im Übermaß in der Vergangenheit. Es ist interessant zB in Anbetracht der Pandemie zu beobachten, wie viele sich die alte Normalität herbeiwünschen und dabei frage ich mich oft, war denn das Leben vor der Pandemie wirklich so toll, dass man sein altes Leben um jeden Preis gern wieder hätte? Ist es vielleicht nicht eher ein Eingeständnis dafür, dass wir mit Veränderungen nicht klar kommen und uns eigentlich immer nur ewig gleiches wünschen? Ich meine, ich würde soweit gehen zu behaupten, wäre das Leben ein ewig gleiches - würde man sich aus der Langeweile doch eine Veränderung wünschen - so gesehen verstehe ich den Menschen überwiegend als ein stets unzufriedenes Wesen, aber vor allem als ein Wesen, dass sich enorm schwer tut gegenwärtig zu leben, weil es mit einem mehr an Aufwand verbunden ist. Es ist doch ein viel leichteres, in Gedanken an etwas Vergangenes festzuhalten oder von einer bessere Zukunft zu träumen, als sich damit abzufinden, was gerade da ist - oder irre ich in dieser Annahme?
 

Chris M

Well-Known Member
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2. November 2014
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3.072
Es ist interessant zB in Anbetracht der Pandemie zu beobachten, wie viele sich die alte Normalität herbeiwünschen und dabei frage ich mich oft, war denn das Leben vor der Pandemie wirklich so toll, dass man sein altes Leben um jeden Preis gern wieder hätte?

Im Grunde habe ich schon immer das Gefühl gehabt, dass unsere ganze Zivilisation auf sehr wackeligen Beinen steht. Ich habe daher schon immer mit den Leuten sympathisiert, die sich auf drastische Veränderungen im Weltgeschehen vorbereiten, was man allgemein als "Prepping" bezeichnet. Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie schnell unsere Hightech-Welt zum Stillstand kommen kann. Und jetzt haben wir auch noch einen neuen Krieg, der die Schachfiguren auf der Weltkarte für Jahrzehnte verschieben wird. Ich denke, die alte Welt ist dahin, aber sie war so zerbrechlich, dass sie nichts anderes verdient hat. In Zukunft sollten wir kleinere Annehmlichkeiten wieder höher bewerten, denn jetzt wissen wir ja, wie es ist, zu Hause eingeschlossen zu werden. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass das große Erwachen schon stattgefunden hat. Da muss vermutlich noch mehr kommen.
 
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