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Homeschooling

Dieses Thema im Forum "Bildung" wurde erstellt von pasquino, 28. Juli 2021.

  1. pasquino

    pasquino Member

    Registriert seit:
    3. Juni 2018
    Beiträge:
    51
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    Ist ja nichts Neues, früher gab es Hauslehrer in betuchten Familien, und die Qualität derartiger Ausbildung war vergleichsweise hoch. Etwas überraschend für mich jetzt, dass beispielsweise das letztschuljährige allgemeine Homeschooling wohl ebenso erfolgreich war. Im Gymnasium gegenüber, in welchem meine beiden Kids ihr Abitur erfolgreich, wenn auch nicht mit Bestnoten ablegten, waren Abschlussnoten mit einer 1 vor dem Komma bislang rar. Niemals prozentual zweistellig, also (deutlich) weniger als 10% der Schul-Abschließenden. Jahr für Jahr.

    Wie in lokalen Medien dieser Tage nachzulesen war, hat sich das Wissens- und Bildungsniveau trotz oder wegen Homeschooling drastisch verbessert. Mehr als 50% (!) aller Abiturient*I*nnen haben dieses Jahr eine 1 vor dem Komma.

    Frage:
    Wozu brauchen wir eigentlich noch Schulen mit desillusionierten Lehrkräften in maroden Schulgebäuden, wenn das Homeschooling wie dieses Jahr erfahren deutlich bessere Ergebnisse bringt?

    Kleine Zusatzfrage:
    Oder waren die Noten für vergleichbare Leistung dieses Jahr vielleicht nur des lieben Friedens willen besser?
     
  2. Bernd

    Bernd Well-Known Member

    Registriert seit:
    3. Mai 2004
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    Ort:
    Berge
    Pasquino:" Wozu brauchen wir eigentlich noch Schulen mit desillusionierten Lehrkräften in maroden Schulgebäuden, wenn das Homeschooling wie dieses Jahr erfahren deutlich bessere Ergebnisse bringt?"
    Damit die Eltern am Arbeitsplatz ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen können.

    Oder waren die Noten für vergleichbare Leistung dieses Jahr vielleicht nur des lieben Friedens willen besser?
    Das würde eine verschlagene Absicht erfordern. Aber wir haben ja gelernt, Autoritäten haben keine bösen Absichten. Du müsstest mal die Zahl der Schulabbrecher für 2020 herausbekommen. Bis 2019 lag sie in D. jährlich bei 104.000 Kindern, für 2020 erwarteten die Jugendämter 210.000. Wieviele es tatsächlich geworden sind, ist mir unbekannt.
     
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  3. pasquino

    pasquino Member

    Registriert seit:
    3. Juni 2018
    Beiträge:
    51
    Wir hatten ein anderes Modell. Einer ist deiner sog. "eigentlichen" Bestimmung Arbeit nachgekommen, der andere der verantwortlichen Bestimmung Erziehung.
    Hat gut funktioniert. Homeschooling wäre kein Problem gewesen, wir waren quasi darauf eingerichtet bis vorbereitet.
    Da wären die Gründe wichtig. An einer fehlenden guten Benotung kann es ja offensichtlich nicht liegen.
     
  4. ewaldt

    ewaldt Well-Known Member

    Registriert seit:
    1. Dezember 2016
    Beiträge:
    1.981
    Schule ist einfach ein zu schönes Thema um daran vorbeizugehen.
    Noch gibt es an den meisten Schulen Frontalunterricht und wenn man das wiedergibt, was der Lehrer vorgekaut hat, gibt es eine eins.
    Das hat mit Lernen um das Leben mit sich selbst zu bewältigen nicht viel zu tun, in der Klasse dem Lehrer gehorchen ist das oberste Gebot.
    Da geht es im Homeschooling viel lockerer und selbstbestimmter zu, der Schüler kann lernen, weil er sich den Stoff aneignet und nicht weil der Lehrer meint die zehn Punkte, musst Du wissen die frage ich bei der nächsten Arbeit ab.
    Was Schulabbrecher sind, ist mir nicht ganz klar bei einer gesetzlichen Schulpflicht für zehn Jahre Schule oder sind damit die Abiturklassen gemeint? Nach meiner Beobachtung wird die Schule noch durchgezogen mit elterlicher Behütung und schulischer Betreuung, erst im Studium als Erwachsener mit Selbstständigkeit müssen viele das Handtuch schmeißen wegen Überforderung und psychischer Symptome. Zu Hause lernen mit virtueller Unterstützung ist für Menschen, die gerne selbstständig sein wollen und das sind die meisten, doch wesentlich effektiver als direkt der Macht des Lehrers ausgeliefert zu sein. Aus diesem Grund erledige ich meine Qualifikationen seit Jahren gerne über Fernschule, auch aktuell bin ich in einem Kurs wo es hauptsächlich um selbstständiges lernen geht und der Lehrer erst am Ende drauf schaut. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Homeschooling bessere Ergebnisse bringt, auch wenn die Überwindung für den Einzelnen größer ist, jedoch das ist oft so, je schwieriger der Anfang, desto besser das Ergebnis am Ende. Jedoch geht es in der Schulzeit für die Kinder nicht nur um Noten, es geht auch um Gemeinschaft, um soziale Hierarchie und um den Austausch mit allen Sinnen, das geht nach wie vor nur analog über persönlichen Kontakt. Deshalb wird Schule ein Ort bleiben, an dem man sich gemeinschaftlich trifft, nur das wie Unterricht stattfindet ließe sich ändern. In der Schulbank sitzen und dem Lehrer der von vorne Vorträge hält nachbeten, um es genau so zu reproduzieren hat mit Lernen nicht viel zu tun, da ist selbstständiges Lernen mit Homeschooling besser.
     
  5. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    801
    Ich vermute, dass dies in der Tat des Pudels Kern ist. Wie oft wurden wir beispielsweise von unseren Vorgesetzten direkt oder indirekt daran erinnert, doch bitte "pädagogisches Augenmaß" walten zu lassen. Da zudem ohnedies die wenigsten Lehrkräfte (wie irrtümlich häufig angenommen wird) gerne schlechte Noten verteilen - das bedeutet in der Regel nur Ärger für alle Beteiligten und steht für ein Scheitern nicht nur auf Seite des Lernenden - und viel lieber einen sichtbaren Lernerfolg entsprechend positiv quittieren, wurde hier folglich alles ausgeschöpft, was möglich war, um dies zu realisieren.

    Nicht zuletzt waren wir Lehrkräfte letztlich durch die ganzen Corona-Wirrungen vielleicht einfach auch zu entkräftet, um noch großartige Energien in eine leistungsmäßig wirklich angemessene Notengebung zu investieren. Völlig auszuschließen ist auch das nicht.
     
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  6. PhilippP

    PhilippP Active Member

    Registriert seit:
    8. April 2003
    Beiträge:
    801
    So oder so ähnlich war Schule bestimmt vor 100 Jahren. Aber auch damals wird es schon hin und wieder Lehrkräfte gegeben haben, denen eigenständiges Denken und also Erziehung hin zur (geistigen) Selbständigkeit am Herzen lagen; heute sind dies allgemeine Grundsätze der Beschulung. Das verhindert nicht, dass Menschen mit autokratischer Gesinnung nicht auch als Lehrer tätig sein können, es sorgt aber zumindest dafür, dass diese in ihren Machenschaften einigermaßen wirkungsvoll beschnitten und reglementiert werden. Zu Kaiserzeiten durften eben jene nach Gutdünken walten und schalten - gut also, dass wir in moderneren Zeiten leben (dürfen).
     
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