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Fraktale Wiedergeburt

damian

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9. April 2006
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12
Mir ist noch ein Gedanke gekommen, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Es handelt sich dabei um den Gedanken der fraktalen Wiedergeburt.

Dabei gehe ich davon aus, dass der Mensch nicht einmal ein winziges Staubkorn in den unendlichen Weiten des Universums ist, so dass ein "Baumeister namens Gott" sich kaum an mit so einer Winzigkeit aufgehalten hätte. Folglich ist der Mensch ein Tier wie jedes andere, ein "zufälliges" Produkt der Evolution und als solches lediglich mit einem größeren Bewußtsein ausgestattet.

Dieser Ausgangspunkt lehnt jeden Gedanken an ein Leben nach dem Tod ab.

Doch ist der Mensch auch ein Kind seiner Zeit insbesonders im Kollektiv, aber auch und gerade als Individuum und als solches Kind großteils abhängig von allem, was zuvor in der Geschichte (an diesem Ort, in dieser Familie, in dieser Gesellschaft ... ) und in globalem Sinn überall auf der Welt passiert ist.

Und mit jeder Handlung und jeder Unterlassung findet eine Entscheidung zwischen Gut und sagen wir Nicht-Gut bzw. Böse statt, wobei jeder gewählte Weg wiederum den Start für eine weitere Entwicklung gibt.

In diesem Sinn wird jeder von uns durch sein Tun und Nicht-Tun jeden einzelnen Tag wiedergeboren in genau dem Sinn.


Fraktale Wiedergeburt bezieht sich also nicht auf nach dem Tod, sondern im Gegenteil gerade auf die Lebenszeit. Und fraktal deutet an, dass es sich nicht um eine Wiedergeburt als Ganzes bzw. als Einheit oder gar als eigenständiges Individuum handelt, sondern um eine Unzahl an "EINZELHEITEN", die ANDAUERND wiedergeboren werden.

Und das in jedem Gespräch, aber auch mit jedem Blick, mit jeder Geste, mit jedem Brief oder Geschenk, mit jedem Tun und Unterlassen, mit jedem Bild, Lied ... täglich zu jeder Zeit, world wide.

Das ganze bekommt mit folgendem Gedanken noch eine weitere Dimension: "gutes" Handeln fördert das eigene Glück.

Wir sind also in eine gewisse Summe an Eigenschaften, die sich aus vergangenen Handlungen (unserer Vorfahren z.B.) bedingen, hineingeboren. Dennoch zweifle ich nicht an einem gewissen Handlungsspielraum während des Lebens, insbesondere in Situationen, wo es für uns jeweils 2 oder mehr in etwa gleichwertige Handlungsalternativen gibt, wo die Vorprogrammierung durch Erziehung, Sozialisation usw, keine eindeutige Lösung mehr vorgibt.

Nun postuliere ich, dass sämtliche als "religiös" bezeichneten "GEBOTE" in Wirklichkeit nicht dazu dienen, in einem Leben nach dem Tod belohnt zu werden, sondern:

a) auf positive Weise sämtliche Zukunften aller Wesen auf der Welt beeinflussen und uns
b) glücklich und zufrieden machen, weil
c) der Mensch an sich von Grund auf GUT ist.


zu a): der Einfluss liegt auf der Hand, weil wir eben stark davon abhängen, zu welcher Zeit, an welchem Ort und in welchem Umfeld wir auf die Welt kommen

zu b) + c): dies ist am besten mit einem Beispiel zu belegen: wenn X ein ehrlicher und treuer Mensch ist, wird man X vertrauen. X wird sich besser fühlen, wenn er merkt, dass man ihm vertraut, als wenn er Mißtrauen sich gegenüber spüren würde. Einfach, aber wahr. Der Einfluß ist allgemein eine Verstärkung der Ehrlichkeit/des Vertrauens in der Welt, aber zB auch eine Vorbildfunktion mit allen, mit denen X in Kontakt kommt. X gibt an alle diese Kontakte sein Bild von der Welt weiter.

zu c): Ich bin sicher, dass es wenige Menschen gibt, die einen Lügner einem ehrlichen Menschen vorziehen würden zB.

Zu Unterscheiden ist bei den Geboten noch, welche die Macht = Stellung von Gott bzw. der Kirche festigen möchten (Du sollst an einen Gott glauben zB), und welche direkt das tägliche Verhalten bestimmen. Erstere sind Teil eines großen Märchens zum Zweck der bildhaften Darstellung und zum Zweck des Verständnisses einer grundsätzlich großen Weisheit für zu damaligen Zeiten einfachere Menschen. Nur zweitere geben Aufschluss über allgemeine Verhaltensweisen, die die Zukunft des Menschen positiv beeinflussen und daher im obrigen Sinn Glück bringen (Glück nicht als Gegenteil von Pech).

Klingt wahrscheinlich alles sehr verwirrend, nehme ich an. Doch je mehr ich über dies nachdenke, desto mehr schließt sich ein Kreis, der sehr plausibel erscheint.

Mich würden Eure Meinungen dazu sehr interessieren.

Frohe Ostern in alle Welt.
 
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Miriam

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Damian, hoffentlich darf ich deinen Ursprungsgedanken in eine ganz andere Richtung weiterführen - und das werden auch nur assoziative Gedanken sein, die mir spontan eingefallen sind als ich den Titel deines Threads las.

Du benutzt den Begriff fraktal und ich werde ihn erstmal vom Gedanken der Widergeburt trennen und ihn nur auf den Menschen beziehen. Fraktal beinhaltet für mich in erster Linie eine Brechung - und unser Leben verläuft ja nicht nur gradlienig, sondern erfährt immerwieder auch Brechungen. Im Bereich des geometrisches Musters, führen solche Fraktale zu einem großen Formenreichtum und Komplexität. Für mich besteht darin die Ähnlichkeit zur menschlichen Existenz - denn die Brechungen die wir erleben, führen eigentlich zu unserer Entwicklung, wenn wir sie wiklich wahr nehmen auch zu einer Bereicherung.

Dies nur so ein spontaner Gedanke beim lesen deines Beitrags.
Bleibt nun zu hoffen, dass keiner der von mir sehr geschätzten Physiker vorbeischaut und mich erschießt....
 
Zuletzt bearbeitet:

Jan Amos

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11. April 2003
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Fraktale Wiederholung?

Hallo Damian,

Zitat: „Mich würden Eure Meinungen dazu sehr interessieren.“Nun hier meine Meinung.

Zunächst faszinierte mich der Begriff „Fraktale Wiedergeburt“, zumal ich persönlich ein Anhänger der Idee der Wiedergeburt bin, da mir ein einmaliges Leben im Stoff als unlogisch erscheint. Seit Jahrzehnten frage ich mich, womit habe ich es verdient, dass es mir relativ um so vieles besser geht, als gleichzeitig anderen Mitmenschen zur gleichen Zeit in dieser Welt.
Meine Grundbedürfnisse, Essen u. Trinken, Kleiden und Wohnen sind bestens erfüllt, wenn ich auch nicht im Luxus leben kann.
Also, warum ist das nicht bei anderen Menschen genau so?

Die Waage gilt als Symbol der ausgleichenden Gerechtigkeit und in der Bibel steht der Satz: „Was der Mensch sät, wird er ernten“.
Nun dies kann man im Kollektiv sehen, wie ich das bei Dir herauslese, aber man kann das genauso auf den einzelnen Menschen anwenden und dann bin ich für mich selbst verantwortlich.

Unter fraktal verstehe ich, ständig wiederkehrende Muster, bis hin in die kleinste Ausbildung.
So schreibst Du sinngemäß: „Religionen sind ein großes Märchen, um den Menschen zu beeinflussen. Auch, dass dies in früheren Zeiten notwendig war, da der Mensch noch einfach strukturiert gewesen sei.“
Nun hat sich der Mensch aber m. E. seit den Zeiten der bekannten Geschichtsschreibung, also seit tausenden von Jahren nicht verändert, lediglich die Umstände in die er hineingeboren wurde sind jeweils verändert gewesen. Sei es nun familiär, gesellschaftlich, kulturell, politisch oder sonst wie. Deshalb sind auch heute noch die Religionen für den Großteil der Menschen notwendig, da nur ein geringer Bruchteil der Menschheit frei und ohne Führung leben kann und will, da sie sich sonst verloren vorkämen.

Wenn Du allerdings die unter den veränderten Bedingungen neu erworbenen Verhaltensmuster mit „Fraktale Wiedergeburt“ meinst, dann würde ich dies mit dem Begriff „Fraktale Wiederholung“ belegen.

MfG Jan Amos
 

louiz30

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1. Dezember 2005
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1.789
Dieser Ausgangspunkt lehnt jeden Gedanken an ein Leben nach dem Tod ab.

Damian, diese Aussage ist mir grundlegend unverständlich. Wenn ich es richtig verstehe, dann sagst du, dass es keine Wiedergeburt gibt, weil der Mensch im Universum unbedeutend ist, richtig?

Alles im Universum ist für sich unbedeutend und nur als Teil des Ganzen wiederum bedeutend. Zudem ist das Leben als solches kaum unbedeutend, sondern ein faszinierendes Phänomen, das sich in Struktur und Existenz deutlich von der sonstigen Materie abhebt.

Wie sollte Leben aussehen, wenn es nach deiner Ansicht „bedeutend“ wäre?

Und zuletzt, was bringt dich auf die Idee, dass Tiere keine Seele haben und nicht der Wiedergeburt unterliegen. Vielleicht liest du einmal mehr über andere Religionen und deren Glauben an die Wiedergeburt. Der Buddhismus bietet sich da geradezu an.

Bitte um weitere Erklärung.
 

scilla

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19. April 2003
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6.931
fraktal bedeutet, wie Miriam bereits sagte, gebrochen

gemeint ist damit eine Oberfläche,
die derart rauh ist,
daß man die Oberfläche unendlich vergrößern könnte,
ohne daß jemals eine absolut glatte Oberfläche darin auftaucht

bezogen auf den Fluß des Lebens
tauchen also immer wieder neue Lebensformen auf

Fraktale sind zu sich selbst ähnlich!
die Ontogenese (die Entwicklung des Embryos)
folgt der Phylogenese (der Entwicklung der bisherigen Lebensformen)
 

Miriam

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26. Juni 2005
Beiträge
9.722
Ontogenese - Phylogenese - ich übernehme diesen Aspekt aus Scillas Beitrag.

Darin könnte man tatsächlich auch eine Wiedergeburt sehn - wobei hier, anders als bei den Fraktalen, die immer die Ähnlichkeit zu sich selber aufweisen, in der Ontogenese eine Ähnlichkeit entsteht zu jeweils anderen Organismen, je nach der durchlaufenen embryonalen Entwicklungstufe. Wiedergeburten, die eine aus der anderen (evolutiv) entstehen - doch jede ist, wenn man sie einzeln betrachtet, die Wiedergeburt eines anderen.

Meines Erachtens - ein gutes Thema.
 

Zeilinger

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22. Mai 2004
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16.501
Miriam schrieb:
Bleibt nun zu hoffen, dass keiner der von mir sehr geschätzten Physiker vorbeischaut und mich erschießt....
Den will ich aber rügen und zur Anzeige bringen.

zum Beitrag von Damian: ich habe die fraktale Wiedergeburt als teilweise Wiedergeburt gelesen und finde den Gedanken sehr interessant. Warum sollte nur die Katze 7 Leben haben - bei 7 Leben würden wir 7 Mal wiedergeboren.

Oft denke ich mir auch: ich habe 3 Leben (nicht hierarchisch geordnet) - ein Verstandesleben - ein Triebleben - ein Gefühlsleben.

Auch Deine Signatur, damian, gefällt mir sehr gut.

Liebe Grüße

Zeili
 

damian

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9. April 2006
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Eure Antworten

Einleitend möchte ich mich bei Euch allen für die vielen teilnehmenden Gedanken bedanken. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Thema so viel Resonanz erzeugen würde.

Überhaupt bin ich froh, auf denkforum.at gestossen zu sein.

In Anbetracht der vielen oberflächlichen Menschen in Mitteleuropa ist es ein Genuss, in der Vermutung bestätigt zu werden, dass es noch andere gibt.

Und nun möchte ich auf Eure Antworten eingehen, einzeln, denn jede ist ein einzelnes Statement wert.:sekt:
 

damian

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9. April 2006
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louiz30 schrieb:
Damian, diese Aussage ist mir grundlegend unverständlich. Wenn ich es richtig verstehe, dann sagst du, dass es keine Wiedergeburt gibt, weil der Mensch im Universum unbedeutend ist, richtig?

Alles im Universum ist für sich unbedeutend und nur als Teil des Ganzen wiederum bedeutend. Zudem ist das Leben als solches kaum unbedeutend, sondern ein faszinierendes Phänomen, das sich in Struktur und Existenz deutlich von der sonstigen Materie abhebt.

Wie sollte Leben aussehen, wenn es nach deiner Ansicht „bedeutend“ wäre?

Und zuletzt, was bringt dich auf die Idee, dass Tiere keine Seele haben und nicht der Wiedergeburt unterliegen. Vielleicht liest du einmal mehr über andere Religionen und deren Glauben an die Wiedergeburt. Der Buddhismus bietet sich da geradezu an.

Bitte um weitere Erklärung.

Dazu eine Gegenfrage? Was wäre, wenn aufgrund zB einer Seuche der Mensch aussterben würde? Bist Du der Meinung, das würde sowohl auf der Erde als auch im Kosmos auch nur ein Staubkorn vom Platz bewegen?

Welchen Stellenwert haben wir dann also?

Ich hab übrigens nicht behauptet, dass Tiere keine Seele haben!

Tiere gehören in meine Theorie auf alle Fälle hinein. Speziell in allen Fällen, wo sie Menschen beeinflussen.

Ob Tiere in ihrem Bewußtsein "wissen" bzw. es fühlen können, wenn sie in eine "ungemütliche" Zeit, Gegend usw. hineingeboren wurden, darüber hab ich mir keine Gedanken gemacht, weil sich mein zentrales Interesse uns Menschen widmete. Vom Bauch her glaube ich das jedoch nicht.

Eine Frage bei dieser Gelegenheit: woher möchtest Du wissen, ob und wie viel ich über "andere Religionen und deren Gedanken an die Wiedergeburt" lese oder nicht lese? Was bringt Dich zu diesem voreiligen Schluss?

Bei der Gelegenheit ein lieber Gruß nach Asien.
 
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damian

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9. April 2006
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Miriam schrieb:
Du benutzt den Begriff fraktal und ich werde ihn erstmal vom Gedanken der Widergeburt trennen und ihn nur auf den Menschen beziehen. Fraktal beinhaltet für mich in erster Linie eine Brechung - und unser Leben verläuft ja nicht nur gradlienig, sondern erfährt immerwieder auch Brechungen. Im Bereich des geometrisches Musters, führen solche Fraktale zu einem großen Formenreichtum und Komplexität. Für mich besteht darin die Ähnlichkeit zur menschlichen Existenz - denn die Brechungen die wir erleben, führen eigentlich zu unserer Entwicklung, wenn wir sie wiklich wahr nehmen auch zu einer Bereicherung.

Ich hatte den Begriff "fraktal" eigentlich nur als Synonym für "teilchenweise" verstanden (auch weil ich von Physik usw. nicht die geringste Ahnung hab). Es ist zwar interessant, mehr über den Begriff zu erfahren, jedoch ist mir der Kern der Aussage(n) wichtiger.
 
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