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Faschismus-Referat

scilla

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19. April 2003
Beiträge
6.931
hallo

ich habe nachfolgendes Referat im Radio (Freies Radio für Stuttgart) vorgelesen
der Autor bin ich

damit die Sendung nicht pro-faschistisch verstanden werden kann,
hatte ich mehrere Sicherungsmaßnahmen eingebaut

zunächst habe ich darauf hingewiesen,
daß es ein aktuelles Buch 'UNSER KAMPF' gibt,
in welchem Teile der 68er-Bewegung in Faschismus-Nähe gestellt werden

dann habe ich das Referat durch 'faschistische' Musik (nämlich 68er Drogen-Musik,
sogenannter Acid-Rock) umrahmt
(12 Musikstücke für 11 Absätze)

außerdem habe ich nach jedem Musikstück gesagt:
'weiter gehts mit dem Referat zum Thema Faschismus'

Zitate waren am Zitatanfang als solche angekündigt
(zum Beispiel: Heinrich Himmler, Posener Rede, 1943)
am Zitatende folgte entweder direkt Musik
oder eine Sprachpause​

als Folge dieses Referates wurde ich vom Radio verbannt
Argumentation:
zwar inhaltliche Distanzierung vom Faschismus,
aber in Form und Stil faschistisch

das Referat:

1) es ist sehr schwierig,
sich dem Phänomen Faschismus zu nähern,
da vor dem eigentlichen Faschismus
dessen ästhetische Fassade steht

diese Fassade ist ein Sammelsurium verschiedenster Strömungen,
die im Vorfeld der Nationalsozialisten
von einem neuen Reich, einer besseren Welt, geträumt haben

da es diesen Strömungen während des Dritten Reiches nicht gelungen ist,
Gegenposition zu beziehen,
sehen wir diese heute als festen Bestandteil der faschistischen Ideologie an

daß eben diese Strömungen sehr wohl Gegenposition bezogen hätten,
wenn das Dritte Reich nicht so kurz und heftig gewesen wäre,
ist eine Vermutung meinerseits

ich werde also im Folgenden
den philosophischen Kern des Faschismus vorstellen
und
den Gegensatz zum verirrten Umfeld herausarbeiten


2) das Wort Evolution bedeutet aus faschistischer Sicht nicht Neu-Entwicklung
sondern das Auswickeln von bereits Vorhandenem

(EVOLA 1958/98: 54 Metaphysik des Sexus) schreibt

Vollkommen anders sind die Voraussetzungen, von denen wir hier ausgehen.
Unser Ausgangspunkt ist nicht die moderne Theore der Evolution,
sondern die traditionsgebundene Theorie der Involution.
Für uns ist es nicht so sehr wahr,
daß der Mensch durch Evolution vom Affen abstammt,
als vielmehr,
daß der Affe durch Involution vom Menschen abstammt
... so sind ...
für uns die wilden Völker keine primitiven Völker im Sinne von Urvölkern,
sondern vielmehr degenerierte, dahindämmernde, umnachtete Reste
von älteren, vollständig verschwundenen Rassen.


3) die prototypische Gesellschaftsform ist der Männerbund

(EVOLA 1953/87:160f Menschen inmitten von Ruinen) schreibt

Man kennt die Lehre, die den Staat von der Familie herleiten möchte:
Dasselbe Prinzip, das die Familie und die gens bildet,
soll, ergänzt und erweitet,
zur Bildung des Staates geführt haben.

Ganz gleich, wie die Dinge stehen, beruht der Gedanke,
so den Staat auf eine rein natürliche Ebene zurückzuführen,
von vorneherein auf einem Fehler ...

Es muß auf der Ebene der Männerbünde gesucht werden ...

Zu allererst gibt es da eine besondere Heiligung,
nämlich die eines Mannes, der 'einen Niveauwechsel vollzogen hat'
durch seine Loslösung von der rein natürlichen und vegetativen Ebene.

Seine Ergänzung findet er in der Macht,
das heißt dem Befehlsprinzip in der Hand des 'Männerbundes' ...

Dann bricht diese Linie, und der Verfall der Staatsidee,
der parallel zum Verfall und zur Verdunklung des reinen Prinzips
der Souveränität und der Autorität eintritt,
findet seine Abschluß in der Umkehrung,
durch die die Welt des demos, der materialisierten Massen, auftaucht,
um den politischen Bereich zu erobern.
Das ist auch der tiefste Sinngehalt jeder Form von Demokratie
im ursprünglichen Sinn des Begriffes
und mit ihr ebenso eines jeden 'Sozialismus'.

Beide sind ihrem Wesen nach Anti-Staat, Niedergang und Verunreinigung
des politischen Prinzips.
Mit diesen vollzieht sich auch der Übergang vom Männlichen zum Weiblichen,
vom Geistigen zum Materiellen und unterschiedslos Vermischten.
Das ist eine Rückentwicklung ...


4) die Frauen haben zunächst folgende Aufgabe

ADOLF HITLER vor der NS-Frauenschaft 1934

wenn man sagt,
die Welt des Mannes ist der Staat,
die Welt des Mannes ist sein Ringen,
die Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft,
so könnte man vielleicht sagen,
daß die Welt der Frau die kleinere sei;
denn ihre Welt ist der Mann,
ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus
wo aber wäre die größere Welt,
wenn niemand die kleinere Welt betreuen wollte?
wie könnte die größere Welt bestehen,
wenn niemand wäre,
der die Sorgen um die kleine Welt
zu seinem Lebensinhalt machen würde?
nein:
die große Welt baut sich auf dieser kleinen Welt auf
diese große Welt kann nicht bestehen,
wenn die kleine Welt nicht fest ist ...

ADOLF HITLER auf dem Parteitag 1934

das Wundervolle an Natur und Vorsehung ist es,
daß kein Konflikt zwischen den Geschlechtern möglich ist,
solange jedes von ihnen seine naturgegebene Rolle erfüllt


5) durch die Hintertür wird der Frau eine weitere Aufgabe zugewiesen

72 Frauen und Schönheit 1939
die nordische Frau wirkt nicht nur durch das klare Gesicht,
den wohlgebildeten Körper, das helle Haar
- der besondere Reiz liegt in dem ewigen und aussichtslosen Kampf
gegen das Fremde -
das ist der Mann,
und vor allem der Mann, der aus anderen Ländern kommt

um die unwürdigen Vertreter der arischen Rasse kümmern sich
wieder die Männer

HEINRICH HIMMLER Posener Rede 1943

Man wird nach dem Krieg einmal feststellen können,
welcher Segen es für Deutschland war,
daß wir allen Humanitätsdußelern zum Trotz
- das kann ich für mich in Anspruch nehmen, kann ich sagen -
daß ich diese gesammte kriminelle Unterschicht des deutschen Volkes
in die KZs einsperrte

Menschen jüdischen Glaubens gelten als besonders gefährlich

HEINRICH HIMMLER Posener Rede 1943

Wir haben das moralische Recht, wir hatten die Pflicht,
unserem Volk gegenüber das zu tun,
dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.
Wir haben aber nicht das Recht,
uns auch nur mit einem Pelz, mit einer Mark,
mit einer Zigarette, mit einer Uhr, mit sonst etwas zu bereichern.
Das haben wir nicht.
Denn wir wollen nicht am Schluß, weil wir den Bazillus ausrotteten,
an dem Bazillus krank werden und sterben.


6) die gesäuberten arischen Stämme
sollen im Großdeutschen Reich zusammengefasst werden

der hierzu notwendige Grund und Boden
darf vom ausländischen Nachbar annektiert werden

HEINRICH HIMMLER Posener Rede 1943

Wie es dem Russen geht, wie es dem Tschechen geht,
ist mir total gleichgültig.
Das, was in den Völkern an gutem Blut da ist,
das werden wir uns holen,
in dem wir denen, wenn notwendig,
die Kinder rauben und bei uns großziehen.
Ob die anderen Völker in Wohlfahrt leben, ob sie verrecken vor Hunger,
das interessiert mich nur soweit,
als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen.

Anders interessiere ich mich nicht.
(Ob bei dem Bau eines Panzergrabens
zehntausend russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht,
interessiert mich nur nur soweit,
als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.)
Wir werden niemals roh sein und herzlos, wo es nicht sein muss.
Das ist klar.
(Wir Deutsche,
die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einstellung zum Tier haben,
werden ja auch zu diesen Menschentieren
eine anständige Einstellung einnehmen.)
Aber uns Sorgen machen? Denen Ideale bringen,
damit unsere Söhne und Enkel es noch schwerer haben mit denen,
ist ein Verbrechen gegen unser eigenes Blut.


7) als Absicherung der eigenen Überlegenheit
werden die kulturellen Leistungen untereinander verglichen

der homologe Vergleich (die kulturelle Wesensgleichheit)
läuft auf die Zuweisung völkischer Verhaltensklischees hinaus

der analoge Vergleich (die kulturelle Funktionsgleichheit)
läuft auf die Zuweisung militärischer Stärke hinaus

man kann hieran erkennen,
daß die Faschisten mit dem Begriff Evolution,
wie bereits gesagt,
nicht viel anfangen können

sie sehen keine wiederkehrenden Perioden
sie sehen keine Symbiose (kein fruchtbares Miteinander)
sie sehen keine Entwicklungstufen (die für alle gelten)

was sie sehen,
ist ein Germanentum,
welches durch die Völkerwanderung Europa geschaffen hat
und dessen Potential
durch die christliche und jüdische Religion behindert wird

und damit sind wir an der ästhetischen Fassade des Faschismus angelangt


8) ich bin davon überzeugt,
daß die faschistische Raum- und Städteplanung,
das heißt die geplanten Infrastrukturanalagen und Gebäudekomplexe,
aufgrund ihrer Dimensionen
früher oder später zu Kopfschütteln in der Bevölkerung geführt hätten

auch der Bauernstand,
immerhin das Rückgrat für eine gesunde arische Rasse,
hätte seine liebe Not gehabt,
wenn die Industrialisierung mit voller Wucht
die ländlichen Räume ergriffen hätte

ich kann mir gut vorstellen,
daß dieses Unbehagen von eben denselben Schwärmern
in Worte gefasst worden wäre,
die im Vorfeld der Nationalsozialisten
die deutsche Kultur und Landschaft verherrlicht haben

die Ächtung dieser Intellektuellen in der Nachkriegszeit
hat dazu geführt,
daß verkehrsgerechte Wohnsilos gebaut,
daß die Flur bereinigt werden konnte ...
daß Deutschland heute so häßlich ist,
wie es die Nazis nicht schlimmer hätten machen können

9) die Beschäftigung mit der ästhetischen Fassade des Faschismus
bringt uns wieder dahin,
wo wir heute wären,
wenn die Selbstheilung vom Faschismus funktioniert hätte

den faschistischen Kern habe ich bereits genannt
und wer sich von diesem nicht angesprochen fühlt,
kann unbekümmert staunen
und sich wundern,
was damals angesagt war

stellt Euch vor,
eine zukünftige Generation würde im Nachhineien
unsere Pop und Rock-Musik verteufeln,
weil diese
den westlichen way of life auf der ganzen Welt populär gemacht hat,
was bekanntlich zu massiven Umweltproblemen führt

die heutigen Faschisten sind sicher nicht diejenigen,
die sich durch entsprechende Kleidung oder Musik
von der Masse abzugrenzen versuchen

auch die Idee einer zu meidenden Masse
ist keine Erfindung elitärer Faschisten,
sondern enstammt dem philosophischen Zeitgeist
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

die Tatsache,
daß sich einige Menschen gerne treffen,
um miteinander Rollenspiele auszutragen,
macht diese nicht zu Kriegsbefürwortern,
die den Ernstfall proben

das trifft schon eher auf die Hooligans zu,
die im Bierrausch fremdenfeindliche Parolen skandieren
und Jagd auf Menschen veranstalten

wenn man die Hooligans als dumme Nazis bezeichnet,
drängt sich die Frage nach den intelligenten Nazis auf

das sind diejenigen,
die wissentlich die öffentliche Diskussion,
den Motor der Demokratie,
ins Stottern bringen wollen

10) in den medialen Vordergrund rücken Scheinprobleme:
die vermeintlichen Gegensätze sind inszeniert,
die Moderatoren beschränkt genug,
so daß die Konsumenten erfolgreich am selbständigen Nachdenken
über ihre Gewohnheiten gehindert werden

drei Beispiele:

Beispiel 1)

derzeit werden die Kreationisten beschuldigt,
die Prinzipien der Evolution zu leugnen

ohne jetzt näher
auf die mir nicht bekannte Position der Kreationisten einzugehen,
es dürfte sich um Schöpfung im weitesten Sinne handeln,
fällt mir auf,
daß gerade die Kreationismus-Kritiker die Evolution
auf faschistische Art und Weise verstehen

der wissenschaftstheoretische Fehler liegt darin,
jeder Wissenschaft
homologe Gesetzmäßigkeiten und analoge Beweisbarkeiten
aufzuzwingen

Beispiel 2)

derzeit werden die Manager beschuldigt,
ihrer Vorbildfunktion nicht nachzukommen

dabei wird vergessen,
daß jeder arbeitende Mensch,
der seine Arbeit gewissenhaft und sorgfältig erfüllt hat,
ein Vorbild ist

worin besteht der Unterschied zwischen einem Spitzenmanager
und einem Führer?

Beispiel 3)

die Neoliberalen treten für Freiheit und Marktwirtschaft,
nämlich für eine freie Marktwirtschaft ein

die Auswirkungen eines grenzüberschreitenden freien Marktes
auf den Umgang mit der Umwelt interessiert sie wiederum nicht
daher blockieren sie Reformvorschläge,
die auf eine Mäßigung des Freien Marktes abzielen

wollt Ihr den totalen Markt?

11) den gemeinsamen Nenner der drei aufgeführten Beispiele
formuliert Julius Evola

(EVOLA 1953/87:145 Menschen inmitten von Ruinen)

Für den wirklichen revolutionären Konservativen geht es um Treue,
nicht zu Formen oder Institutionen vergangener Zeiten,
sondern zu grundlegenden Prinzipien,
wovon die einen oder die anderen Formen
zu einer gewissen Zeit und in einem bestimmten Gebiet
vielleicht auch ein besonders geeigneter Ausdruck gewesen sein könnten.
Und während sich diese besonderen Ausdrucksformen
für sich als vergänglich zu bezeichnen sind,
weil oft mit unwiederholbaren geschichtlichen Situationen verbunden,
haben die entsprechenden Prinzipien einen Wert,
der von solcher Zeitbedingtheit nicht berührt wird und auf ewig 'aktuell' ist.


das klingt wie eine bessere Umschreibung für den Tod

für mich ist das Leben das genaue Gegenteil
es sucht und findet die geeigneten Ausdrücke,
verästelt und entwickelt sich dabei

im Faschismus gibt es diese Evolution nicht
der Faschismus als solcher ist lebensfeindlich

daß es zur Zeit des deutschen Nationalsozialismuses
Millionen von Folterungen und Tötungen gab,
verwundert nicht

man kann aber nicht sagen,
daß ausschließlich Deutsche einen erschreckenden Mangel an Bewusstsein
für ihre Mitmenschen gehabt haben

auch die sogenannten Siegermächte
und später sogar
die überlebenden Opfer der nationalsozialistischen Schreckenherrschaft
haben gewütet

und zwar keine Wut aus einem Affekt heraus,
sondern kühle berechnende Wut,
mitunter als Faschisten ? (FRAGEZEICHEN)

.........

was war gut,
was war schlecht?
 
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Andreas61

Guest
AW: Faschismus-Referat

Hallo Scilla!
Interessante, für mich durchwegs neue Infos und Betrachtungsweisen!
Etwa die Erklärung der „primitiven Völker“ durch Involution,
die Loslösung des Mannes von der Familie und seine neue Macht durch den Männerbund
oder Himmlers Reden (schauderbar!).

UNKLAR ist mir aber einiges, etwa:
"Dann bricht diese Linie, und der Verfall der Staatsidee,
der parallel zum Verfall und zur Verdunklung des reinen Prinzips
der Souveränität und der Autorität eintritt,
findet seine Abschluß in der Umkehrung,
durch die die Welt des demos, der materialisierten Massen, auftaucht,
um den politischen Bereich zu erobern."


Das kapiere ich nicht ganz.

Das hingegen ist bekannt, interessant formuliert:
„das Wundervolle an Natur und Vorsehung ist es,
daß kein Konflikt zwischen den Geschlechtern möglich ist,
solange jedes von ihnen seine naturgegebene Rolle erfüllt“


Klar, die Frau hinter den Herd, die Mutter sorgt für den deutschen Nachwuchs usw.
Aber wem ist das zuzuordnen: Ein Hitlerzitat (weil es nach seinen Aussagen zu lesen ist)? Oder ist das deine persönliche Meinung? Wäre mMn auch noch nicht faschistisch, eher sehr konservativ aus heutiger Sicht.

Die ästhetische Fassade, Hooligans, dumme Nazis, intelligente Nazis:
Für mich eine logische Argumentation, da kann ich nichts Faschistisches erkennen.

Nur: Sehr anspruchsvoll gedacht und geschrieben, verlangt volle Konzentration vom Leser (und noch mehr vom Zuhörer)
und kann deshalb vielleicht auch bald da und dort missverstanden (oder gar nicht verstanden) werden, denk ich mir!

Vielleicht haben deshalb so manche bei Radio Stuttgart irgendwo einen Faschismus hineininterpretiert?

Oder sind es nur die Schlusssätze? Das erscheint mir nämlich heikel: Die Siegermächte sind ja auch nicht viel besser, haben z.B. unnötigerweise Dresden dem Erdboden fast gleichgemacht – wenn ich das in diese Richtung richtig interpretiere.

Das wäre ein eigenes Kapitel, aber richtig ist es schon: Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedes Volk zum Opfer seiner Regierung werden – eben deshalb ist der NS, seine Ideologie und seine Methoden zu verurteilen: Nie wieder!
Diese Zeit hatte ganz besondere Merkmale und Auswirkungen, Vergleiche mit dem Irakkrieg oder Ähnlichem wären da sehr problematisch und leicht missverständlich!

lg
Andreas
 

fusselhirn

Well-Known Member
Registriert
16. Februar 2005
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1.705
AW: Faschismus-Referat

Hi scilla,

gutes Gesamtwerk.

Was ich persönlich gut fand, war die Annäherung des Themas bis hin zur Distanzlosigkeit. Und dann zum Schluß die Kritik und zwar nicht von außen.
Ich hoffe du verstehst mich.

Ich kann mir vorstellen, daß viele Menschen mit deinem Referat so ihre Probleme haben.



lg,
fussel
 

Animus

New Member
Registriert
24. Januar 2008
Beiträge
119
AW: Faschismus-Referat

Hallo

Durchaus interessant, die ganze Geschichte. Mir ist eine andere Sache aufgefallen: Mir scheint, du setzt den Nationalsozialismus mit Faschismus gleich, was vor allem in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt ist. Den ganzen Wahnsinn mit der Evolutionsauslegung usw. gab es im Faschismus nicht, oder zumindest nicht so ausgeprägt. In dieser Sache halte ich das für einen wichtigen Unterschied.
Als wirklich anstößig empfinde ich es nicht - höchstens noch ein bisschen gewagt, aber ich habe schon ganz andere Dinge von Leuten gehört, die trotzdem keine Nazis sind. Wenn man das ganze nur vorgelesen bekommt, hört sich das vielleicht ein wenig anders an - trotzdem für mich kein Grund für einen Radiobann. Außerdem würde mich interessieren was mit "in Form und Stil faschistisch" gemeint ist. Hatten die ein eigenes Versmaß, oder wie? Der Stil der Faschisten/Nazis war Populismus, den es aber durchaus ebenso in der linken Szene gab/gibt. Die Handlungsweise dieser Radioleute ist mir unverständlich.

lg, Animus
 

Thorsten

New Member
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26. März 2007
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1.114
AW: Faschismus-Referat

scilla schrieb:
daß Deutschland heute so häßlich ist,
wie es die Nazis nicht schlimmer hätten machen können

Ist Deutschland denn so häßlich? Architektonisch mit Sicherheit nicht; freilich: der Denkmalschutz hat im Osten gewütet, da bekam das Schweriner Stadtschloß schon vor der Schröder-Agenda ein goldenes Dach, obwohl im benachbarten Quartier die Arbeitslosenquote bei 30% lag. Der Kanzler soll höchst verärgert gewesen sein.

Vom klassischen ästhetischen Faschismus (Futurismus) unterscheidet sich das deutsch-sozialistische Schönheitsideal. Die SPD verherrlichte in ihren Skulpturen den Arbeiter im körperlichen Einsatz, die NSDAP dessen abstraktes Idealbild.

Hauptsache: Bilder von schönen, möglichst nackten Männern.

scilla schrieb:
die Frauen haben zunächst folgende Aufgabe
Vorgestern kam mir eine Frau auf einem Fahrrad entgegen. An einer Baustelle längs einer zweispurigen Verkehrsstraße mußten sich einander entgegenkommende Fußgänger und Radfahrer einen ca. 2 m breiten Verkehrsweg teilen. Die Frau war bereits auf dem Weg und zog zwei selbständig fahrende Kinder nach sich; ich hörte ihr warnendes Klingeln erst, nachdem ich ca. 4 von 50 m diess Weges beschritten hatte und die Frau 1 m vor mir war. Ich hab mich dann gewundert, als die Kinder beide mich im Fahren ansahen, als wenn sie Kopien von Chucky, der Mörderpuppe wären. Nicht mehr erstaunt war ich, als die Frau mir (aus mittlerweile 40 m Entfernung) ein herzhaftes "Vollidiot!" hinterherrief. Am liebsten hätte ich ihr das Mutterkreuz verliehen. Zumal sie trotz der Anstrengung sehr hübsch und sicher mit allen ihr verfügbaren Douglas- und ayurvedischen Wässerchen gewaschen war.

Die Begründung des deutschen Faschismus aus der Männerbündelei ist nachvollziehbar, bedauerlich nur, wenn heutige Mütter dessen Konzept im Rahmen von "Selbstbestimmung" oder "Unabhängigkeit" kopieren, wie sich an der Baustelle zeigte. "Wo ich bin, kann kein anderer sein" - das wollte mir diese eimsbüttler Mutter demonstrieren. Gut gelernt, Madame.

Wer hat Lust, so ein Geschöpf noch nackend zu sehen?

scilla schrieb:
der wissenschaftstheoretische Fehler liegt darin,
jeder Wissenschaft
homologe Gesetzmäßigkeiten und analoge Beweisbarkeiten
aufzuzwingen

Madames Fehler liegt also darin, sich so zu verhalten, wie man es Männern nachsagt. Autoritär jedenfalls - nur, daß sie sich nicht ausziehen will. Pfui! Selbst Friedrich Ebert hat sich dem Volk nackicht gezeigt.

Um das mal auf den Alltag runterzubrechen.
 
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Andreas61

Guest
AW: Faschismus-Referat

man kann aber nicht sagen,
daß ausschließlich Deutsche einen erschreckenden Mangel an Bewusstsein
für ihre Mitmenschen gehabt haben

auch die sogenannten Siegermächte
und später sogar
die überlebenden Opfer der nationalsozialistischen Schreckenherrschaft
haben gewütet

und zwar keine Wut aus einem Affekt heraus,
sondern kühle berechnende Wut,
mitunter als Faschisten ?
Ja, ich glaube beim zweiten Mal Lesen, dass hier das Problem für die Stuttgarter liegt.
Darf man wirklich nicht mit heutigen Zeiten, mit heutigen Kriegen vergleichen?
Weil die NS-Zeit einmalig ist?
Wenn man aber meint, dass man sich vor solcher Ideologie hüten muss, weil Ähnliches jederzeit passieren könnte,
weil die Deutschen ja auch in diesewr Hinsicht nichts Besonderes sind,

dann drängt sich schon die Frage auf,
ob es gerade deshalb nicht umso berechtigter wäre,
zu überlegen,
was davon wir heute in anderer, angepasster Form wieder erlben.

Wurde beispielsweise nicht auch das amerikanische Volk getäuscht,
ließ sich täuschen und manipulieren?
Mit falschen Vorgaben und Rechtfertigungen etwa (humanitäre Gerechtigkeit statt den tatsächlichen Ölinteressen) !

Wäre es da nicht sinnvoller, eben aus den historischen Erfahrungen heraus zu lernen, wie es uns ohnehin immer wieder nahegelegt wird?
Dann sollte man auch solche Beispiele und Kriege ins Auge fassen,
die manchen (den "Siegern") nicht so angenehm sind.
Dann kann man es sich nicht so drehen, wie man es gerne möchte,
um glaubwürdig bleiben zu können, denke ich.

Damit dieser "heikle" Punkt auch mal klar angesprochen sei.

Insofern verstehe ich ebenfalls nicht ganz die Reaktion des Radio. St.
Oder genauer: Verstehen schon, aber schön langsam sollte man sich von solchem Denken lösen und offener diskutieren können...

Gruß
Andreas
 
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oktoberwind

New Member
Registriert
20. November 2007
Beiträge
1.025
AW: Faschismus-Referat

...
daß Deutschland heute so häßlich ist,
wie es die Nazis nicht schlimmer hätten machen können

...
Beispiel 1)

derzeit werden die Kreationisten beschuldigt,
die Prinzipien der Evolution zu leugnen

ohne jetzt näher
auf die mir nicht bekannte Position der Kreationisten einzugehen,
es dürfte sich um Schöpfung im weitesten Sinne handeln,
fällt mir auf,
daß gerade die Kreationismus-Kritiker die Evolution
auf faschistische Art und Weise verstehen

der wissenschaftstheoretische Fehler liegt darin,
jeder Wissenschaft
homologe Gesetzmäßigkeiten und analoge Beweisbarkeiten
aufzuzwingen

Beispiel 2)

derzeit werden die Manager beschuldigt,
ihrer Vorbildfunktion nicht nachzukommen

dabei wird vergessen,
daß jeder arbeitende Mensch,
der seine Arbeit gewissenhaft und sorgfältig erfüllt hat,
ein Vorbild ist

worin besteht der Unterschied zwischen einem Spitzenmanager
und einem Führer?



was war gut,
was war schlecht?

Zum ersten Zitat eine Anmerkung:
Hans-Jürgen Syberberg hat mal mit gewisser Berechtigung festgestellt, die Folge der Goebbels-Propaganda war nicht der Film des III. Reiches, sondern der Heimatfilm der Bundesrepublik.

Zum Beispiel 1
Es war schon immer eine bliebte Methode, eine Theorie zu diskreditieren, indem man sie in Faschismusnähe rückt. Was an der Evolutionstheorie also faschistisch sein soll, kann ich nicht nachvollziehen... - die Kreationisten oder Fundamentalisten jeglicher Färbung scheinen mir da viel bedenklicher...

Zum Beispiel 2
Ein abhängig Beschäftigter ist m.E. mit einem aus der Führungsetage, der dessen Arbeitsplatz aus irgendwelchen Profiterwägungen wegrationalisieren kann, nicht zu vergleichen. Es hat m.E. weniger etwas mit "Vorbild" zu tun als mit Macht und deren Missbrauch... (und ich würde hier lieber auf Canetti verweisen als auf andere Theoretiker)...
 

scilla

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AW: Faschismus-Referat

Danke für die Beiträge

Oder sind es nur die Schlusssätze? Das erscheint mir nämlich heikel: Die Siegermächte sind ja auch nicht viel besser, haben z.B. unnötigerweise Dresden dem Erdboden fast gleichgemacht – wenn ich das in diese Richtung richtig interpretiere.

ich habe das Referat gegen Ende hin abgewürgt

das lag an meiner Zeitvorgabe (1 Stunde inklusive Musik)
das liegt an meinen Gedankengängen,
die in diesem Bereich noch schwimmen

1. Schwimmzug
kann man den Faschismus als eine Art religiösen Wahn verstehen,
der den Besitz/die Besetzung bestimmter Ländereien zu legitimieren versucht?

im Radio (Deutschlandfunk) lief mal eine Doku über einen jüdischen Theologen mit arabischen Leibwächtern,
der behauptet,
daß das Land Israel,
in welches Gott die Juden führt,
eine Himmelreich-auf-Erden-Vorstellung ist,
die erst noch eintreten muss,
das es also aus theologischer Sicht keinen Anspruch auf die Ländereien im Bereich des heutigen Israel gibt

wenn dieser Mann Recht haben sollte,
könnte man dann nicht folgenden Vergleich anstellen?
Volk Israel = israelisches Volk = Staat Israel
arische Rasse = deutsches Volk = Großdeutschland

mich stört nicht die Existenz des Landes Israel,
sondern der Umgang mit den dortigen Vertriebenen​

2. Schwimmzug
im kosmogonischen Denken (der Stoiker)
stirbt die Welt, um danach neugeboren zu werden
ist der Faschismus (Involution = Rückbildung) eine Abart hiervon?

.........

Vom klassischen ästhetischen Faschismus (Futurismus) unterscheidet sich das deutsch-sozialistische Schönheitsideal. Die SPD verherrlichte in ihren Skulpturen den Arbeiter im körperlichen Einsatz, die NSDAP dessen abstraktes Idealbild.

Hauptsache: Bilder von schönen, möglichst nackten Männern.

die Frage ist jetzt,
ob nackte Männer faschistisches Gedankengut enthalten,
oder ob die Faschisten nackte Männer zweckentfremdet haben

Ist Deutschland denn so häßlich? Architektonisch mit Sicherheit nicht

doch!
sowohl auf dem Luftbild
(die Einbettung der modernen Siedlungen in die Landschaft ist katastrophal
richtig schlimm war es in den 60ern und 70ern)
als auch aus Fußgängerperspektive,
(das waren die 70er und 80er schlimm,
Flächensanierung im Westen)
dazu der Verlust der Blumen und Schmetterlinge
(was nicht hätte passieren müssen)

Die Begründung des deutschen Faschismus aus der Männerbündelei ist nachvollziehbar, bedauerlich nur, wenn heutige Mütter dessen Konzept im Rahmen von "Selbstbestimmung" oder "Unabhängigkeit" kopieren

es gibt emanzipierte Frauen,
die die emanzipierten Frauen dafür kritisieren,
daß sie ein Männerbild übernommen haben
und dabei ihr eigenes Frausein vergessen

Selbst Friedrich Ebert hat sich dem Volk nackicht gezeigt.

Um das mal auf den Alltag runterzubrechen.

:) nackte Männer und Frauen braucht das Land!
 

scilla

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AW: Faschismus-Referat

Ein abhängig Beschäftigter ist m.E. mit einem aus der Führungsetage, der dessen Arbeitsplatz aus irgendwelchen Profiterwägungen wegrationalisieren kann, nicht zu vergleichen. Es hat m.E. weniger etwas mit "Vorbild" zu tun als mit Macht und deren Missbrauch... (und ich würde hier lieber auf Canetti verweisen als auf andere Theoretiker)...

ein Manager müsste eigentlich versuchen,
seine Macht zu teilen

nur wenn das nicht geht
(da es keine geeigneten Kandidaten hierfür gibt)
akzeptiere ich die astronomischen Gehälter
(das grenzt für mich an Heldenverehrung)

in Afrika (und wohl auch in Europa) war es früher so,
daß die Führer mit unumschränkter Macht
nach einer gewissen Zeit offiziell getötet wurden
(Helden sind meist auch schon tot)
 
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AW: Faschismus-Referat

Mir scheint, du setzt den Nationalsozialismus mit Faschismus gleich, was vor allem in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt ist. Den ganzen Wahnsinn mit der Evolutionsauslegung usw. gab es im Faschismus nicht, oder zumindest nicht so ausgeprägt.

im Referat beschreite ich diesen Weg,
aber vielleicht ist der ja tatsächlich falsch
 
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