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Eine Frage an R. Descartes

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Helmfried

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12. Mai 2021
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Das einzige intrinsiche Phänomen, das ich kenne, ist das Bewusstsein. Ich glaube auch, dass es sich lohnen würde, darüber nachzudenken, ob das Bewusstsein nicht die innere Natur der Materie ist.
In diesem Zusammenhang lohnt sich möglicherweise ein Ausflug zu ´Baruch de Spinoza´. Seine Werke zu lesen, ist allerdings keine leichte Kost. Da sollte ich mich vorab mit seinen Definitionen und Axiomen beschäftigt haben, sonst wird es anstrengend.
Aus Spinoza´s Sicht, steht Gott nicht außerhalb der Natur; Gott und die Natur ist ein und dasselbe.
Für Spinoza besteht die Welt nur aus Natur ´als einziger Substanz´. Geist und Materie sind eins. Spinoza ist somit einer der ersten Denker, der ein monistisches Weltbild verteidigt, in dem alles auf ein einziges Prinzip reduziert werden kann.
Das alles steht im Gegensatz zum kartesianischen Dualismus, der die Seele vom Körper unterscheidet.
So wie Spinoza Gott sieht, ist das dann nicht mehr der handwerklich schöpfende Gott, es ist vielmehr die geistbegabte Materie, die sich aktiv selbst organisiert, indem sie die von Gott angebotenen Möglichkeiten realisiert.
So könnte ein modernes Weltbild eines sich selbst organisierenden Kosmos mit der Schöpfungstheologie versöhnt werden.
Leider, aber fast erwartungsgemäß, erfuhr dieses Gedankengut nicht die adäquate Würdigung. Die ´Amsterdamer Portugiesische Synagoge´ verhängte den Bannfluch (Cherem) über Spinoza und er übererlebte einen Mordanschlag nur knapp. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Linsenschleifer (da ihm jegliches öffentliches Wirken untersagt war) und starb mit 44 Jahren an Tuberkulose.
Derart Neues (und dazu noch derart Subversives) findet bei den Dogmatikern - auch heute noch - naturgemäß wenig Gegenliebe.
Ich persönlich, hänge sehr an Spinoza´s Philosophie und sah mich auch eine ganze Zeit als begeisterten Pantheisten.
Nur wenn ich diesen Begriff auseinandernehme kommen mir doch (zumindest von der Begrifflichkeit) Zweifel. Pan (alles, gesamt) ist schon okay, aber Theist ???
Jeder weiß, was ein Atheist ist, somit weiß ich auch, was ein Theist ist.
Damit bin ich schon wieder bei Gott, auch wenn der bei Spinoza kein personalisierter Gott mehr ist.
Für mich stimmt bei Spinoza vieles, nur sehe ich, an der Stelle, an der Spinoza Gott sieht, das Bewusstsein.
Das hätte Spinoza nie so darstellen können, schon seine Darstellung, hätte ihm fast das Leben gekostet.
Nun, mit meiner Sicht (auf Gott), würden mich eingeschworene Pantheisten nicht dulden und davonjagen.
So gehe ich, ohne etwas an meiner Sicht ändern zu müssen, einfach nach nebenan. Dort sind die Panpsychisten und da stimmt für mich alles.
Ich werde später tiefer darauf eingehen (sonst wird der Beitrag viel zu lang) und es liest überhaupt niemand. In diesem Zusammenhang möchte ich allen danken, die sich das bis hierher angetan haben.
LG * Helmfried
 
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Helmfried

Well-Known Member
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12. Mai 2021
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584
Das Bewusstsein entzieht sich bis heute einer überzeugenden wissenschaftlichen Erklärung. Zwar besteht Klarheit darüber, dass das Gehirn - in seinem neuronalen Netzwerk - Informationen verarbeitet, aber warum es dabei etwas erlebt, das bleibt mysteriös.
Philosophen sprechen hier vom Leib-Seele-Problem bzw. dem „harten Problem des Bewusstseins“.
So, wie ein funktionales Wissen über das Gehirn nicht klären kann, wie das Bewusstsein entsteht, so erklärt funktionales Wissen über die Wechselwirkungen der Elementarteilchen nicht, was deren innere Natur ist.
In diesem Zusammenhang taucht der Begriff Qualia auf. Mit Qualia ist gemeint, dass sich etwas irgendwie anfühlt.
Die panpsychistische Auffassung dazu ist, dass es Vorformen, die, im Falle des Menschen, als phänomenales Bewusstsein auftreten, von Anfang an gibt und sie fast überall anzutreffen sind.
Diese Vorformen werden “proto-mentale” Eigenschaften genannt.
Die Grundidee des Panpsychismus besagt, dass Materie und Geist zwei Seiten einer Medaille sind.
Das unterscheidet sich von der Identitätstheorie, die annimmt, dass Materie und Geist identisch seien.
Das unterscheidet sich erst recht von der dualistischen These, nach der Geist und Materie zwei unabhängig voneinander existierende Substanzen sind, die miteinander in Wechselwirkung stehen.
Und es unterscheidet sich von der idealistischen Auffassung, nach der die zugrunde liegende Realität rein geistig und die Materie nur eine Erscheinung ist.
Aus der panpsychistischen Grundidee ergibt sich (und das sehe ich als Bestätigung meiner hier schon mehrfach geäußerten Auffassung), dass alle Entitäten zumindest einen geistigen Aspekt, wahrscheinlich sogar eine geistige intrinsische Natur haben.
Wenn aber Materie und Geist so eng miteinander verbunden sind, dann ist überall da, wo Materie ist, auch Geist.
Dualisten behaupten, dass der Geist nicht aus der Materie hervorgehen kann und prinzipiell von anderer Art ist als die Materie.
Materialisten hingegen behaupten, dass mentale oder geistige Eigenschaften nichts anderes sind als komplexe Anordnungen von rein materiellen Dingen.
Für Panpsychisten ist die Entwicklung des Geistigen und Mentalen nur dann erklärbar, wenn Vorstufen des Geistigen oder Mentalen schon in die Grundstruktur der materiellen Welt integriert sind. Sie verneinen die These, dass geistige oder mentale Eigenschaften aus rein materiellen Dingen plötzlich und unvermittelt hervorgehen können.
Wie schon angedeutet, fühle ich mich in diesem Gedankengut sehr wohl, da hier auch die Lösung, für viele offene Fragen, beinhaltet ist.
Die Liste der Verfechter und Sympathisanten ist lang und reicht von Platon über Spinoza und Leibniz bis Whitehead und Russell um einige zu nennen. Auch die deutschen Dichter wie Göthe und Lessing waren diesem Denken sehr zugeneigt.
Vielleicht hat ja jemand, hier auch schon einmal seine Bahnen gezogen.
LG * Helmfried
 
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