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Die Amazone

KarlSchmidt

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15. Juni 2022
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Ein Denken in Grautönen, als in -- richtig oder falsch -- das wünsch ich mir.
Wenn eine Person unentwegt versucht positiv zu denken, dann gibt es für sie keinerlei Grenzen mehr und nichts, was diese in irgendeiner Form aufhalten könnte. Wenn beispielsweise eine geliebte Person verstirbt und die ständig positiv denkende Person versucht sich zu einzureden: ,,Das geht vorbei. Das geht vorbei", gemeint ist hier der Schmerz des Verlustes, dann wird versucht, die Grenze zu verwischen, die einem klarmacht, dass es etwas zu verlieren gibt, und dass man sich damit auseinandersetzen muss, um seelisch gesund zu bleiben. Die Seele benötigt demnach gelegentlich den Negativismus.

Wenn eine Person versucht nur noch positiv zu denken und alles Negative zu verneinen, dann entsteht eine übertriebene Selbstkontrolle und vielleicht sogar ein Identitätsverlust, denn den Gedanken wird nicht mehr frei nachgegangen - sie werden zunächst positiv ausgerichtet. Man meint, dass die Gefahr darin zu sehen ist, dass durch ständige positive Gedankenausrichtung ein Misstrauen seinen eigenen Gedanken gegenüber entstehen kann, und dieses Schema, nach dem die Gedanken immer ausgerichtet werden müssen, kann einen Menschen in eine Krise führen. In gesunder Hinsicht sind Gedanken nichts anderes als eine Orientierungshilfe. In dieser Form jedoch sind die Gedanken derart funktionalisiert worden, dass sie eine Gefahr werden.
 
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FreniIshtar

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Wenn eine Person unentwegt versucht positiv zu denken, dann gibt es für sie keinerlei Grenzen mehr und nichts, was diese in irgendeiner Form aufhalten könnte. Wenn beispielsweise eine geliebte Person verstirbt und die ständig positiv denkende Person versucht sich zu einzureden: ,,Das geht vorbei. Das geht vorbei", gemeint ist hier der Schmerz des Verlustes, dann wird versucht, die Grenze zu verwischen, die einem klarmacht, dass es etwas zu verlieren gibt, und dass man sich damit auseinandersetzen muss, um seelisch gesund zu bleiben. Die Seele benötigt demnach gelegentlich den Negativismus.

Wenn eine Person versucht nur noch positiv zu denken und alles Negative zu verneinen, dann entsteht eine übertriebene Selbstkontrolle und vielleicht sogar ein Identitätsverlust, denn den Gedanken wird nicht mehr frei nachgegangen - sie werden zunächst positiv ausgerichtet. Man meint, dass die Gefahr darin zu sehen ist, dass durch ständige positive Gedankenausrichtung ein Misstrauen seinen eigenen Gedanken gegenüber entstehen kann, und dieses Schema, nach dem die Gedanken immer ausgerichtet werden müssen, kann einen Menschen in eine Krise führen. In gesunder Hinsicht sind Gedanken nichts anderes als eine Orientierungshilfe. In dieser Form jedoch sind die Gedanken derart funktionalisiert worden, dass sie eine Gefahr werden.

Bitte worauf - oder auf wessen Aussage -hier- sollen diese Begebenheiten denn zutreffen???
 

Waldboden

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Wenn eine Person unentwegt versucht positiv zu denken,
Ich glaube es gibt einen großen Unterschied zwischen "versuchen positiv zu sein" und "positiv zu sein". Ersteres muss nicht gelingen, letzteres würde ich als Faktor zum Beitrag für Resilienz ansehen. Im Grunde versucht ein jeder von uns die eigenen Gefühle oder die der anderen in Sprache zu übersetzen um eine Basis für Handlungen zu haben. Manche fühlen sich nunmal durch Positivität mehr angetrieben als durch Negativität. Ich finde beide Extremen nicht leicht erträglich, deswegen sprach ich von Grautönen.

dann gibt es für sie keinerlei Grenzen mehr und nichts, was diese in irgendeiner Form aufhalten könnte.
Das klingt fast schon so als würde ein positiv Denkender Mensch wie eine Bedrohung für andere wirken ;)

Wenn der Herr eine Frau in seiner Euphorie Amazone nennt, fände ich als emotionalen Ausgleich eine Portion Nüchternheit angemessen.
 

KarlSchmidt

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15. Juni 2022
Beiträge
436
Bitte worauf - oder auf wessen Aussage -hier- sollen diese Begebenheiten denn zutreffen???
Antwort:
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In einem Vortrag anlässlich einer Tagung mit dem Thema ,,Psycho: Therapien zwischen Seriosität, Scharlatanerie und Ausbeutung" in Zürich brachte Dr. Günter Scheich ein Beispiel für einen Misserfolg, der das ,,...zwanghafte, aufgesetzte, verkrampfte Positive Denken." Beschrieb (vgl. Internetquelle: Scheich, Günter: ,,Positiv Denken" macht krank - Vom Schwindel mit gefährlichen Erfolgsversprechen, Vortrag anlässlich der Tagung vom 13./14. November 1998 mit dem Thema "Psycho: Therapien zwischen Seriosität, Scharlatanerie und Ausbeutung" in Zürich, http://www.infosekta.ch/is5/texte/scheich1999_1.html, Stand: 21.04.2002).

Scheich stimmt weitgehend mit Émile Coué dem Begründer der modernen, bewussten Autosuggestion überein; ergänzt diesen aber auch (vgl. Coué Émile: Mentaltraining und Autosuggestion, das Unbewusste in uns selbst und wie wir lernen, es sinnvoll zu nutzen, aus dem Französischen übersetzt von Anette Holzwarth, Oesch Verlag AG, Zürich, 1998).
 

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