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Aus der Welt des Glaubens

Harald

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22. Dezember 2008
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Diesmal: Woran glauben die Steirer?


Die Gott-Sucher

Weihnachten feiern sie noch. Doch abseits von Krippe und Tannenbaum bauen sich immer
mehr Steirer ihre private Religion zusammen. Blick auf ein Land zwischen Gottglauben
und Individualität.
Von Piotr Dobrowolski, Barbara Hoheneder, Gregor I. Stuhlpfarrer und Felix von Bally.


Karl Veitschegger hat jedem Steirer, der die katholische Kirche in den letzten Jahren verlassen hat, einen Brief geschrieben. Unzählige der Abtrünnigen hat er auch persönlich gesprochen. Kein Wunder: Es ist sein Job. Veitschegger ist in der DiözeseGraz-Seckau für die Ausgetretenen und, wie es so schön heißt, „Kirchenfernen“ zuständig. Und weiß daher nicht nur die Zahlen, sondern auch die Gründe, warum Amtsreligion immer weniger, Privatglauben aber zunehmend mehr zählt. Egal ob es sich dabei um Menschen handelt, die um Punkt Mitternacht Bäume umarmen, an die alles erlösende Kraft des Lichts glauben oder mit Engeln in direkten Kontakt treten – Veitschegger kennt sie in der einen oder anderen Form alle. Und er gibt zu, dass sich der Zugang der Menschen zum Glauben geändert hat: „Die Menschen suchen sich das aus, was ihnen in ihrem Leben hilft, und es ist ihnen vielfach nicht so wichtig, ob das jetzt katholisch, buddhistisch ist oder von wo auch immer kommt.“

Kulthandlungen | Vielfach finden die neuen Gottsucher daher auch keinen Widerspruch zwischen ihrer privaten Religion und dem römisch-katholischen Glauben. Was die Kirche selbst freilich nicht ganz so entspannt sehen kann. So wundert es zwar nicht, dass der Grazer Gerhard Beidler, ein Schamane wie aus dem Klischeebilderbuch, mit grauen Haaren, grauem Vollbart und dem unvermeidlichen ausgeleierten Pullover, sagt: „Die römisch-katholische Kirche ist keine Konkurrenz zu Schamanismus, sondern sogar eine gute Ergänzung dazu.“ Doch wenn Breidler darauf besteht, dass Schamanismus ein Weg ist, auf dem die Menschen das werden können, was ihnen Gott zu sein vorbestimmt hat, dann dürften die meisten Vertreter der katholischen Amtskirche damit nicht wirklich d’accord gehen. Dennoch: Glaubt man dem steirischen Sektenbeauftragten Roman Schweidlenka, so gibt es nirgendwo anders in Österreich derart viele Freunde des Schamanismus wie in der Steiermark: „Besonders viele Anhänger dieser Bewegung gibt es in der Oststeiermark, vor allem um die Städte Gleisdorf und Hartberg“, sagt er. Doch so eigenwillig die kultischen Handlungen sind, denen sich manche Anhänger des Schamanismus in ihren rituellen Schwitzhütten oder beim Zukunft-Vorhersagen widmen, was dahinter steht ist so anders nicht als bei jenen, die auf Erlösung durch den Eintritt in das Himmelreich hoffen: „Es sind Menschen, die eine große Sehnsucht nach Spiritualität spüren und das Bedürfnis nach einer Alternative zu den vorherrschenden Lebensentwürfen haben“, urteilt Schweidlenka. Gerhard Breidler geht in seinem Schamanismus noch einen Schritt weiter. Er will nicht nur für sich einen Gewinn erreichen, sondern auch anderen Gutes tun. Der Grazer sieht sich daher als einen Lebensberater, der mit schamanischen Methoden arbeitet: Das Heilen der Seele ist mein Auftrag“, erklärt Breidler. „Jede Seele ist inkarniert und hat einen Auftrag, nur erinnern wir uns an diesen Seelenauftrag nicht mehr. Durch meine Kenntnisse über den Zugang zum Kosmos helfe ich meinen Kunden, ein Gleichgewicht herzustellen und den Auftrag ihrer Seele wiederzuerkennen.“ Denn: „Durch traumatische Ereignisse wie Missbrauch oder einen Autounfall können Teile der Seele abgespalten werden. Schamanen können diese Teile wieder aus der Unterwelt hervorholen.“

Klapsmühle | Roman Schweidlenka sind Versprechen dieser Art nicht unbekannt. Doch der Sektenforscher, der jedes Jahr den steirischen Sektenbericht verfasst und vor
vielen Jahren selbst mit esoterischer Spiritualität experimentierte, hat dazu eine gespaltene Haltung: „Was heute auf dem steirischen Esoterik-Markt angeboten wird, kann
zwar über weite Strecken als nicht allzu gefährlich eingestuft werden. Es gibt aber auch Ausnahmen. Wir hören immer wieder von Seminaren, in deren Folge die Menschen die dort gemachten psychischen Erlebnisse nicht verarbeiten können und in der Psychiatrie landen.“ Und ein Arzt aus der Grazer Sigmund-Freud-Klinik erzählt, dass nach Wochenenden immer wieder psychotische Patienten eingeliefert werden, die gerade ein Selbsterfahrungsseminar – welcher Art auch immer – hinter sich gebracht haben. Klapsmühle statt Gotteserfahrung lautet dann das Endergebnis. Allerdings: Wahnhafte Ideen, Persönlichkeitskrisen, die ins Religiöse überhöht werden, seelische Qualen bis hin zur Vorstellung, vom Teufel besessen zu sein, kennt auch das Christentum. Und bis vor nicht allzu langer Zeit kamen Menschen, die eindeutig die Hilfe eines Facharztes für Psychiatrie gebraucht hätten, in den für sie eher schädlichen Genuss eines Exorzismus. Wobei der Vollständigkeit halber angemerkt werden muss, dass auch andere Religionen den Kult des Teufel- und Dämonenaustreibens praktizieren.Doch auch im Positiven gibt es zwischen offiziös-katholischer und privat-esoterischer Spiritualität so manchen Berührungspunkt. Hermann Glettler, der in Graz St. Andrä wohl eine der auffälligsten Pfarren der Steiermark führt, will Menschen, die in der Esoterik die Antwort auf die letzten Fragen des Seins suchen, daher nicht lächerlich machen. „Die Sinnsuche der Menschen im Bereich der Esoterik ist, positiv gesprochen, ein Beweis für ihr Bedürfnis nach Spiritualität.“ Aber es gebe auch eine klare Differenz. Der personale Gott des Christentums könne dem Menschen ein Gefühl des Angenommenseins vermitteln, das Esoterik oder New-AgeBewegungen nicht können (siehe Interview S. 24).

Schutzengel| Das Gefühl angenommen und beschützt zu sein, ist für Gottfried Hoffmann-Wellenhof daher wohl auch die wichtigste Triebfeder in seinem Katholizismus. Besonders stark erfahren hat das der 60-jährige Lehrer, der neun Kinder aufgezogen hat, als sein drittältester Sohn zu Weihnachten vor 15 Jahren an Leukämie erkrankte. „Da habe ich beten gelernt“, sagt der AHS-Professor. „Damals ist mir so richtig bewusst geworden, dass es einer Hilfe von oben bedarf, gerade auch bei Kindern. Seither bin ich felsenfest davon überzeugt, dass meine Kinder einen Schutzengel haben, der die Hand über sie hält.“ Durch diesen Glauben, sagt HoffmannWellenhof, sei seine Angst, die man als Vater so vieler Kinder nun einmal habe, deutlich kleiner geworden. Die katholische Erziehung seiner Kinder ist Hoffmann-Wellenhof wichtig. Er geht jeden Sonntag in die Kirche, es gab Zeiten, als sechs seiner insgesamt neun Kinder ministriert haben. „Bis zur Volljährigkeit schauen meine Frau und ich schon, dass die Kinder regelmäßig in die Kirche gehen. Danach müssen sie das selbst entscheiden.“ Anderen Religionen gegenüber pflegt Hoffmann-Wellenhof dementsprechend Toleranz und Respekt. „Es ist jedem freigestellt, woran er oder sie glaubt.“ Petra Müller glaubt nicht an Gott, sondern an Moe, eine Energie-Quelle, die zu ihr spricht. Moe ist, sagt Müller, die Liebe, das Licht Christus. Und Moe teilt uns mit, dass die Lehren des Christentums und der anderen institutionalisierten Religionen verfälscht sind. Petra Müller weiß das, weil sie ein Medium ist. Sie erlebt, was manche auch als Channeling bezeichnen: Sie kann mit außerirdischen Instanzen kommunizieren. Vor zweieinhalb Jahren hat sie plötzlich Stimmen gehört. Eine Erfahrung, die ihr zuerst einen ziemlichen Schrecken eingejagt hat: „Ich hatte Angst, verrückt geworden zu sein.“ Nach und nach seien die Stimmen aber klarer geworden. „Man muss sich das vorstellen wie bei einem Radio, wenn man eine Frequenz einstellt.“ Diese Erfahrung hat das Leben der Geschäftsfrau auf den Kopf gestellt.Sie hat ihren Beruf an den Nagel gehängt. Heute veranstaltet sie Seminare und berät Menschen. Müller: „Moe will den Menschen zeigen, dass sie eine eigene Kraft in sich tragen. Nämlich die Liebe.“

Lichtlehre | Dann, mitten im Gespräch mit FRONTAL, meldet sich Moe selbst zu Wort und diktiert dem Medium Petra Müller, dass hinter institutionalisierten Religionen Macht und Geld stecken. Religion würde auf die Menschen Zwänge ausüben und gebe ihnen das Gefühl, „nicht gut genug, nicht fromm genug“ zu sein. Das mache sie unfrei und unglücklich. „Erkennt die Liebe, welche ohne gut und nicht gut lebt“, sagt Moe, „nehme die Liebe, die du bist, wahr. Genieße dein Menschsein ohne gut und nicht gut.“ Freilich, wer von übernatürlichen Begegnungen und Stimmen aus einer anderen Welt berichtet wie Petra Müller oder wer angibt, jeden Abend mit Engeln zu kommunizieren, kommt schnell in den Ruf, ein möglicherweise nicht ganz zuverlässiges Verhältnis zur Realität zu haben. Doch Marie Therese, eine Anhängerin der Kryon-Lichtlehre, die in der Grazer Innenstadt ein Geschäft betreibt, beharrt darauf: Ein Ritual ermögliche es ihr, in Trance mit Engeln zu kommunizieren. An das erste Mal, als das Ritual glückte, kann sie sich noch sehr genau erinnern: „Der Erzengel Gabriel ist in einem hellblauen Licht erschienen und hat mich mit seinem Schwert von aller negativen Energie befreit. Ein Energieblitz ist da förmlich durch mich hindurchgegangen. Ich habe einen warmen Wind auf der Haut gespürt und ein Kribbeln hat meinen ganzen Körper durchgeschüttelt.“ Dass nicht alle mit den Erfahrungen des Engel-Channeling und mit Prophezeiungen von einem neuen Zeitalter etwas anfangen können, ist Marie Therese bewusst: „Natürlich ist die Lehre von Kryon nicht für jedermann geeignet, und viele sehen das Ganze als großen Hokuspokus an“, erklärt sie und will nur ihren Vornamen in der Zeitung gedruckt sehen, um nicht als eine Verrückte abgekanzelt zu werden.

Neurowissenschaft
| Die Angst ist möglicherweise unbegründet. Denn inzwischen ist sogar eine derart strenge Disziplin wie die Neurowissenschaft dem Übersinnlichen auf der Spur. Der US-Radiologe Andrew Newberg hat dabei die Hirne buddhistischer Mönche während des Meditierens in einem Kirnspintomografen untersucht. Während der geistigen Versenkung, in die die Mönche dabei fielen, zeigte sich, dass die neuronale Aktivität in jenem Hirnareal, das für räumliche Orientierung zuständig ist, deutlich verringert war. Bei einem Versuch mit in tiefem Gebet versunkenen Franziskanernonnen wiederholte sich das Phänomen. Die Interpretation, die Newberg zu seinen Ergebnissen lieferte, ist ebenso umfassend wie provokant: Newberg meint, dass die herabgesetzte Tätigkeit jener Regionen, die für Orientierung zuständig sind, die Menschen in einen Zustand versetzt, in dem sie zwischen sich und der äußeren Welt nicht mehr unterscheiden können. Und das wiederum bringe sie in einen Zustand, den sie subjektiv als ein völliges Eins-Sein mit der Welt beschreiben – etwas, das nahezu allen mystischen Erfahrungen eigen ist. Stimmt Newbergs Interpretation, die allerdings von vielen Fachkollegen abgelehnt wird, dann wäre zumindest eine Erklärung dafür geliefert, wie spirituelle Erlebnisse im Hirn entstehen. Und noch etwas wäre damit gezeigt: Dass es, jedenfalls hirnbiologisch betrachtet, keinen Unterschied macht, ob ein Buddhist oder eine Christin Trancezustände erlebt – die Biologie, die dahintersteckt ist stets die Gleiche. Freilich, auf die Gretchenfrage, ob es nun Gott oder eine andere höhere Instanz gibt oder doch nicht, vermag Newberg keine Antwort zu geben. Auch Versuche der Molekularbiologie haben diesbezüglich nicht viel weiterhelfen können. Vor wenigen Jahren schaffte es zwar der US-Genforscher Dean Hamer sogar aufs Cover des angesehenen Time-Magazins, weil er behauptete, das Gott-Gen gefunden zu haben, doch bei genauerem Hinsehen können auch seine Forschungsergebnisse Fragen nach der Realität von Gotterfahrungen nicht beantworten. Hamer konnte zeigen, dass Menschen mit einem bestimmten Gen – es ist
eine Variante des Gens VMAT2 – für spirituelle Erlebnisse empfänglicher zu sein scheinen als andere. Zugleich aber musste Hamer auch konstatieren, dass durchaus nicht jeder Mensch mit dieser Genvariante besondere Nähe zu Religion oder Gotterlebnissen hat. Was von seinen Forschungen unter dem Strich bleibt, ist daher nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Feststellung, dass es eine Gen-Variante gibt, die zu verringerten Mengen von bestimmten Botenstoffen im Gehirn führen kann. Diese verringerte Menge kann wiederum halluzinatorische Zustände hervorrufen, wie sie eben bei manchen religiösen Zeremonien, wohl aber auch beim Genuss von Drogen auftreten. Das ist zwar spannend, löst die Frage nach Gott aber nicht wirklich.

Schlechte Philosophie | Manche Autoren behaupten ohnehin, dass Gott und Naturwissenschaft von Haus aus nicht kompatibel sind: „Versuchen Naturwissenschaftler Religion zu erklären, kommt am Ende zweitklassige Wissenschaft, gepaart mit drittklassiger Philosophie“, behauptet etwa die Autorin Margaret Wertheim, die zahlreiche Bücher zur Geschichte der Physik verfasst hat. Harald Lang hat die Antwort darauf, ob es Gott gibt oder nicht, bereits gefunden. Er ist Atheist. Anfang dieses Jahres war Harald Lang in Graz an der Gründung der steirischen Sektion des Freidenkerbundes beteiligt. „Endlich kann ich unter Gleichgesinnten diskutieren. Sonst muss ich mich ständig erklären, warum ich nicht an Gott glaube“, sagt er nun.

Ohne Gott | Dass an staatlichen Schulen immer noch Religionsunterricht stattfindet, stößt Harald Lang dementsprechend sauer auf. Vielmehr, sagt er, müsste auf Ethikunterricht gesetzt werden. „Da kann dann auch niemand behaupten, die Wahrheit gepachtet zu haben, alle Religionen könnten gleichbehandelt werden.“ Weihnachten feiert Harald Lang allerdings trotzdem, Harmonie und Liebe können schließlich nicht schaden, sagt er. Und inzwischen würden sogar Japaner, die jamehrheitlich keine Christen sind, Weihnachten feiern. Harald Lang kommt aus einer sozialistischen Familie, sein Vater war Atheist. „Religion ist für mich Flucht aus der Wirklichkeit“, sagt er. „Wahrscheinlich sind viele Gläubige glücklicher, weil man als Atheist nur sich selbst FRONTAL hat. Als Atheist kann ich auf niemand anderen bauen. Dafür muss man aber auch nicht ständig Angst vor einem strafenden Gott haben.“

Harter Gott | Vor dem harten, strafenden Gott Angst zu haben, wie ihn Harald Lang beschreibt, macht aber offenbar auch aus nichtatheistischer Sicht wenig Sinn. Sebastian Murken von der Arbeitsgemeinschaft Religionspsychologie an der Universität Trier fand jedenfalls heraus, dass sich Gottglauben offenbar dann gut auf das Befinden der Menschen auswirkt, wenn es ein freundlicher Gott ist. Bei einer Studie mit Brustkrebspatientinnen erkannte Murken, dass jene Patientinnen ihre Krankheit psychisch besonders gut verarbeiten konnten, die hochreligiös waren und ein positives Gottesbild hatten – das Bild von einem helfenden Gott. Jene hingegen, die eher die Vorstellung hatten, dass Gott streng und strafend ist, litten während ihrer Krankheit stärker als die andere Gruppe an Depressionen und Angstzuständen. „Eine Religion hilft vor allem denen, die stark daran glauben, dass sie ihnen hilft“, folgert daher Murken. Was sich zwar ein wenig nach einem Zirkelschluss anhört, den Kern der Sache aber wohl trifft. Das Fazit, das sich aus Murkens Erkenntnissen ergibt, könnte daher lauten: entweder ganz oder gar gar nicht. Entweder sich Gott voll anvertrauen oder aber jenen Weg wählen, den der Grazer Atheisten-Chef Harald Lang vorschlägt: Verzicht auf Gott, um sich nicht vor ihm fürchten zu müssen. Für die meisten Steirer und Österreicher ist das allerdings keine Option: Nur eine Minderheit von rund acht Prozent bekennt sich hierzulande zum Atheismus. Während anderswo in Europa in letzter Zeit regelrechte atheistische Kampagnen durchgeführt wurden, blieb es in Österreich ruhig.

Schlechter Stand
| Dass Atheisten in der Steiermark keinen guten Stand haben, bestätigt auch Karl Veitschegger von der Diözese Graz-Seckau. Er glaubt, dass nur ein verschwindend geringer Teil jener, die der Kirche den Rücken kehren, vollkommen vom Glauben abfallen. Der aktuelle Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung untermauert diese Ansicht. 72 Prozent der Österreich bekennen sich darin dazu, dass Religion für sie wichtig ist. Nur 16 Prozent halten Religion für gar nicht wichtig. Mit der Spiritualität dürfte es sich ähnlich verhalten. „Das hängt natürlich auch davon ab, wie man diesen Begriff definiert“, sagt Veitschegger. Dass Menschen mi unterschiedlichsten Wegen experimentieren, um zu metaphysischen Erfahrungen zu kommen, ist für Veitschegger aber ein ziemlich deutlicher Hinweis dafür, dass das Bedürfnis nach Spirituellem auch dann nicht erlischt, wenn jemand seine ursprüngliche Glaubensgemeinschaft verlässt oder sich von ihr entfernt. Und noch etwas ist dem Kirchenmann bei aller Diskussion um die neue Spiritualität wichtig: „Auch, wenn es in der Steiermark Menschen gibt, die nach anderen Wegen des Glaubens suchen, die katholische Kirche ist noch immer mit Abstand die größte spirituelle Gemeinschaft im Land. Wir haben jeden Sonntag Hunderttausende in den Kirchen.“ Zu hohen Feiertagen wie Weihnachten sind es noch mehr. Doch wie viele davon bloß aus jahrelanger Gewohnheit, sozialem Druck, oder weil die Christmette auch etwas NettFolkloristisches hat, kommen, vermag niemand zu sagen. Wenigstens mit diesem Problem müssen Schamanen, Engelflüsterer, Lichtanbeter und Atheisten sich nicht herumschlagen.

Quelle: http://www.frontal.at/dox/content/1292413362.pdf
 
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5Zeichen

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AW: Aus der Welt des Glaubens

"Tat twam asi."

Wir sind Eins, egal was wir glauben, ob steirisch oder deutsch, Mono-, Poly- oder A-theisten. :)
 

moebius

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AW: Aus der Welt des Glaubens

Und wenn sie duch die Kraft der Sonne :blume2:
wieder zu getautem Schnee (= Wasser) geworden sein werden, gilt wieder:
Panta rhei
:clown2:
 
E

erichs

Guest
AW: Aus der Welt des Glaubens

@Harald
Welche Diskussion erwartest du dir durch deinen etwas länglichen Beitrag?
Ist der aus einer Kirchenzeitung?
 

Zeilinger

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AW: Aus der Welt des Glaubens

Diesmal: Woran glauben die Steirer?

Hallo Harald !

Auch ich bin ein - christlich angehauchter - Steirer, der zwar seit 1978 in Wien lebt, zu Weihnachten aber oft an die Steiermark denkt, ist sie doch mein Geburtsland.

Auch ich glaube wie erichs, dass die Lesefreudigkeit der Mehrheit der Denkforumsuser nicht groß genug ist, dass sie die Länge Deines Eingangs-Beitrags zu einer Diskussion anregt.

Die Steirer an sich haben wie alle anderen Menschen der Welt keinen Einfluss auf ihren Geburtsort, die Tatsache des Geburtsortes es ist also weder ein persönlicher Verdienst noch eine persönliche Schuld.

Karl Veitschegger hat jedem Steirer, der die katholische Kirche in den letzten Jahren verlassen hat, einen Brief geschrieben.
Kaum jemand wird dem Herrn Veitschegger das Recht absprechen, enttäuschte Katholiken zurückzugewinnen. Vorrangig ist mMn nach aber, dass jeder - zumindest hin und wieder - nach seinem Gewissen handelt.

Wir haben nichts von Menschen, die um 09.30 Uhr (ihrer Meinung nach) hochreligiöse Aktionen setzen und dann um 10.30 Uhr aggressive Handlungen gegen Mitmenschen setzen, die in einem kleinen Teilgebiet des menschlichen Lebens eine andere Auffassung als sie selbst vertreten.

Ich glaube, dass sich die meisten Menschen nach einem anderen Menschen sehnen, der wie Jesus nichts als helfen will.

Frohe Weihnachten !

Zeili
 

moebius

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42.486
AW: Aus der Welt des Glaubens

......
1. Kaum jemand wird dem Herrn Veitschegger das Recht absprechen, enttäuschte Katholiken zurückzugewinnen.
......
2. Frohe Weihnachten !

Zeili

Zu 1.:
Wer missioniert, ( also beispielsweise "enttäuschte Katholiken zurückgewinnen will") hat's nötig ..., weil er im Grunde wahrscheinlich sehr verunsichert ist, oder ...:dontknow:
Zu 2.:
Ebenso ! :weihnacht
 
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5Zeichen

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Beiträge
12.267
AW: Aus der Welt des Glaubens

Zu 1.:
Wer missioniert, ( also beispielsweise "enttäuschte Katholiken zurückgewinnen will") hat's nötig ..., weil er im Grunde wahrscheinlich sehr verunsichert ist, oder ...:dontknow:
Zu 2.:
Ebenso ! :weihnacht

Vielleicht möchte er auch nur gut sein und alles richtig machen und seine Pflicht erfüllen, innerhalb seines speziellen sozialen (katholischen) Umfeldes. Ich denke, dieses Motiv, nämlich Selbstachtung durch Leistung und Pflichterfüllung, ist der stärkste Motivator im deutschsprachigen Kulturkreis.

Das funktioniert so:
Zunächst wird Säuglingen Nähe und Wärme und damit das Urvertrauen entzogen. Dann wird dem Heranwachsenden andressiert, daß er eine gewisse Anerkennung und Geborgenheit (zurück-)erhalten kann, wenn er brav und gut funktioniert, vor allem gute Leistung bringt. Was dabei eine gute Leistung ist, das legt das jeweilige soziale Umfeld fest.

Bei Katholiken ist das Gute selbstverständlich der Erhalt der Kirche zur Ehre Gottes. :lachen:
In einer Familie von Taschendieben wird Leistung natürlich anders definiert. :lachen: Eine allgemeine und in ganzer Breite sämtlicher (Sub-)Kulturkreise anerkannte Leistung ist es, seinen Besitz zu mehren und/oder populär zu sein. Als Indiz für letzteres gilt es, wenn das eigene Konterfei, vielfach auf bedrucktem Papier oder auf Bildschirmen zu sehen ist.

Das Motiv der Pflichterfüllung durch Leistung kann von außen betrachtet auch wie Gier aussehen, wenn zigfach überversorgte Leistungsträger alles daransetzen, weitere Millionen auf ihre Konten zu schaufeln oder ihren Ruhm zu mehren. Dabei ist es doch nur die Sehnsucht, wieder Eins zu sein. :)

Soweit, absolut themenkonform, zur Freude aller Buchhalter, meine Welt des Glaubens. :lachen:
 
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