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Religion und Sexualität

Dieses Thema im Forum "Religion, Glaube, Spirituelles" wurde erstellt von Sunnyboy, 24. Januar 2006.

  1. Sunnyboy

    Sunnyboy New Member

    Registriert seit:
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    Beiträge:
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    Hallo an alle.

    Im Zusammenhang mit Religion ist mir heute wieder eine Frage eingefallen, die ich mir schon oft gestellt habe:

    Warum haben soviele Religionen eine extreme Einstellung zur Sexualität?

    Bei den einen darf man nicht vor der Ehe den Geschlechtsverkehr ausführen, bei den anderen darf man selbst wenn man verheiratet ist nur in bestimmten Stellungen miteinander schlafen (echt wahr, die Missionare in der Südsee haben den eingeborenen erzählt, dass nur die Missionarsstellung die einzig gottgefällige Stellung sei, daher der Name.), die andern haben etwas gegen Homosexualität. Bei anderen Religionen gehörten wiederum sexuelle Feste zu ihrer Religion (Beispielsweise das Erntefest der Kelten, ich glaube es war Beltane, bin mir aber nicht sicher.).

    Warum können manche Religionen nicht einfach nur sagen: Solange ihr niemanden schadet könnt ihr in euren Schlafzimmern tun und lassen was ihr wollt?

    Was denkt ihr darüber?

    Mfg,
    Sunnyboy
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2006
  2. Gysi

    Gysi New Member

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    Religion ist geschaffen worden, um entweder die Naturgewalten zu beschwichtigen oder uns durch Gesetze zu disziplinieren. Unsere Gruppendynamik und unsere Naturenergien sollten übersichtlicher und kontrollierbarer werden. Gewiss sollten uns auch Pflichten beigebracht werden, die man durch eine Familiengründung nun mal hat. Da pfuscht man zwangsläufig in die Sexualität mit rein. Jede Religion ist aber eine autoritäre Struktur. Rechte und Pflichten wurden nicht auf der Ebene ausgehandelt, die eine sexuelle Beziehung mit sich bringt: Auf der Ebene des Paares. Funktioniert aber nur bei Einhaltung von Grundrechten für jede Person. Sowas gab es damals alles noch nicht. Die Gesetze waren etwas grobschlächtiger. Dahinter stand der Versuch, RECHT zu schaffen. Für sowas brauchten die damals offensichtlich einen Gott. Vielleicht, weil das Recht eine spirituelle, nicht sichtbare Überautorität ist.

    Gysi
     
  3. scilla

    scilla Well-Known Member

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    19. April 2003
    Beiträge:
    6.186
    um sich von der Pornographie abzuheben
    kann man komplett auf den Eros verzichten
    oder die Erotik zelebrieren (auf Gemälden, im Ballett, am FKK-Strand)
     
  4. Gysi

    Gysi New Member

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    8.420
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    südlich vom Nordpol
    Das ist eben die Pervertierung der ursprünglichen Absichten! Vögeln ist schön und triebhaft und erlaubt! Man muss nur für die FOLGEN gerade stehen! Die Verantwortung zu definieren, war immer das, was beabsichtigt war! Alles andere, was davon abweicht, ist das Ergebnis geistigen Inzests!

    Gysi
     
  5. louiz30

    louiz30 Well-Known Member

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    Bangkok
    Denkende Menschen benötigen weder beim Sex noch sonst im Leben religiöse Gesetze oder Anleitungen. Dem Nicht-Denkenden hilft die Religion, wie jede vorgefertigte Meinung, seine Existenz ohne größere Pannen durchzustehen ohne den Aufwand zu betreiben sich mit Denken zu beschäftigen.

    Für alles andere reicht die Bergpredit allemal.
     
  6. pergola

    pergola New Member

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    Religion ohne Denken???

    Hallo louiz,

    1. Finde, du überschätzt den "denkenden Menschen" etwas. Wieso braucht der keine (religiöse oder nichtreligiöse, ganz egal) Gesetze oder Anleitungen? Denkender Mensch, das heißt doch nicht allwissend.
    2. Es soll auch (im engeren Sinne) religiöse denkende Menschen geben, also solche, die sich ganz bewusst an religiösen Gesetzen orientieren. Oder ist das für dich ein Widerspruch in sich? Oder sind das für dich Vollidioten?
    3. Frage mich gerade, ob Nachdenken notwendig zu guter Sexualität führt. Laut Woody Allen: nein.

    Also was jetzt: Religion, ja oder nein?

    1. Verstehe deine Gleichung (Religion = vorgefertigte Meinung) nicht. Wo findest du in der Religion Meinungen?
    2. Woher nimmst du, dass es Aufgabe der Religion sei, dem Menschen dabei zu helfen, "seine Existenz ohne größere Pannen durchzustehen ohne den Aufwand zu betreiben sich mit Denken zu beschäftigen"? Glaube auch nicht, dass irgendeine Religion so etwas leistet oder auch nur Hoffnungen in dieser Richtung weckt.
    3. Frage mich, ob es so etwas wie Nicht-Denkende überhaupt gibt. Dachtest du an Bäume und Blumen?

    Oder hab ich dich einfach falsch verstanden?

    Dann, sorry vielmals.

    Gruß

    pergola
     
  7. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

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    Wien
    Religion hängt immer mit Gott zusammen.

    Ich glaube nicht, dass Gott zornig wird, wenn man einvernehmlich Sex betreibt und dabei auch niemand Dritter verletzt wird.

    Auch nicht, wenn dieser Sex außerhalb der Ehe zwischen unverheirateten Partnern betrieben wird.

    Auch nicht bei Sex zwischen gleichen Geschlechtern.

    Auch nicht, wenn die Menschen vorher nachdenken, ob sie ein Kind haben wollen.

    Sehr wohl dürfte er zornig werden bei Inzucht und wenn Kinder unter 16 Jahren geschändet werden.

    Liebe Grüße

    Zeili
     
  8. Gysi

    Gysi New Member

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    südlich vom Nordpol
    Man könnte meinen, Gott habe die modernen Gesetze geschrieben... :D Warum steht dann in der Bibel nicht so Weises, sondern eher Verhaltensrichtlinien, die einer jahrtausende zurückliegenden Zeit entspringen könnten... :teufel:
    Ein wenig unglücklich formuliert, oder? Inzucht ist nicht gleich (schändlich wie) Sex mit 16-Jährigen! Inzest ist verboten, aber der einvernehmliche Sex zwischen Nichtverwandten nicht...

    Gysi
     
  9. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

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    Wien
    Hallo Gysi, schön, dass wir wieder einmal miteinander diskutieren !

    Die modernen vielleicht nicht, aber einige klassische Weisheiten sind schon dabei; im übrigen habe ich bei meinem posting nirgends direkt abgeschrieben, sondern einfach frei von der Leber geantwortet.

    Gysi, die Schriftsteller der Bibel wussten bzw. erkannten eben noch nicht alle Dinge, die wir eben erkannt haben. Sicherlich gibt es in näherer oder fernerer Zukunft Menschen, die Weisheiten erkennen, von denen wir noch keinen blassen Schimmer haben. Warum siehst Du im Glauben an einen Gott einerseits und der Evolutionstheorie anderseits immer einen Widerspruch ? Gott schuf den Keim zur derzeitigen Welt und keinen Schraubenschlüssel.

    Okay, meine Feinde könnten mir das pervers auslegen, also noch einmal:

    amoralisch finde ich Inzucht (Gott sei Dank sind die meisten, wenn nicht sogar alle Politiker der gleichen Meinung) und
    generell
    (also auch zwischen Nichtverwandten) die Schändung (da ist vor allem die Vergewaltigung, aber auch das Überreden gemeint) von Kindern und Jugendlichen vor dem 16. Lebensjahr (egal ob männlich oder weiblich). Das lehne ich ab, egal wie mächtig hier meine Widersacher sind oder sich wähnen.

    Viele Grüße

    Zeili
     
  10. louiz30

    louiz30 Well-Known Member

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    1. Dezember 2005
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    Bangkok
    Pergola, in der Tat, du hast es falsch verstanden.

    Religion gibt Denkansätze, mögliche Lösungen und doch muss jeder selbst finden, worin die Wahrheit liegt. Religionen geben in ihren Kernaussagen keine Verhaltensregeln, sondern zeigen nur Wege auf.

    Die Verhaltensregeln, die man auch in der Bibel findet, betreffen oft Reinheitsgebote und andere Regeln des sozialen Zusammenlebens, die jedoch mit den Kernaussagen der Religion nicht viel zu tun haben. Hier muss man die geschichtliche Entwicklung sehen und die Tatsache, dass solche Regeln damals am effektivsten in den religiösen Schriften niedergelegt wurden. Sie sind und bleiben jedoch bloße Verhaltensregeln, die wir heute in unseren allgemeinen Gesetzen wieder finden.

    Der denkende Mensch nutzt die Religion als einen Weg und somit als Anregung, um zu einer Wahrheit zu gelangen. Hier spielt zum Beispiel die Bergpredigt eine zentrale Rolle. Er hinterfragt und versucht selbst zu erkennen. Er ist der kritische Mensch und selbst wenn er sich letztlich zu der Religion bekennt, so ist er doch kein Mitläufer, sondern einer, der selbst zu einer Erkenntnis gekommen ist. Hier steht das eigene Erkennen im Mittelpunkt. Deine Annahme, dass ich diese Menschen als als „Vollidioten“ betrachte ist absurd.

    Der nicht-denkende Mensch benutzt Religionen und andere Meinungen, um sich daran anzuhängen ohne sich die Mühe zu machen, selbst die Wahrheit zu erfahren. Er hinterfragt nicht, er konsumiert. Nach außen mögen diese beiden Formen Ähnlichkeiten haben. In ihrer Substanz sind sie jedoch elementar unterschiedlich.

    Sexuelle Verhaltensregeln sind daher für die Mitläufer gedacht, um eine gewisse Ordnung und gewisse Werte im Zusammenleben zu erhalten. Der denkende Mensch findet selbst zu diesen Werten und wird sich entsprechend verantwortungsvoll verhalten. Da der nicht-denkende Mensch die Grenzen nicht kennt und nicht nach eigenen und erfahrenen Prinzipien handelt, muss er einen Standard haben, an dem er sich orientiert. Diese Menschen benötigen Gesetze und Regeln, um auch in der Sexualität nicht über die gesellschaftlichen Grenzen zu treten.

    Ich überschätze den denkenden Menschen nicht, nur gibt es eben nicht viele davon. Und ja, es gibt eine große Menge an nicht-denkenden Menschen.
     

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