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Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

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AW: Gewalt zieht Gewalt an

Hi Rhona!

Ich sagte nie, dass man als Pazifist mit den Übermächtigen kooperieren soll. Ganz im Gegenteil sogar. Und überhaupt trifft deine Formulierung meine Ansichten in keinster Weise. Ich vermute, das ist viel mehr deine Vorstellung von Pazifismus als die meine. Wenn nicht, dann bin ich für deine Vorstellung natürlich offen!

Dein "Alltagsbeispiel" hast du sehr clever gewählt, will ich einmal sagen. Vor allem deshalb, weil es hier nicht mehr darum geht, Gewalt selbst hinzunehmen und ein Beispiel für die Gegner abzugeben, sondern Gewalt an einer geliebten Person zuzulassen.
Um in dem Punkt meine Ansichten zu erläutern, muss ich etwas weiter ausholen, auch auf die Gefahr hin, dass man mich noch weniger versteht und noch "realitätsferner" ansieht.

Ich denke, Pazifismus unterliegt einer gewissen Weltanschauung, die es als selbstverständlich versteht, dass alle Menschen gleichwertig sind. Man kann Menschen nicht in Wertvollere und weniger Wertvolle aufteilen. Noch dazu sehe ich die Menschheit als eine Art riesige Familie an. Wir sind alle im gewissen Sinne Brüder und Schwestern und zwar in dem Sinn, dass wir alle eigentlich nur Suchende nach Glück sind. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gewalt zum Beispiel dieser Suche nach Glück in keiner Weise gerecht wird. Ich sage sogar, Gewalt verletzt unsere Natur. Gewalt oder Gewaltbereitschaft ist meines Erachtens so etwas wie eine Krankheit oder zumindest vergleichbar mit einer Krankheit. Krankheiten schwächen, verletzen und töten Menschen, genauso wie Gewalt.
Aus dem heraus sehe ich Gewaltlosigkeit als etwas Gesundes an. Gesundheit ist immer ein Zeichen von Harmonie, Gesundheit kommt von Harmonie, von körperlicher wie von geistiger.
Da ich eben die Menschheit als eine Art große Familie verstehe, müsste man dein Beispiel meinen Ansichten gerecht umschreiben. In dem Fall würden nicht irgendwelche Typen auf meine Freundin losgehen, sondern meine Brüder oder meine besten Freunde.

Um auf dein Beispiel näher zu antworten muss ich aber noch weiter ausholen:

Ich denke, wir Menschen schaffen uns unsere Wirklichkeit zu einem großen Anteil nur durch unsere Gedanken. Wir ziehen Dinge unseren Einstellungen nach an. Ein Mensch, der zum Beispiel die Einstellung hat, dass in jedem und in allem etwas Gutes steckt, der wird immer wieder mit guten Dingen konfrontiert. Wer das Grauen sieht, der wird immer wieder auf grauenvolle Dinge treffen. Das mag vielleicht für manchen sehr aus der Luft gegriffen klingen, aber ich kann die Wahrheit dieser Aussagen nur mit eigenen Erfahrungen unterstreichen, die dir hier nicht viel nutzen werden.

Der Punkt ist nun folgendes:
Wenn ich in absolut jeden Menschen eine Art Bruder von mir sehe, dann werde ich ihn als genau diesen Bruder kennen lernen. Das sagt mir nun, dass ich gar nie in die Situation kommen werde, in der Menschen so wie in deinem Beispiel agieren werden. Ich habe derartiges auch nie erlebt.
Da du Alltägliches vorziehst, lass mich dir noch etwas aus meinem Alltag erzählen. Ein alter Schulkollege von mir, der an und für sich immer sehr friedliebend war, hatte beim abendlichen Ausgehen immer wieder das Pech blöd angemacht zu werden oder gar einmal eine auf die Nase zu bekommen. Er hat solche Dinge immer magisch angezogen. Ich weiß jedoch genau, dass dieser an und für sich friedliche Kerl zu Menschen eine vergleichbare Einstellung wie Claus hatte. Er zog eine strenge Linie zwischen Freunden, "normalen" Menschen und Verbrechern. Und genau seiner Einstellung nach sind ihm die Menschen im wirklichen Leben immer begegnet.
Obwohl Jahre des Ausgehens habe ich nie derartiges wie mein Schulkollege erfahren.

Als zweites Beispiel könnt ich dir noch von einem Lehrer erzählen, der es ausgezeichnet verstanden hat, unsere Klasse so zu unterrichten, dass alle mucksmäuschenstill waren. Er selbst war ein kleiner, schmächtig wirkender Mann, aber dennoch galt ihm ungebrochner Respekt. Nicht deshalb weil er streng und gnadenlos gewesen wäre, nein, das war er nicht, sondern weil seine ganze Einstellung und seine Ausstrahlung alleine es vermochten, die Schüler zu zähmen. Und dass ohne sie irgendwie einzuschüchtern.

So denke ich auch, dass es Menschen gibt, die allein durch ihre Ausstrahlung von solchen Dingen wie in deinem Beispiel geschützt werden.

Deshalb meine ich, Rhona, es gibt so etwas wie realitätsfernes Denken nicht wirklich. Denn mit unseren Gedanken schaffen wir zu einem großen Teil die Realität, in der wir leben.

Ben
Schöne Gedanken und prinzipiell kann ich Dir voll und ganz und gerne zustimmen. Für solches lohnt es sich einzutreten, das brauchen wir. Der Frieden beginnt zu Hause, im Alltag, in unserer Umgebung, diesen guten Spruch kennst Du sicher.
Nur: Es reicht nicht immer und nicht überall. Solche Verallgemeinerung scheitert dann dort, das lässt sich nicht immer ohne Einschränkung in jede Lebenssituation und in jede politische Situation und Lage übertragen.
Auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen: Nicht jeder kann und will danach leben, und wenn dann dieser "Jeder" Macht und Einfluss genug hat, um den Lauf der Dinge zu bestimmen, müssen wir uns auch was anderes einfallen lassen.
Deshalb müssen Friedensarbeiten nicht aufhören und nicht gescheitert sein.

lg
Andreas
 
AW: Andreas

Es reicht nicht immer und nicht überall.

Vielleicht scheint es nur oft nicht zu reichen, weil wir so sehr gewohnt sind, es anders zu sehen, weil wir so sehr dazu neigen, zu denken, wir können uns nicht anders wehren als mit Gewalt. Und vielleicht erfordert es einfach, dass wir einmal total anders darüber denken, dann würde die Welt womöglich auch total anders aussehen...
 
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

Ben, ich wünschte mir wirklich, dass die Menschen so denken würden wie du, denn das wäre für mich die Perfektion des Miteinanders und der Menschlichkeit.
Du sagst, du siehst in deinem Gegenüber den Bruder und die Menschheit wäre irgendwie eine große Familie. Okay, Ben, aber du weißt doch auch, dass es die "heile Familie" nicht gibt. In fast jeder Familie gibts hin und wieder Streit und "Schwarze Schafe", und egal wieviele Kinder eine einzige Familie hervorbringt, so viele einzelne Charaktere sind darunter. Und wenn es selbst noch nicht mal möglich ist, dass alle Mitglieder einer Familie ohne Streit miteinander leben können, wie sollte es dann anders sein in der "Familie Mensch"?.

Ich könnte dir jetzt die Geschichte von Jemandem erzählen, der aus vollster Überzeugung und Glauben Pazifist war, freundlich, offen, tolerant und friedlich auf Jeden zuging, und trotzdem mit seiner Menschenfreundlichkeit an die Falschen geriet. Weil das aber allzusehr ins Private abdriften würde, hat es nichts in einem öffentlichen Forum verloren.

Das, was du schreibst, erinnert mich extem an den Jungen, der laut pfeifend durch den dunklen Wald oder über den Friedhof geht, oder den, der sich die Augen zuhält und hofft, wenn ich den Bösen nicht sehe, dann sieht er mich auch nicht.

Deine Gedanken zum Pazifismus sind für mich, im wahrsten Sinne des Wortes, zu schön um wahr zu sein.

Rhona
 
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

Und wenn es selbst noch nicht mal möglich ist, dass alle Mitglieder einer Familie ohne Streit miteinander leben können, wie sollte es dann anders sein in der "Familie Mensch"?

Streit ist noch nicht Gewalt. Streit kommt dann auf, wenn man das friedliche Miteinander noch nicht gelernt hat. Daher werden die meisten Menschen mit dem Alter auch friedlicher, weil sie schlicht und einfach des Kämpfens und Streitens müde geworden sind, weil sie die Erfahrung schon zu genüge gemacht haben, dass es so nicht funktioniert und wir nicht glücklich sind, also sprich, das Wichtigste in unserem Leben versäumen.

Wenn wir eine friedliche Familie nicht einmal für möglich halten, dann wird es auch nie eine geben können. Aber ich weiß, dass es so etwas geben kann. (Ich hoffe, dir fällt auf wie selten ich schreibe "ich weiß", aber in diesem Fall traue ich es mir zu.)
Ja, es gibt Streit. Manchmal auch bei mir zuhause, aber danach wird mir immer bald klar, dass es auch anders gegangen wäre. Wie schon gesagt, denke ich, Gewaltlosigkeit liegt in unserer Natur - Gewalt ist wider unsere Natur. Denn Gewalt macht unglücklich und entfernt uns von dem, was wir alle uns wünschen. Frieden, Zufriedenheit, Harmonie, Glück und Gesundheit.

Ich könnte dir jetzt die Geschichte von Jemandem erzählen, der aus vollster Überzeugung und Glauben Pazifist war, freundlich, offen, tolerant und friedlich auf Jeden zuging, und trotzdem mit seiner Menschenfreundlichkeit an die Falschen geriet.

Ich glaube an so etwas wie Prüfungen, die uns das Leben stellt. Die können oft sehr hart sein, müssen sie vielleicht sogar. Wer jedoch so eine Prüfung besteht, merkt danach immer, dass er ein wenig reicher geworden ist - auf eine Art reicher, die mehr Wert ist als Geld.
Es kann somit auch ein Pazifist in gewalttätige Situation geraten, wenn er sich dann aber nicht anders zu helfen weiß, als mit Gewalt, dann hat sich nur gezeigt, dass er gar kein wirklicher Pazifist ist.
Dem besten Schachspieler kann einmal ein schwerer Fehler passieren und er verliert deshalb. Soll er deshalb das Spielen lassen, weil er einmal verloren hat?
Der friedlichste Mensch kann einmal in eine gewalttätige Situation geraten. Soll er deshalb gewalttätig werden?

Ich behaupte nun, der Schachspieler war noch nicht gut genug und konnte durch dieses Spiel etwas dazu lernen um noch besser zu sein. Gleiches gilt für den Pazifisten, seine Einstellung zu den Menschen war noch nicht brüderlich genug. Doch er kann daraus lernen.

Wenn das stimmt, was ich hier sage, dann müsste die logische Konsequenz daraus sein, dass man nach jedem Gewaltakt eigentlich ein wenig friedlicher sein müsste. Betrachten wir die letzten Jahrhunderte Menschheitsgeschichte, dann ist es in der Tat so, dass die Welt immer friedlicher wurde.
Das wird sie auch weiter werden, davon bin ich überzeugt.

Denn mit jedem Tag, an dem die Menschheit Gewalt erfährt, wird sie der Gewalt um einen Tag müder. Umso schneller wir das einsehen, desto eher wird die Welt friedlich sein.
Dieser Frieden beginnt nicht bei den Regierungen dieser Welt, sondern im Wohnzimmer jedes einzelnen, in den Worten jedes einzelnen, in den Gedanken jedes einzelnen und hier im Forum für jeden einzelnen.

Daher denke ich, kann es nur eine wirkliche Konsequenz von all dem geben: Willst du in Frieden leben, dann lebe friedlich! In allem, was du tust, sagst und denkst.

Ben
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

Ben, das einzige, was ich dir wünsche ist, dass dein Leben weiter so verläuft, wie es bisher wohl verlaufen zu sein scheint. (Oder resultiert deine übertrieben pazifistische Haltung aus gegensätzlichen Erfahrungen?)
Ich wünsche dir, und das ist ehrlich gemeint, dass du dir deine Haltung bewahren kannst und ich wünsche Dir, dass du, wenn du irgendwann einmal mit der brutalen Realität konfrontiert wirst, jemanden hast, der dich dann auffängt, denn du wirst am Boden sein, weil dich Aggression und Erkenntnis doppelt schwer getroffen haben.

Jeder Mensch hat Träume und du träumst deinen vom "gelebten Pazifismus". Manchmal sollen Träume sogar wahr geworden sein, aber die meisten zerplatzen wie Seifenblasen. Mal sehen, wie es bei dir sein wird, nur werde ich es nie erfahren.

Gruß Rhona
 
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

Gewaltlosigkeit liegt in unserer Natur - Gewalt ist wider unsere Natur.

im Gegenteil, Ben.

Seit es die Geschichtsschreibung gibt, lesen wir von Gewalt,
mit Gewalt wurden Konflikte gelöst und neue erzeugt.

Immanuel Kant sagte sinngemäß:

Krieg ist der Naturzustand der Menschheit,
es wäre die größte ERrungenschaft unserer Zivilisation, wenn es keine Kriege mehr gäbe,
wider die Natur des Menschen.

Nun scheint es in Europa geschafft zu sein. Aber unsere Zivilisation wird von Gewalt bedroht, du weißt , welche ich meine....

gruß von Claus
 
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

Nein, Miriam da hast du mich falsch verstanden.
Also erstens verurteile ich keine ehemaligen KZ Insassen. Keine willkürlich Eingesperrten dort und nicht einmal "Schwerverbrecher" (wie Kinderschänder oder Mörder, die, wenn ich mich nicht irre, auch dort landetet.)
Nein, ich denke, Claus hat schon Recht, die meisten Juden haben sich gar nicht gewehrt und trotzdem ist es ihnen an den Kragen gegangen. Ich glaube, wenn Menschen schon so viel Hass in sich aufbauen, wie es manche Nazis taten bzw. zu ließen, dann ist es schwer sie noch aufzuhalten. Mit Gewalt oder ohne Gewalt.
Ich bin der Auffassung, dass es nicht besser gewesen wäre, wenn sich die Juden mit Waffen gegen die Nazis erhoben hätten. Es hätte ganz einfach nur noch mehr Tote gegeben. Aber ich denke, die Verfolgten unter den Nazis hätten mehr erreicht, wenn sie auf keine Weise mit den Nazis kooperiert hätten. Also sprich jegliche Arbeit für sie verweigert hätten. Die Nazis haben die KZ ja zunächst als Arbeitslager benutzt, schon vor dem Krieg. Zu der Zeit wäre ein gewalttätiger Aufstand gegen die Nazi-Regierung blutig ausgegangen. Hätten die Verfolgten aber, nachdem man ihnen oft eh schon ihr ganzes Hab und Gut genommen hatte, sich geweigert in den KZs zu arbeiten, dann wäre Hitler vor einem großen Problem gestand. Vor dem Krieg hätte er ja nicht alle einfach Hinschlachten können und sie alle einsperren wäre nicht nur teuer gekommen, sondern hätte ihm auch vor Augen geführt, dass sich diese Menschen nicht versklaven lassen, wie er sich das vorgestellt hatte, dass nämlich die "Schwächeren" den "Stärkeren" dienen sollen.
Und obendrein wären sie ein mutiges Beispiel für die ganze Bevölkerung gewesen.
Ich denke, dass hätte mehr gebracht, als wenn sie sich mit Waffen gewehrt hätten.

Ben

Hallo Ben,

das ist schon hammerhart, was Du da schreibst, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Auch wenn ich gar keine Lust auf den "Zwei-Fronten-Krieg" mit Dir und Claus (siehe diffuser Terrorismus - Thread) verspüre, muß ich Dir leider deutlich schreiben, daß Deine Ausführungen wirklich jenseits jeder historischen Realität liegt. Gandhi - auf den ich schon Bezug nahm, hat auch eine derartige Vorstellung mit Blick auf die Juden geäußert, aber das war vor dem Ausgang des letzten Aktes des jüdischen Dramas unter Hitler.

Folgt man Deinen Ausführungen, so hätten die Juden allen Ernstes eine Wahl gehabt. Die Opfer hatten doch gar keine Chance und ganz ehrlich, so kann man die Opfer - obgleich ich sicher bin, daß das nicht Deine Intention ist - wirklich nicht verhöhnen.

In dem Punkt muß ich Katzav Recht geben, wenn er sich beschwert, das man die Juden im Stich gelassen hat. So abenteuerlich dies klingt, hat er damit meiner Meinung nach Recht. Tonnen über Tonnen an Bomben wurden über Europa abgeworfen, aber nicht einmal eine Bombardierung der Gleisen ist erfolgt, die nach Ausschwitz, Treblinka oder sonstwo in die Hölle führten.

Ferner erwähnst Du dauernd die Kooperation der Verfolgten mit den Nazis. Um Gottes Willen Benjamin, die einzige Art der Kooperation, die den gepeinigten Opfern übrig blieb, war - unter aufgezwungenen Verlust sämtlicher Würde - der verzweifelte Versuch, irgendwie am so lang wie möglich am Leben zu bleiben in der Hoffnung, irgendeine Art von Mitleid sei noch existent. Die einzige Wahl war, erschossen, erschlagen oder vergast zu werden und die Kooperation lag allenfalls darin, sich so lange zu fügen immer in der unberechtigten Hoffnung, das sich Abzeichnende sei einfach nicht wahr, da es außerhalb menschlichem Vorstellungsvermögens lag.

Sorry, ich habe wirklich Achtung vor Pazifismus. Er ist eine wichtige Idee und ein wichtiges Leitmotiv, auch wenn ich die Idee im Ergebnis und vor allem aus pragmatischen Gründen nicht teile (Deine Ausführungen machen das auf absurde Art deutlich). Mich hat immer Garry Cooper in dem Film "Lockende Versuchung" beeindruckt und auch Jesu´ Philosophie ist kolossal ebenso wie Gandhis gewaltloser Kampf. Aber allein der Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit ist keine Ausrede für derart mangelhafte Kenntnis der historischen Fakten.

Trotzdem mit freundlichen Grüßen
Zwetsche
 
AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

@ Rhona:
Die brutale Realität, von der du sprichst, gibt es nicht, weil es sie geben muss, sondern weil wir sie so gemacht haben. Wer sie als solches akzeptiert und darauf beruft, es ist nun einmal so, da kann man nichts machen, der wird auch nie etwas anderes kennen lernen.
Ich bin sehr froh, dass es immer Menschen gab und zum Glück noch gibt, die bereit sind, die Dinge zu ändern. Träume zu haben, an Träumen zu arbeiten und Träume zu verwirklichen. Egal, wie unrealistisch sie andere finden mögen.
Und weißt du Rhona, ich glaube nicht deshalb an die Möglichkeit einer besseren Welt, weil ich in so einer lebe, sondern weil ich so eine haben will. Und aus diesem tiefen Wunsch gibt es für mich keine andere Möglichkeit, als mich dafür einzusetzen.

@ Claus:
Claus schrieb:
Seit es die Geschichtsschreibung gibt, lesen wir von Gewalt,
mit Gewalt wurden Konflikte gelöst und neue erzeugt.

Ja, Gewalt hat genau die Konflikte gelöst, die aus Gewalt entstanden sind. Gewaltlosigkeit stellt in erster Linie keine Konfliktlösung dar, sondern eine Konfliktverhinderung. Es ist auch viel billiger einen Konflikt zu verhindern, als einen zu lösen. Kostet weniger Geld, weniger Mühe, weniger Menschenleben.

Claus schrieb:
Immanuel Kant sagte sinngemäß:

Krieg ist der Naturzustand der Menschheit,
es wäre die größte ERrungenschaft unserer Zivilisation, wenn es keine Kriege mehr gäbe,
wider die Natur des Menschen.

Und Gandhi sagte sinngemäß, dass Gewaltlosigkeit ein Grundgesetz der menschlichen Natur ist und unserem Streben nach Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Harmonie und Würde zugrunde liegt.
Selbst Menschen, die Gewalt anwenden, tun dies nur diesem Streben nach. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass damit genau das Gegenteil erreichen. Wir brauchen uns nur Diktatoren ansehen, die ihre Macht mit roher Gewalt verteidigt haben. Alles Menschen, die Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Harmonie und Würde dann glaubten zu erreichen, wenn sie selbst die Macht über alle Menschen haben, wenn es niemanden mehr gibt, der ihren Entscheidungen etwas entgegensetzen könnte. Und genau diese Menschen wurden früher oder später meistens sehr krank und unglücklich.
Gewalttätige Menschen sind meistens die unglücklichsten überhaupt. Das liegt daran, dass Gewalt gegen unsere Natur ist.
Desto gewaltloser eine Gesellschaft, umso glücklicher kann sie sein. Glück wiederum entsteht nur dann, wenn wir unserer Natur gerecht werden. Wir können auch nicht in unseren Körper Dinge reinfuttern, die nicht seiner Natur angemessen sind. Er würde zugrunde gehen oder zumindest krank werden.

@zwetsche
zwetsche schrieb:
Folgt man Deinen Ausführungen, so hätten die Juden allen Ernstes eine Wahl gehabt.
Dann bist du ihnen wohl nicht sonderlich aufmerksam gefolgt.

Um Gottes Willen Benjamin, die einzige Art der Kooperation, die den gepeinigten Opfern übrig blieb,war - unter aufgezwungenen Verlust sämtlicher Würde - der verzweifelte Versuch, irgendwie am so lang wie möglich am Leben zu bleiben in der Hoffnung, irgendeine Art von Mitleid sei noch existent.

Diese Kooperation blieb ihnen übrig, richtig. Oder keine, das wäre auch möglich gewesen. Einige wenige haben diese Möglichkeit auch genutzt. Es gibt schlimmeres als den Tod, wie ich meine.

Aber allein der Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit ist keine Ausrede für derart mangelhafte Kenntnis der historischen Fakten.

Jetzt bitte ich aber darum, mir meine mangelnden Kenntnisse zu erläutern. Hab ich denn historisch etwas Falsches erzählt? Ich denke, es liegt wohl eher daran, dass dir meine Ausführung der Situation nicht ganz passt, weil sie die Lage der Dinge etwas anders darstellt, aber du könntest meine Ansichten entkräften, wenn du mir irgendwelche falschen Äußerungen bezüglich historischer Fakten von meiner Seite zeigst.

Ben
 
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AW: Pazifismus - Gewalt ist niemals eine Lösung

@zwetsche

1. Diese Kooperation blieb ihnen übrig, richtig. Oder keine, das wäre auch möglich gewesen. Einige wenige haben diese Möglichkeit auch genutzt. Es gibt schlimmeres als den Tod, wie ich meine.

2. Jetzt bitte ich aber darum, mir meine mangelnden Kenntnisse zu erläutern. Hab ich denn historisch etwas Falsches erzählt? Ich denke, es liegt wohl eher daran, dass dir meine Ausführung der Situation nicht ganz passt, weil sie die Lage der Dinge etwas anders darstellt, aber du könntest meine Ansichten entkräften, wenn du mir irgendwelche falschen Äußerungen bezüglich historischer Fakten von meiner Seite zeigst.

Ben

Hallo Ben,

zu 1) Soso, es gibt schlimmeres als den Tod. Das magst Du für Dich entscheiden, um dies allerdings für andere zu beurteilen, fehlt Dir wohl die Zuständigkeit.

zu 2) Hab ich schon ausführlich getan, ohne daß eine Antwort Deinerseits erfolgt ist (Stichwort Chamberlain). Im übrigen erlaube ich mir anzumerken, daß Du bislang nicht eine einzige historische Tatsache aufgeführt hast, die Deine "Jüdische Kooperations"-These untermauert hätte. Wie schon gesagt, habe ich grundsätzlich durchaus Achtung vor Pazifisten. Du aber beschränkst Deinen Pazifismus auf bloße Thesen ohne jegliches historisches Fundament und kommst zu stellenweise haarsträubenden (Hypo-) thesen. Ich weiß nicht, wie Katzav das verkraftet.
Über den Holocaust gibt es massenhaftes Material. Frag notfalls Deinen Geschichtslehrer, aber vergiß nicht, ihm zu bestellen, daß er sich schleunigst als Karusselbremser bewerben sollte.


Freundliche Grüße
Zwetsche
 
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