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Nietzsche: Zur Genealogie der Moral

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Nietzsche sprach glaube ich auch von Herbert Spencer... Könnte es da nicht sein, dass er kurz vor Toreschluss, also im vorletzten Jahr seines noch bewusst erlebten Lebens und Schaffens, vielleicht doch den fürchterlichen Sozialdarwinismus von Spencer adaptiert hat? Ich finde den Gedanken gar nciht so abwegig... Aus dem materialistischen und philosopischen Übermenschen im Zarathustra wurde in "Jesneits von Gut und Böse" ein rein philosophischer Übermensch, um dann in "Zur Geneologie der Moral" in einen rein darwinistischen Übermenschen umzukippen...

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Spencer

https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus
 
Vorrede:

1

[763] Wir sind uns unbekannt, wir Erkennenden, wir selbst uns selbst: das hat seinen guten Grund. Wir haben nie nach uns gesucht – wie sollte es geschehn, daß wir eines Tages uns fänden? Mit Recht hat man gesagt: »wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz«; unser Schatz ist, wo die Bienenkörbe unsrer Erkenntnis stehn. Wir sind immer dazu unterwegs, als geborne Flügeltiere und Honigsammler des Geistes, wir kümmern uns von Herzen eigentlich nur um eins – etwas »heimzubringen«. Was das Leben sonst, die sogenannten »Erlebnisse« angeht – wer von uns hat dafür auch nur Ernst genug? Oder Zeit genug? Bei solchen Sachen waren wir, fürchte ich, nie recht »bei der Sache«: wir haben eben unser Herz nicht dort – und nicht einmal unser Ohr! Vielmehr wie ein Göttlich-Zerstreuter und In-sich-Versenkter, dem die Glocke eben mit aller Macht ihre zwölf Schläge des Mittags ins Ohr gedröhnt hat, mit einem Male aufwacht und sich fragt »was hat es da eigentlich geschlagen?« so reiben auch wir uns mitunter hinterdrein die Ohren und fragen, ganz erstaunt, ganz betreten, »was haben wir da eigentlich erlebt?« mehr noch: »wer sind wir eigentlich?« und zählen nach, hinterdrein, wie gesagt, alle die zitternden zwölf Glockenschläge unsres Erlebnisses, unsres Lebens, unsres Seins – ach! und verzählen uns dabei ... Wir bleiben uns eben notwendig fremd, wir verstehn uns nicht, wir müssen uns verwechseln, für uns heißt der Satz in alle Ewigkeit »Jeder ist sich selbst der Fernste« – für uns sind wir keine »Erkennenden«...
 
Zum 1. Abschnitt des Vorwortes:

Nietzsche spricht wie ein Psychologe, der allen helfen kann, nur nicht sich selbst: "Jeder ist sich selbst der Fernste"... Ein ausgesprochen pessimistischer Zug, den Nietzsche doech eigentlich des von ihm so verachteten Pessimismus wegen strikt ablehnen müsste... Vielleicht ist er abe rgerade in deisem hier vorgetragenen Pessimismus ganz er selbst... Und trotzdem dionysisch... Wer hat denn je behauptet, dass das ein Widerspruch sein muss...
 
Zum 1. Abschnitt des Vorwortes:

Nietzsche spricht wie ein Psychologe, der allen helfen kann, nur nicht sich selbst: "Jeder ist sich selbst der Fernste"... Ein ausgesprochen pessimistischer Zug, den Nietzsche doech eigentlich des von ihm so verachteten Pessimismus wegen strikt ablehnen müsste... Vielleicht ist er abe rgerade in deisem hier vorgetragenen Pessimismus ganz er selbst... Und trotzdem dionysisch... Wer hat denn je behauptet, dass das ein Widerspruch sein muss...
Manchmal muss man sich verlieren,um sich dann wieder finden zu können.F.N
 
2

– Meine Gedanken über die Herkunft unsrer moralischen Vorurteile – denn um sie handelt es sich in dieser Streitschrift – haben ihren ersten, sparsamen und vorläufigen Ausdruck in jener Aphorismen-Sammlung erhalten, die den Titel trägt »Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister«, und deren Niederschrift in Sorrent begonnen[763/764] wurde, während eines Winters, welcher es mir erlaubte, haltzumachen, wie ein Wandrer haltmacht, und das weite und gefährliche Land zu überschauen, durch das mein Geist bis dahin gewandert war. Dies geschah im Winter 1876-77; die Gedanken selbst sind älter. Es waren in der Hauptsache schon die gleichen Gedanken, die ich in den vorliegenden Abhandlungen wieder aufnehme – hoffen wir, daß die lange Zwischenzeit ihnen gutgetan hat, daß sie reifer, heller, stärker, vollkommner geworden sind! Daß ich aber heute noch an ihnen festhalte, daß sie sich selber inzwischen immer fester aneinander gehalten haben, ja ineinander gewachsen und verwachsen sind, das stärkt in mir die frohe Zuversichtlichkeit, sie möchten von Anfang an in mir nicht einzeln, nicht beliebig, nicht sporadisch entstanden sein, sondern aus einer gemeinsamen Wurzel heraus, aus einem in der Tiefe gebietenden, immer bestimmter redenden, immer Bestimmteres verlangenden Grundwillen der Erkenntnis. So allein nämlich geziemt es sich bei einem Philosophen. Wir haben kein Recht darauf, irgendworin einzeln zu sein: wir dürfen weder einzeln irren noch einzeln die Wahrheit treffen. Vielmehr mit der Notwendigkeit, mit der ein Baum seine Früchte trägt, wachsen aus uns unsre Gedanken, unsre Werte, unsre Jas und Neins und Wenns und Obs – verwandt und bezüglich allesamt untereinander und Zeugnisse eines Willens, einer Gesundheit, eines Erdreichs, einer Sonne. – Ob sie euch schmecken, diese unsre Früchte? – Aber was geht das die Bäume an! Was geht das uns an, uns Philosophen!...
 
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Zum 2. Abschnitt der Vorrede:

Nietzsche bemerkt hier, dass er mit der vorliegenden Schrift gerne auch an sein frühes Werk "Menschliches, Allzumenschliches" anknüpfen möchte, in dem er einzelne aphoristische Gedanken daraus weider aufgeifen und weiterspinnen möchte. Das ist natürlich ein serh weiter Rückgriff, abe rNietzsche betonnt, dass es ihm um den geraden Wuchs in seinem Werk zu tun ist. Frühere Fäden sollen immer wieder aufs Neue aufgegriffen, und weitergesponnen werden, damit ein dichtes und einheitliches Webstück entsteht, um es in Goethes Bild aus dem Faust zum Ausdruck zu bringen... Wir sehne hier in Nietzsche wahrliche inen großen Webermeister, und wür dürfen auf das Webermeistersück gespannt sein...
 
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