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Kunst- welch schöne Freiheit

LarsOliver

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24. August 2018
Beiträge
407
Ein Dialog über Kunst

A: „Zunächst einmal wird in der abstrakten Kunst Freiheit vorgeführt. Das ist aber nicht erzählbar. Darüber hinaus ist es ein subtiles Farbenspiel. Kunst macht sensibel. Diese Art von Sensibilität ist in den letzten Jahren immer weniger geworden. Dass die Medien uns anlügen können, haben wir vor allem dem Niedergang der Kultur zu verdanken. Die Künstler die ich kenne, kann man allesamt nur schwer anlügen, warum wohl?

Meine Schwiegeroma fragte mich: "Was soll das vorstellen???" Es waren zuvor 100 Jahre Kunstgeschichte spurlos an ihr vorüber gegangen und nun sollte ich in 5 Minuten erklären, wozu ich 20 Jahre gebraucht hatte. Sie war der Meinung, dass der Bildinhalt erzählt werden könnte. Das Liniengewirr auf einem Stöhrer kann man aber nicht erzählen. Es ist optische Musik, die man über das Auge hört. Es bauen sich Spannungen auf und lösen sich wieder, genau wie in der klassischen Musik. Bei einer Helene Fischer funktioniert das eher weniger, die "Metaebene" rauscht. Die schöne Stimme kann darüber nicht hinwegtäuschen.“
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B: Kunst braucht also eine Bedienungsanleitung, am besten ein langes Studium der Kunstgeschichte. Das ist freilich ein luxuriöses Hobby- falls man nicht zu den Wenigen gehört, die von Kunst ganz gut leben können. Deine Oma hat ihr Leben wahrscheinlich vor allem mit Arbeit und Alltagssorgen verbracht, die konnte sich so ein aufwändiges Hobby nicht leisten. Das war ihre Freiheit, die Freiheit als pure Einsicht in die Nowendigkeiten des Lebens als armer Mensch.

Wenn moderne Kunst Freiheit ist- dann fragt sich, wessen Freiheit und Freiheit wozu? Dazu, sich neben den täglichen Sorgen manchmal einbilden zu können, man sei ein Schöpfer, der selbstbestimmt das tut, was er will? Das mag tatsächlich für ein paar Stunden gelingen, kleiner werden die realen Sorgen und Abhängigkeiten dadurch nicht.
Ja, man kann sich berauschen an einem halbwegs gelungenen selbst gemalten Bild. Man kann aber auch saufen. Oder beides tun- Udo Lindenberg malte ja auch mit Likör. Und dann mag es passieren, dass jemand Bilder "hören" kann, ein anderer riecht sie gar- und ein dritter wischt sich mit einem aus dem Rahmen gelösten Ölbild den Arsch ab, weil sich das für ihn geil anfühlt. Geschmäcker sind verschieden. Aber immerhin- da wurde man sensibilisiert. Beim Sehen, Hören und am Anus.

Kunst hat etwas Religiöses. Die Metaebene erinnert an Metaphysik- da ist Gott ganz in der Nähe. Dass so etwas schöne Gefühle- und viel Einbildung- erzeugen kann, ist unbestreitbar. Doch viel mehr ist es dann auch nicht. Gefühle sind kein Wissen. (Ich kenne einen ulkigen Buchtitel eines Komikers: "Gefühltes Wissen")

Ob man Künstler schwer anlügen kann? Warum nicht? Sie wissen weit weniger, als sie fühlen. Frage mal Künstler nach konkreten Dingen, etwa "Was ist Kapitalismus?" Auf die Antworten bin ich gespannt- oder besser: ich kenne viele solcher Antworten. Sie stehen in Interviews mit Künstlern, die in Zeitungen abgedruckt sind. O Gott!



„Liebhaber von Kultur wissen meist auch, dass sie schon ziemlich lange währt und nicht zuletzt deswegen Achtung genießt. Denn als Reich der Freiheit wird sie geschätzt, von nicht wenigen, und von den in ihr Tätigen schon gleich, für wertvoller und wahrer angesehen, als das schnöde Reich der Notwendigkeiten. Anlass genug, einmal dem eigentümlichen Gebrauch der Freiheit, die in kulturellen Belangen zum Zuge kommt, nachzugehen und das einigermaßen instrumentelle Verhältnis zu den Niederungen des gesellschaftlichen Alltags und zu den gehobeneren Sphären der modernen Herrschaften zu erläutern.“

https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/kultur-geht
 
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Ja, die Kunst ist das Reich der Freiheit... Darum habe ich mir wohl auch die Kunst ausgesucht, um etwas zu machen in diesem Leben, was für mich interessant ist... Für mich war das immer klar... So sehr, dass ich es eigentlich nie hinterfragt habe: Das Zauberwort heißt freie Entfaltung der Persönlichkeit... Nein wirklich, ich habe mir da nie Gedanken drüber gemacht... Und so war ich gerade erst vor wenigen Tagen ganz erstaunt, dass die freie Entfaltung der Persönlichkeit eine verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht ist (Art. 2 GG)... Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt... Denn ich erlebe es nicht... In der ganzen Gesellschaft nicht... Gut, ich hatte Glück... Glück im Unglück... Nach einer psychischen Erkrankung, Reha und einiger Zeit harter Arbeit mit anschließender erneuter Arbeitslosigkeit ließ ich mich 2003 berenten... Erst jetzt war ich wirklich frei... Erst jetzt begann meine Zeit als Künstler... Aber was wir heute in der Gesellschaft haben, ist nicht etwa nur ein "Recht" auf Arbeit, sondern eine geradezu diktatorischen Arbeitspflicht mit knallharten Saktionene, auch für Jugendliche... Es ist entsetzlich... Von freier Entfaltung der Persönlichkeit kann absolut keine Rede mehr sein... Und die Menschen scheinen auch nicht an so etwas interessiert zu sein... Viele rümpfen da die Nase und fragen vielleicht: Wozu machst Du das alles? Wozu soll das gut sein? Und wenn ich dann sage, dass ich das für meine Seele brauche, kommen höchstens gugelnde, prustende Zischlaute aus ihrem Mund... Die westliche Welt war einmal unter dem Banner der Freiheit angetreten, aber niergendwo gibt es inzwischen weniger Freiheit, als in der westlichen Welt... Irgendwann wird man alle Kunst als reinen Abfrall entsorgen, und dann wird die gesellschafltliche Devise vielleicht lauten: Befreit uns von der Kunst... Weg mit dem Sperrmüll... Gruß Joachim Stiller Münster....
 
Ja, die Kunst ist das Reich der Freiheit... Darum habe ich mir wohl auch die Kunst ausgesucht, um etwas zu machen in diesem Leben, was für mich interessant ist... Für mich war das immer klar... So sehr, dass ich es eigentlich nie hinterfragt habe: Das Zauberwort heißt freie Entfaltung der Persönlichkeit... Nein wirklich, ich habe mir da nie Gedanken drüber gemacht... Und so war ich gerade erst vor wenigen Tagen ganz erstaunt, dass die freie Entfaltung der Persönlichkeit eine verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht ist (Art. 2 GG)... Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt... Denn ich erlebe es nicht... In der ganzen Gesellschaft nicht... Gut, ich hatte Glück... Glück im Unglück... Nach einer psychischen Erkrankung, Reha und einiger Zeit harter Arbeit mit anschließender erneuter Arbeitslosigkeit ließ ich mich 2003 berenten... Erst jetzt war ich wirklich frei... Erst jetzt begann meine Zeit als Künstler... Aber was wir heute in der Gesellschaft haben, ist nicht etwa nur ein "Recht" auf Arbeit, sondern eine geradezu diktatorischen Arbeitspflicht mit knallharten Saktionene, auch für Jugendliche... Es ist entsetzlich... Von freier Entfaltung der Persönlichkeit kann absolut keine Rede mehr sein... Und die Menschen scheinen auch nicht an so etwas interessiert zu sein... Viele rümpfen da die Nase und fragen vielleicht: Wozu machst Du das alles? Wozu soll das gut sein? Und wenn ich dann sage, dass ich das für meine Seele brauche, kommen höchstens gugelnde, prustende Zischlaute aus ihrem Mund... Die westliche Welt war einmal unter dem Banner der Freiheit angetreten, aber niergendwo gibt es inzwischen weniger Freiheit, als in der westlichen Welt... Irgendwann wird man alle Kunst als reinen Abfrall entsorgen, und dann wird die gesellschafltliche Devise vielleicht lauten: Befreit uns von der Kunst... Weg mit dem Sperrmüll... Gruß Joachim Stiller Münster....


Hallo Joachim, auch ich bin ein Künstler- privat. Und ich kenne abfällige Bemerkungen über den "Unsinn", den ich mit Beton, Holz, Draht usw. bastle. Am liebsten höre ich "Du musst ja viel Zeit haben"- da steckt ein gewisser Neid drin- der ist aber verständlich, denn die meisten Menschen haben für so etwas materiell Unnützes (das ist es tatsächlich) keine Zeit. Komisch eigentlich, in einem so reichen Staat, oder?

Hier mal eine Betrachtung zur eher professionellen, also kommerziellen Kunst:

Kunst

Gäbe es in der heutigen historischen Situation keine Kunst, keine Unterhaltungsindustrie, keine Filme, Spiele, Serien, Comics, Musik und Romane, die kapitalistische Gesellschaft stände unmittelbar vor ihrem Zusammenbruch. Kaum jemand würde sich dann zumuten, was er sich heute noch zumutet, getröstet und vertröstet durch fiktive Welten. Brauchbar ist diese Überlegung für alle, die noch an die Kunst glauben, in ihr gar einen Motor des Fortschritts, des Guten und Wahren, und nicht einfach des Schönen und Reizvollen sehen wollen, das mit dem Wahren umso weniger gemeinsam hat, je häßlicher und profitabler die Zeiten sind.

Man sollte Kunst ernst nehmen, aber als ideologisches Phänomen, als Technik der Weltflucht und Lebens-Verhinderung. Kunst an und für sich, also den Bereich des gezielt Nutzlosen ernst zu nehmen, ja überhaupt hinzunehmen, seine Nutzlosigkeit gar zu verherrlichen, einen Sinn, eine Identität, ein ganzes scheinhaftes Leben darum herum aufzubauen und nicht einfach ‚nur‘ Lusterlebnis oder Vergnügen sein lassen zu können, das man mit einem einzelnen Kunstwerk haben oder auch nicht haben kann, heißt eben nichts anderes als das materiale Leben, in dem sich Leben und Tod tatsächlich entscheidet, nicht mehr ernst zu nehmen.

https://deadwallreveries.wordpress.com/category/uber-kunst-und-kultur/
 
Puh, jetzt komme ich aber in einen echten Zweispalt... Einerseits brauchen die Menschen die Kunst, um ihre Seele damit zu ernähren, weil die Menschen sonst in drei oder vier Generationen nur noch als spastische Krüppel auf die Welt kommen, andererseits halte ich damit aber das System aufrecht... Habe ich eine Wahl? Ja: Revolutionäre Kunst... Wenigstens sozialkritische Kunst, vielleicht sogar "soziale Kunst" etwa im Sinne von Joseph Beuys, der mein großer Lehrer war... Ich verstehe mich durchaus als Beuysschüler in der zweiten Generation... Bin oft an den Wirkungsstätten von Beuys gewesen, Documenta, Internationales Kulturzentrum Achberg... Leider haben sich unsere Wege getrennt... Aber der sozialen Kunst an sich bin ich immer treu geblieben... Es geht mir dabei nicht so sehr um Politik im engeren Sinne... Ich will wirklich etwas für das Soziale erreichen, und das kann ich nicht mit politishen Parolen, sondenr viel besser mit starkten einschlägigen Bildern und Symbolen... Ich schaffe also Bilder und Symbole, die das Zeug haben, für ganze politische Bewegungen, bestehenden oder zukünftigen, wirklich tragfähig zu sein... Ein Beispiel ist etwa mein Einsatz für Direkte Demokratie... Da bin ich ganz bei Beuys... Vielleicht einer der wenigen Schnittmengen, die gebleiben sind...

https://anthrowiki.at/Direkte_Demokratie
 
Puh, jetzt komme ich aber in einen echten Zweispalt... Einerseits brauchen die Menschen die Kunst, um ihre Seele damit zu ernähren, weil die Menschen sonst in drei oder vier Generationen nur noch als spastische Krüppel auf die Welt kommen, andererseits halte ich damit aber das System aufrecht... Habe ich eine Wahl? Ja: Revolutionäre Kunst... Wenigstens sozialkritische Kunst, vielleicht sogar "soziale Kunst" etwa im Sinne von Joseph Beuys, der mein großer Lehrer war... Ich verstehe mich durchaus als Beuysschüler in der zweiten Generation... Bin oft an den Wirkungsstätten von Beuys gewesen, Documenta, Internationales Kulturzentrum Achberg... Leider haben sich unsere Wege getrennt... Aber der sozialen Kunst an sich bin ich immer treu geblieben... Es geht mir dabei nicht so sehr um Politik im engeren Sinne... Ich will wirklich etwas für das Soziale erreichen, und das kann ich nicht mit politishen Parolen, sondenr viel besser mit starkten einschlägigen Bildern und Symbolen... Ich schaffe also Bilder und Symbole, die das Zeug haben, für ganze politische Bewegungen, bestehenden oder zukünftigen, wirklich tragfähig zu sein... Ein Beispiel ist etwa mein Einsatz für Direkte Demokratie... Da bin ich ganz bei Beuys... Vielleicht einer der wenigen Schnittmengen, die gebleiben sind...

https://anthrowiki.at/Direkte_Demokratie

Wer kann von revolutionärer Kunst leben? Du weißt doch, dass sich der größte Blödsinn- ob inhaltsleer oder staatsverherrlichend- am besten verkauft. Wie gesagt, Kunst muss man sich leisten können. Passiv, als Konsument- oder als aktiver Künstler, der sich verkaufen muss, ob nun mit kunstfernen Jobs oder künstlerischer Anbiederung an das, was sich für Massenverblödung eignet.
 
Ich sagt ja, ich habe sau großes Glück gehabt... Ich bin erwerbsgemindert berentet... Und jetzt bin ich als Künstler Sozialrevolutionär... Das war ich auch vorher schon, aber jetzt ist es mein ganzer Lebensinhalt... Übrigens Objekte und Zeichnungen mache ich schon eine gnaze Weile nicht mehr... Im Moment baue ich das AnthroWiki mit auf... Schon ein ganzes Jahr... Ich verspreche mir sehr viel von dieser Arbeit... Ich meine jetzt, für das Soziale...Das ist eben gerade mein Anliegen, möglichst viel für das Soziale zu tun... Wir haben ja an sich noch gar keinen echten Begriff vom Sozialen... Und etwa eine "Philosophie des Sozialen" wie sie von Detel und inzwischen auch von mir vertreten wird, ist ja gerade erst aufgekommen, und steckt noch völlig in den Kinderschuhen... Aber bei so etwas muss man eben anknüpfen.... Ich habe Detels Idee jedenfalls sehr dankbar aufgenommen...

http://joachimstiller.de/download/philosophie_philosophie_des_sozialen.pdf

https://anthrowiki.at/Joachim_Stiller
 
„. Wirkliche Veränderung kann dabei nur Aufgabe der Kunst sein, der
sozialen Kunst. Das setzt aber voraus, dass wir selber zuerst neue Menschen werden, eben soziale Künstler.“

Ich bin mir nicht sicher, ob ein Revolutionär, der sehr damit beschäftigt ist, sich der staatlichen Gewalt zu erwehren, für Kunst noch viel Zeit hat.
 
Ich habe... :)

Die Kunst ist frei und sie ist deshalb frei, damit wir etwas damit anfangen, entweder etwas, das interessant ist, oder etwas, das sozial ist... Es gibt fast nur diese beiden Möglichkeiten... Nur leider wird das Soziale zu selten gesehen... An den Akademien spielt es so gut wie gar keine Rolle... Und das hat Klasu Steack mal mit einem berühmten Plakat karrikiert, dass ich selbt noch immer an meiner Wand hängen habe: Die Kunst ist frei... Kunst aus Käse geschnitzt und unter der Käseglocke... Es stimmt heute so eigentlich nicht mehr, oder nein, warte, vielleicht stimmt es ja inzwischen "wieder"... Kennst Du das? Klaus Steack ist inzwischen Rektor der HdK Berlin, inzwischen Univerität der Künste...

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Ich habe... :)

Die Kunst ist frei und sie ist deshalb frei, damit wir etwas damit anfangen, entweder etwas, das interessant ist, oder etwas, das sozial ist... Es gibt fast nur diese beiden Möglichkeiten... Nur leider wird das Soziale zu selten gesehen... An den Akademien spielt es so gut wie gar keine Rolle... Und das hat Klasu Steack mal mit einem berühmten Plakat karrikiert, dass ich selbt noch immer an meiner Wand hängen habe: Die Kunst ist frei... Kunst aus Käse geschnitzt und unter der Käseglocke... Es stimmt heute so eigentlich nicht mehr, oder nein, warte, vielleicht stimmt es ja inzwischen "wieder"... Kennst Du das? Klaus Steack ist inzwischen Rektor der HdK Berlin, inzwischen Univerität der Künste...

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Warum steckt da die Kunst als Käse unter einer Käseglocke? Vielleicht, weil sie letztlich der Käse ist, der mit viel Ideologie geschützt werden muss- um nicht beim ersten analytischen Erwärmen auszutrocknen?
 
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