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Kant und Religion

Dieses Thema im Forum "Die Philosophen" wurde erstellt von Hemme, 25. Mai 2008.

  1. Hemme

    Hemme New Member

    Registriert seit:
    25. Mai 2008
    Beiträge:
    5
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    Wie war der Standpunkt von Kant in Bezug auf Religion und Glaube? Irgendwie habe ich da mehrere wiedersprüchliche Sachen gelesen. Glaubte Kant an einen Gott?
     
  2. Marianne

    Marianne Member

    Registriert seit:
    9. September 2007
    Beiträge:
    790
    Ort:
    Wien
    AW: Kant und Religion

    Hallo, Hemme
    Mit Kant habe ich mich in meiner Jugend etwas befasst. Und aus diesen Tiefen hole ich jetzt hervor, was ich in Deiner Frage zu “ meinem Wissen” gemacht habe.

    Kant ist nämlich ganz “ raffiniert” an die Frage nach einem absoluten Gott heran gegangen.
    So, wie er reale Ideale - also im Leben verwirklichbare - uns als Handlungsanweisungen gibt - der Kategorische Imperativ - ist der bekannteste , meint er in Analogie, auch transzendentale Ideale zu erkennen. ( Unendlichkeit= Gott,Seele und Freiheit).
    DAS transzendentale ( also mit unseren Sinnen ( empirisch) nicht erfahrbare Ideal ist Gott als Gedachtes Höchstes, Unwidersprochenes.
    Wir können Gott nie real erkennen --- können ihn uns aber denken und an ihn als Ideal glauben.
    Und Gedachtes ist in einer gewissen Weise ebenfalls real ....
    So kann man GOTT glauben, um zu existieren.
    Er nimmt diese transzendentalen Ideen als Regulative an.
    Halt eben auch, damit wir “ wilden Menschenhorden” nicht aufhören sollen, über Unbegreifliches nachzudenken.

    Soweit mirbekannt ist, hat sich Kant NIE zu dezidierten Äußerungen über seinen Glauben an das Konstrukt Gott provozieren lassen. Es hätte ihn seinen Job als bravaer preußischer Professor gekostet -, hätte er sich zur NICHTEXISTENZ eines realen Gottes bekannt.

    Mir scheint es und schien es aber immer so, als ob er Gott nur als Konstrukt des menschlichen Verstandes sah: quasi als Notwendigkeit im Ethisierungsprozess der Menschengeschichte.

    lg.
    Marianne
     
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  3. Hemme

    Hemme New Member

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    25. Mai 2008
    Beiträge:
    5
    AW: Kant und Religion

    Danke - das entspricht auch meinen Einschätzungen. Und finde es gut formuliert. Mich hatte nur eine Textstelle in Sofies Welt irritiert.

     
  4. Weltmarionette

    Weltmarionette New Member

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    Beiträge:
    22
    AW: Kant und Religion

    Meines Erachtens glaubte Kant wirklich an Gott. Er hat zwar bewiesen, dass die Gottesbeweise keine Beweise sind, aber er war auch davon überzeugt, dass der Mensch um glücklich zu sein und um ein moralisch einwandfreies Leben führen zu können, an einen Gott und ein Leben nach dem Tode glauben muss.


    Liebe Grüße,
    Albert
     
  5. Reinhard70

    Reinhard70 Active Member

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    AW: Kant und Religion

    Marianne (oben:)

    Soweit mirbekannt ist, hat sich Kant NIE zu dezidierten Äußerungen über seinen Glauben an das Konstrukt Gott provozieren lassen. Es hätte ihn seinen Job als bravaer preußischer Professor gekostet -, hätte er sich zur NICHTEXISTENZ eines realen Gottes bekannt.

    Mir scheint es und schien es aber immer so, als ob er Gott nur als Konstrukt des menschlichen Verstandes sah: quasi als Notwendigkeit im Ethisierungsprozess der Menschengeschichte.

    Hallo Marianne,

    Deine Ansicht über Kant
    scheint mir ehrlich interessant.


    Gruß
    von
    Reinhard70
    :):):)
     
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  6. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

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    AW: Kant und Religion

    Hallo !

    Ich bin für dieses Thema sehr dankbar.

    Immanuel Kant war ja auch einer der - m.E. - wenigen Moralphilosophen, nämlich einer, der sich an den Begriff "gut" heranwagte: "Gut ist der sittliche Wille".

    Beschäftigt man sich mit "gut", kommt man an - irgendeiner - Religion wohl kaum vorbei.

    Wenn ich mir denke, wie oft wir - ungenau - "gut" sagen:

    Ein Essen ist eigentlich nicht "gut", sondern schmackhaft bzw. lecker, eventuell bekömmlich.

    Er/sie hat "gute" Kenntnisse auf diesem oder jenem Gebiet; gemeint sind umfangreiche und gründliche Kenntnisse.

    Wie oft wird wohl ein Politiker "gut" sagen und "machterhaltend" oder "machtgewinnend" meinen ?​

    Liebe Grüße

    Zeili
     
  7. Reinhard70

    Reinhard70 Active Member

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    im Bereich der schönsten Seen Bayerns
    AW: Kant und Religion

    Wie oft wird wohl ein Politiker "gut" sagen und "machterhaltend" oder "machtgewinnend" meinen ?

    Hallo Zeili,

    Bei den Politikern und Politikerinnen (!) bist Du möglicherweise
    etwas (!) zu pessimistisch. (Allerdings bin ich heute auch
    ziemlich hoffnungslos.) Könnte Kant uns eines Besseren belehren?
    Gruß
    von
    Reinhard
    (:))))
     
  8. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

    Registriert seit:
    22. Mai 2004
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    Wien
    AW: Kant und Religion

    Ich denke, wenn sich mehr Politiker mit der Definition von "gut" nach Kant befassen würden, ein bisschen noch ihre Fantasie spielen ließen, könnten sie auf das Ergebnis kommen, dass der "sittliche Wille" eventuell eine Sozialleistung ist.

    Zum Beispiel ist das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe in Österreich schon jahrzehntelang nicht angehoben worden. In welchem Jahrhundert befindet man sich da geistig eigentlich ? Denkt man, alle Arbeitslosen sind zu faul zum Arbeiten oder hängt man gar der vorsintflutlichen Spinnerei nach, dass Arbeitslose auch nichts zu essen brauchen ?

    Als zweites kam mir zu Ohren, dass manche alleinerziehende Elternteile noch mit einem monatlichen Einkommen unter € 1000,- auskommen müssen. Das soll mir ein Politiker einmal vorhüpfen, wie das gehen soll. Hier könnte man in der Politik wirklich zeigen, dass man "gut" ist. Immanuel Kant hat sich diese Gedanken sicher nicht gemacht, weil ihm so fad war.

    Liebe Grüße

    Zeili
     
  9. Reinhard70

    Reinhard70 Active Member

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    23. Mai 2008
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    im Bereich der schönsten Seen Bayerns
    AW: Kant und Religion

    Ich denke, wenn sich mehr Politiker mit der Definition von "gut" nach Kant befassen würden, ein bisschen noch ihre Fantasie spielen ließen, könnten sie auf das Ergebnis kommen, dass der "sittliche Wille" eventuell eine Sozialleistung ist.

    Hallo, Zeili!

    Ja, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Aber ob da Optimismus
    angebracht ist, ...? Hoffen wir doch ein wenig auf den Nachwuchs!
    In Österreich, in Deutschland, in Europa - weltweit.

    Melde mich bei Gelegenheit mal wieder.

    Gruß
    von
    Reinhard70
     
  10. mwirthgen

    mwirthgen New Member

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    969
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    Hamburg
    AW: Kant und Religion

    Ergänzend dazu eine Zusammenfassung seiner Gedanken aus der Vorrede zur 'Kritik der praktischen Vernunft':

    1. Die reine Vernunft kann 'Gott' und die 'Unsterblichkeit' weder erkennen noch einsehen noch behaupten.
    2. Der dem moralischen Gesetz verbundene Wille - die praktische Ausprägung der 'reinen Vernunft' - findet 'Gott' und die 'Unsterblichkeit' als apriori gegebene Objekte vor. Sie sind sein höchstes Gut.
    3. Die reine Vernunft hat das Bedürfnis subjektive Notwendigkeiten, sofern sie 'gesetzt', d.h. apriori gegeben sind (wie z.B. auch Raum und Zeit, Ursache-Wirkung, ...) zu bestätigen und gibt so der praktischen Vernunft Sicherheit in ihrem Fürwahrhalten und Handeln.

    vgl. Immanuel Kant: Werke in zwölf Bänden. Band 7, Frankfurt am Main 1977, S. 107-120. oder
    http://http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/Kritik+der+praktischen+Vernunft/Vorrede

    manni
     
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