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Hürden

zweigal

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14. Juni 2006
Beiträge
1.277
Bella ist vier Jahre alt. Wie jeden Tag geht sie mit Mama zum Spielplatz. Es ist nicht wie sonst, denn heute klingt der Spielplatz anders. Was ist los?
Sie sieht ihn sofort: ein Neuer ist da, größer als sie, dunkle Haare unter der roten Schirmkappe. Die beiden beäugen einander, er schlägt ein, zwei Räder vor ihr und schließlich fragt er:
"Wie heißt du?"
"Bella."
"Bella? Das ist ja ein Hundename!"
Bella weint. Sie läuft zur Mama und erzählt. Mama steht auf und geht zum Buben hin.
"Und wie heißt du?"
"Ich heiße Günther!"
Mama sagt voll Abscheu: "Günther ist ein Hundename!"
Bella weint nicht mehr. Doch sie möchte ab nun Isabella gerufen werden.

Das Erlebnis nagt lange an ihr, später kann sie darüber lachen. Sie erzählt es ihren jugendlichen Freunden und sie diskutieren über Mutterliebe...

Isabella studiert Jus, erstes Semester. Der Hörsaal ist halbvoll, ein Student fällt ihr besonders auf. Sie erschrickt, denn irgendwas an ihm erinnert sie an Günther.
Er sieht aus wie ein Athlet, er gefällt ihr. Isabella geht im Sommer schwimmen und im Winter eislaufen, beides unregelmäßig. "Schade." sagt sie halblaut.
Das Semester vergeht, kein Hallo, kein Baba, nichts.

Im Videoladen stehn sie einander gegenüber, zufällig, er spricht sie an. Woher sie komme, wie ihr das Studium gefalle und so. Isabella bleibt ganz ruhig, freut sich. Was sie denn in ihrer Freizeit so treibe, fragt er.
"Ich geh schwimmen, wann immer ich Zeit habe", sagt sie und wird rot.
"Super, wie schnell schwimmst denn die hundert Meter?"
Du meine Güte, was sag ich nun?
"Eineminutenulldrei", schießt es wie aus der Pistole aus ihr heraus.
"Naja", sagt er, "das wär ja Weltrekord."

Oh Erde, tu dich auf und verschlinge mich auf Nimmerwiederkomm, seisognädig!
Nichts desgleichen geschieht.
"Nun brauch ich einen Schnaps", sagt sie und lacht. Der Bann ist gebrochen.
 
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Isabella lebt auf dem Lande.
Der weite Weg zur Schule wird erschwert durch Nachbars Hahn, der immer dort ist, wo sie gehen muss. Das Herz klopft, sie wartet, der Hahn auch. Isabella rennt, das Tier rennt ihr nach, mit ausgebreiteten Flügeln. Aber fliegen kann es doch nicht gscheit.
Isabella ist schnella.

Manchmal kommt sie zu spät in die Schule, da muss sie nicht das "Grüüüüüß Gottttt!" rufen, wenn der Lehrer das Klassenzimmer betritt.
Der Lehrer gefällt ihr, er hat schwarzes Haar und weiße Haut. An heißen Tagen kommt er in kurzer Hose. Isabella muss lachen.
Das hätte sie nicht tun sollen.
Die Wiedergutmachung dauert einige Stunden: Isabella ist heute besonders aufmerksam und zeigt bei jeder Gelegenheit auf, doch der Lehrer ignoriert sie.

Wenn sie das Schulhaus verlässt, hat sie meistens Hunger. Manchmal macht sie einen Umweg, geht mit Rosa nach Hause. Rosas Mutter weiß, warum Isabella kommt und mischt zwei Löffel Kakao und groben Kristallzucker mit etwas Süßrahm, bestreicht damit ein Stück Weißbrot und reicht es ihr. Isabella bedankt sich glücklich und geht.
Der Zucker knirscht zwischen den Zähnen, der Heimweg wird leichter.

Philipp, der alte Nachbar sitzt auf der Hausbank und erwartet sie. "Was gibt es Neues?" Er weiß, Isabella erfindet die haarsträubendsten Geschichten. Auch der Hahn scheint das zu wissen, denn er beachtet sie nicht. Seine Zeit kommt wieder, morgen früh.
 
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Die Form errinnert mich an an etwas von woanders her. Ich kann es gerade nicht festmachen. Aber lecken Sie sich fett, das ist trotzdem gut. Danke.:zauberer2
 
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