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Elektroauto

Dieses Thema im Forum "Wissenschaft und Technik" wurde erstellt von Bernd, 26. Dezember 2019.

  1. Bernd

    Bernd Well-Known Member

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    Da sich wohl kaum einer wirklich mit Elektroautos auskennt, sollen hier die technischen und ökonomischen Grundlagen und die wenigen Erfahrungen möglichst markenneutral nach und nach zusammengetragen werden, sodass man sich einen groben Überblick verschaffen kann, um am Mittagstisch und im Ortsverein der Grünen mitreden oder irgendwann eigene Kaufentscheidungen treffen zu können. Die Angaben dürfen mit der Zeit gerne verbessert werden, sodass sich nach und nach ein klareres Bild in dieser Nebelwolke abzeichnet. Garantien für die Richtigkeit werden daher nicht übernommen, bei Interesse bitte jeweils überprüfen und vertiefen.

    Lithium-Ionen-Akku: Haltbarkeit ca. 8 Jahre, Kapazität sinkt bis dahin auf etwa 70%, Kosten des Akkus etwa 6000 Euro

    Der Elektromotor spart Gewicht zum Verbrenner ein, das Gesamtgewicht des Fahrzeuges steigt durch den Akku jedoch um ca. 400kg, welches mit erh. Bremsenabrieb verzögert werden muss.

    Kleinstreparaturen am Fahrzeug dürfen wohl grundsätzlich vom Kunden erledigt werden, Reparaturen durch normale Werkstätten erfordern jedoch sog. Hochvolt-Scheine (1-3), also Befähigungsnachweise durch die jeweiligen Mechaniker. Um ein Elektrofahrzeug auch nur in die Werkstatt fahren zu dürfen, benötigt eine Werkstatt jemanden mit Hochvoltschein 1 oder der Kunde muss es selbst machen.

    Vor Arbeiten am Fahrzeug müssen die Fahrzeuge elektronisch entsperrt werden, man kann also nicht einfach Kabel abziehen und was ausbauen, hier muss sich der Fahrer dringend vorher informieren und seiner Werkstatt am besten über die Schulter schauen. Selbst das Heißluftgebläse, was beim Klassenprimus statt der angegebenen 6kw tatsächlich 8kw zog, kann rein rechnerisch nicht mit 12V betrieben werden. Die Kabel wären einfach viel zu dick. Solche Aggregate arbeiten also ebenso mit höherer Spannung als beim Verbrenner...daher diese Befähigungsnachweise.

    Fahrzeuge die abgestellt werden, verlieren eine gewisse Ladung, die sich in der Restreichweite bemerkbar macht. Beim Klassenprimus wurden über Nacht Verluste biszu 30km abgelesen, was einem Äquivalent von etwa 2 Litern ausgelaufenem Diesel entspräche. Nach Herstellerangaben solle dies in der Toleranz liegen, bei anderen Fabrikaten wurden geringere Verluste festgestellt. Verlässliche Durchschnittswerte sind noch nicht bekannt.

    Im Winter reduziert sich die Reichweite durch einen kalten Akku, durch die Akkuheizung und mangels heißem Kühlwasser durch das el. Warmluftgebläse für Scheibe und Innenraum, zudem durch die oft in E-Autos vorhandene Sitzheizung. Heizt sich der Akku dann während der Fahrt auf, was aber einer gewisse Beanspruchung wie auf der Autobahn bedarf, vergrößert sich wieder leicht die Reichweite (Erholungsphase).

    Ladedauer daheim mit 230v ca. 10-12 Stunden,
    mit installierter "Wallbox" (ich schätze 400V-Drehstromanschluss) 2-6
    Laden unterwegs am Schnellader (Supercharger) 0,5 - 1 Stunde, normal 2-4h.
    Kommt man an eine Ladestation, muss man beachten, dass nicht jeder den gleichen Ladestrom bekommt, sondern dieser mit der Anzahl der Fahrzeuge sinkt. Die letzten Fahrzeuge bekommen manchmal auch an einem Supercharger nur ganz geringe Ladestromstärken ab. Selbst wenn die ersten Fahrzeuge dann abfahren, erhöht sich die Laderate nicht immer. Man lernt daher beim Tanken viele nette Leute kennen, vorallem Schweden und Holländer, man richtet sich mit den Pausenzeiten, dem Kaffeekonsum, der Eile auf dem Lokus und der Essensgeschwindigkeit nich mehr nach dem eigenen Körper oder den Kindern, sondern ausschließlich nach den Ladepausen und dem angezeigten Ladestrom. Das ist durchaus kein Witz.

    Spritkosten pro 100km liegen etwa bei 5-6 Euro. Zahlreiche kostenlose Ladestationen sind z.B. an öff. Gebäudennoch vorhanden, ob diese kostenlos bleiben, wird sich zeigen.
     
  2. KANTIG

    KANTIG Well-Known Member

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    Danke für diese Übersicht. Mir fehlt allerdings der Zusammenhang zum Umweltschutz - CO2 Problematik.
     
  3. Bernd

    Bernd Well-Known Member

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    Wahrscheinlich muss man sich zunächst auf den Zusammenhang mit der städtischen Luftreinhaltung konzentrieren, also mit der Verlagerung der Verbrennung aus den Städten hinaus zu externen Kraftwerken. Die Resultate aus z.B. Peking sind hier jedoch noch nicht aussagefähig, da die dortige Regierung gleichzeitig die Umrüstung von städtischen Heizanlagen in Wohngebäuden veranlasste. Die letztendliche Umweltbilanz von Elektroautos ist m.E. schwierig abzuschätzen, ich werde Daten nachreichen, sobald ich sie für plausibel halte.

    Echte Erfahrungen zur Haltbarkeit der Motoren und Akkus aber auch zur durchschnittlichen Gesamtnutzungszeit eines E-Eutos liegen noch nicht vor. Der Marktführer tauscht beispielsweise Motoren innerhalb 3er Jahre auf Kulanz auch bei kleineren Schäden komplett aus. Vermutlich bekommt man dann einfach einen überholten Komplettmotor. Erfahrungsgemäß ist bei diesen Motoren jedoch noch nicht von aktuellen Laufleistungen mit 300.000 km Ottomotoren und biszu 400.000 Dieselmotoren auszugehen. Was die Erfahrungen zeigen, ist, dass E-Auto-Fahrer offenbar so gerne mit ihren neuen Schätzchen unterwegs sind, dass ihre jährliche Strecke weit über der vorher gefahrenen liegt.


    Ob sich hier auch ein belastbarer Gebrauchtwagenmarkt mit beispielsweise alltagstauglichen Fahrzeugen mit 18 Jahren Alter ergibt, wird man sehn. Es wäre ungünstig, wenn z.B. Fahrzeuge nach 8 oder 16 Jahren komplett vom Markt verschwinden, weil sich der Ersatz des Akkus nicht mehr rechnet. Das wiederum wird von den Batterepreisen und Recyclingpreisen abhängen, dazu gibt es keine Daten. In Rechnungen zum Materialeinsatz und Herstellungsenergieeinsatz gehen also Daten zur Haltbarkeit ein, die unbekannt sind. Vergleichsrechnungen, die sich allein auf die CO2-Emmision oder Schadstoffemmission (NOx oder SOx) beziehen oder die die eingesetzte Energiemenge/km vergleichen, greifen hier zu kurz.

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    Wie läd man sein E-Auto auf.
    Der Gesetzgeber hat in der Ladesäulenverordnung (LSV) festgelegt, dass das Laden ohne Authentifizierung barrierefrei möglich sein muss. Dem Anbieter ist freigestellt, ob er ein Entgelt nimmt oder nicht, es gibt daher auch kostenlose oder z.B. Hotels, die lediglich eine geringe Lade-Pauschale nehmen.

    Es gibt meiner Kenntnis nach die Möglichkeit mit einer Anbieterspezifischen Ladekarte (z.B. Stadtwerkeverbund) zu laden, mit EC-Karte oder mit Smartphone. Das mit der authentifizierungsfreien Anmeldung ist wohl noch nicht überall umgesetzt. An öff. Ladestationen muss man meist einen QR-Code mit seinem Smartphone einscannen, dazu gibt es eine Bezahl-App. Wo sich die Ladesäulen befinden, zeigt entweder die Elektronik im Auto auf einer el. Karte an oder man sucht im Handy. Hierzu findet man bei Googel unter dem Begriff Ladestation o.ä. noch nicht viel, vielleicht ändert sich das. Sinnvoll sind hier eher Ladestations-Apps. Ich vermute, über das Smartphone wird das ganze in Zukunft ausschließlich abgewickelt. Mit Bargeld bekommst du keinen Sprit mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Dezember 2019
  4. Bernies Sage

    Bernies Sage Well-Known Member

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    Zwischen Erde und Himmel und doch bodenständig
    Danke Bernd für zwei wichtige Beiträge zum Elekrotroauto, die sehr informativ und sachlich gehalten sind.
    Ich fürchte ernsthaft, dass die 'globale Gesamt-CO2-Problematik' mit der jeweils 'spezifischen CO2-vor-Ort-Problematik in Ballungszentren' für immer unvergleichbar bleiben wird, weil es keine gemeinsame Vergleichsbasis geben kann.

    Die Natur betreibt keine Klimapolitik - sie betreibt eine prima Nichtpolitik und nimmt die Dinge jeweils wie sie im Kommen sind....fast menschlich...könnte man sagen...:D
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Dezember 2019
  5. Bernd

    Bernd Well-Known Member

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    Ladestationen in Städten:

    Momentan sind die Gemeinden am Zuge, für ausreichend Ladestationen zu sorgen. Sie beginnen, Straßenlaternen umzurüsten und Randstreifen zu elektrifizieren. Es kommt häufig vor, dass Ladeparkplätze, die vorher normale Stellflächen waren, das Gesamt-Parkplatz-Aufkommen in den Städten reduzieren und daher von Verbrennern zugeparkt werden oder sich dort abgestellte Elektrofahrzeuge befinden, deren Fahrer offenbar der Meinung sind, dass sie mit einem E-Fahrzeug dort auch parken dürfen. In einigen Städten gibt es gar Initiativen zur Abschaffung dieser Ladeparkplätze. Im außerstädtischen Bereich ist dieses Zuparkproblem seltener.

    Es gibt einen Ladesäulenanbieter, der für das Tanken per Paypal z.B. 50 Euro vorort mit dem Handy überwiesen haben will, erst danach kann man Strom beziehen. Schöpft man das Volumen nicht aus, wird der Restbetrag rücküberwiesen. Es kommt vor, dass die Ladesäule nicht funktioniert oder das Fahrzeug die Stromzufuhr nicht akzeptiert. Dann versuchen E-Auto-Fahrer einige merkwürdig zu beobachtende Tricks, sie öffnen und schließen die Motorhaube, Seitenscheiben, Türen oder Kofferraum...das ist kein Witz, die Bordelektronik soll damit in eine Art Ruhe- oder Resetzustand versetzt werden. Manchmal funktioniert das Laden danach. Diese Selbsthilfekniffe sollte man sich vorher mal zeigen lassen. Funktioniert das Laden nicht, muss man die Hotline auf der Ladesäule anrufen und bekommt, mitunter erst eine Woche später, den Überweisungsbetrag zurück.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2020
  6. Fibonacci

    Fibonacci Well-Known Member

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    Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen und der Motor erzeugt Strom die die Reichweite verlängert. Das belastet die Batterie und verkürzt die Lebensdauer und Lade Zyklen. Daher verzichten viel auf diese Möglichkeit um die teure Batterie zu schonen.
     
  7. Fibonacci

    Fibonacci Well-Known Member

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    Die Batterie ist mit ihren 70% nicht am Ende! Die hält sie noch einige Jahre der Verschleiß ist am Anfang hoch und die 70% hält dann die Batterie über eine sehr lange Zeit.
     
  8. Fibonacci

    Fibonacci Well-Known Member

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  9. Fibonacci

    Fibonacci Well-Known Member

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    Es wird darüber nachgedacht die Batterien nicht zu kaufen, sondern sie auszutauschen, wenn sie leer ist bei sowas wie Tankstellen. Die Batterie gehört einem dann nicht, sondern man fährt sich eine neue holen und bezahlt die Energie und aliquot den Verschleiß. Was aber nur Sinn macht wenn sie leichter werden und kleiner.
     
  10. Bernd

    Bernd Well-Known Member

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    Stromverbrauch in Abhängigkeit von der Temperatur:

    Der Stromverbrauch wird bei E-Autos in kwh/100km angegeben, wir rechnen hier mit 30 Ct/kwh.

    Die Praxis zeigt nun, dass der Verbrauch sehr temperaturabhängig, deutlich weniger fahrweiseabhängig und ebenso relativ wenig modellabhängig ist.

    Beispielverbräuche über die Monate:

    Dez-Feb 22-26hwh/100 = 6,6 - 7,8 Euro/100km (=5,2 l Benzin)
    Sep-Okt 16- -19 kwh/100km=4,8-5,7 Euro/100km (=3,6 l Benzin)
    Jul-Aug 13-15kwh/100km = 3,9 - 4,5 Euro/100km (=3 l Benzin)
     

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