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  #1  
Alt 05.12.2002, 18:15
anthropos anthropos ist offline
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anarchismus

weil ja philosophie und politik nah zusammenhängen - nicht von irgendwoher stammt wahrscheinlich die einteilung der themenbereiche auf denkforum.at - finde ich lohnt es sich auf jeden fall sich gedanken darüber zu machen, wie die ideale ordnung des menschlichen zusammenlebens, von der philosophie her begründet, ausschauen sollte.

jeder hat natürlich andere vorstellungen davon, aber ich meinerseits halte die (vorerst gedankliche) idealordnung mit der aufhebung jeglicher macht eines menschen über einen anderen für die beste.

grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen der gedanklichen ordnung, also eines idealismus, und der darauf aufbauenden, zu verwirklichenden, realen ordnung in der welt. das erste wäre also der anarchismus und das zweite die anarchie selbst. die anarchie, denke ich, wird so schnell nicht verwirklichbar sein - es wird also vorerst nur beim anarchismus bleiben.

der mensch hat sich im laufe der zeit in eine richtung entwickelt, die seinem ursprünglichem denken und handeln zuwider läuft, die unnatürlich ist. durch seinen verstand ist der mensch den übrigen lebewesen überlegen und erlangt dadurch auch ein bewusstsein. es liegt also an seiner ratio den umgang mit den anderen menschen zu organisieren (vgl. auch kant) - während bei den tieren der ablauf und die struktur der ordnung durch ihre instinkte determiniert ist und quasi die natur selbst das denken für sie übernimmt, hat der mensch - im krassen gegensatz dazu - die freiheit selbst denken zu können/ zu müssen. zu müssen deshalb, weil freiheit auch immer mit einer verantwortung verbunden ist. das ist also die große aufgabe des denkenden menschen: eine sinnvolle gute gestaltung des zusammenlebens...

doch der mensch ist sich in seiner heutigen zeit nicht mehr der verantwortung bewusst und sein denken wird nicht mehr durch sein augenmerk auf das wohl des einzelnen durch das wohl der gemeinschaft bzw. auch andersherum gelenkt, sondern es wird durch seine egozentrische denkweise bestimmt. der mensch ist zum gegenwärtigen zeitpunkt durch seine denkensfreiheit vom guten ziel weit abgekommen. er hat sich von sich selbst entfremdet. wie das passiert ist will ich nicht erklären müssen: da gibt es viele theorien, allen voran karl marx mit seinem kapital. fromm schreibt ähnliche, aber auch bei hegel, heidegger oder russell usw. finden sich verschiedene gedanken zur entfremdung des menschen. also die tatsache dass es so ist, stell ich jetz einfach mal über die frage wie es dazu kommen konnte.

um aber wieder auf anarchismus zurückzukommen: obwohl das ganz klar ein utopischer gedanke ist, den ich hier angehe, sollte man ihn dennoch nicht einfach als schwachsinn abtun. denn anarchie war auch die ausgangslage des menschen in seiner entwicklung und es sollte wieder das ziel sein: nämlich genau aus dem grund, weil wir uns schon einmal für den falschen weg entschieden haben. wenn wir uns also bewusst werden (und damit die entfremdung überwinden), dass unsere jetzige existenzweise nicht die richtige ist und die machtorientierung, welche aus dem egozentrischen denken eines durch besitz sich definierenden existenzverständnisses notgedrungen entsteht (!), dann können wir vielleicht zu einer gesellschaftsordnung kommen die ihre prioritäten in einer anderen weise setzt als die jetzige. dann können wir vielleicht jetzt noch utopisch erscheinende ideale in die wirklichkeit umsetzen und so ein (für jeden einzelnen) besseres zusammenleben schaffen in der jede macht eines menschen über einen anderen aufgehoben ist... hmm.

wie denkt über das jetzige seinsverständnis und das vorherrschende politische system?
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  #2  
Alt 05.12.2002, 20:51
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@anthropos

Ja die Anarchie...

1. Die Urgesellschaft war also eine Anarchie: Kein Besitz, keine Gesetze. Ist dieser Zustand der "menschlichen Unschuld" deiner Meinung nach wieder herstellbar? Ist diese Hertellung deiner Meinung nach wünschenswert? Warum?
Der Zusand dieser Urgesellschaft dauerte nicht lange an. Weil der Mensch Besitz hatte, weil der Mensch Werkzeuge hatte, die man alle klauen konnte. Da erwuchs eine neue Verwundbarkeit.
Und menschliche Gesellchaften funktionierten ohne geschriebenes Gesetz nur in einem kleinen, überschaulichen Rahmen. Weil ein kleine Gruppe sich gegenseitig gegenseitig kontrollieren konnte. Wurde eine Gruppe größer, brauchte man eine Autorität: den Druiden, den Häuptling, den Schamanen - später wurde es auch das geschriebene Gesetz. Auch die Tiere kommen ohne Führerschaft nicht aus.

2. Das Kapital. Die Entfremdung des Menschen von seinen Produktionsmitteln. Hat es Sinn, die Herrschaft weniger über "das Kapital" auf die Herrschaft aller zu übertragen? Es ist ja schon heute so, dass die Kapitalbewegung nicht gänzlich den Kapitaleignern obliegt: Sie wird (auch) kollektiv gesteuert, nämlich durch die Steuern.
Was würde geschehen, wenn alle Arbeiter eines Betriebes auch die Kapitaleigner wären? So viel würde sich nicht ändern: Sie wären Kapitaleigner, wie sie schon heute Aktieneigner anderer Betriebe werden können. Aber sie hätten die totale Selbstbestimmung. Das wäre in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft aber nicht vorteilhaft. Denn sie hätten nicht das know how dazu, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und selbst wenn sie es hätten: Nach endlosen, mühevollen freizeitraubenden kollektiven Entscheidungsprozessen sähe das Ergebnis ähnlich individualkapitalistisch geprägt wie das eines Einzelkapitalisten aus: Auf die Interessen des Betriebes bezogen. Auch die Arbeiter würden sich einen scheißdreck um Naturbelange und gesamtgesellschaftliche Belange kümmern. Diese Belange haben daher der Entscheidungsgewalt des Staates zu obliegen. Und dieser Staat ist demokratisch sanktioniert.
Nach einem langen, leidvollen und blutigen Prozess haben wir ein Form des Zusammenlebens erlangt, die nicht die übelste ist...
Oder sollte das Kapital gänzlich der Herrschaft des Staates obliegen? Funktioniert nicht gut, wie wir wissen, zu viel verbeamtung. Kapital muss schon dezentralisiert sein.
Oder sollte das Kapital [I]abgeschafft[/] werden? Bist du dieser Meinung? Dann sag´s.

3. Ich will keine revolutionären Bestrebungen mit dem Ziel des Menschenglücks untergraben, im Gegenteil! Aber das Leiden muss konkretisiert werden – und die Möglichkeit der Befreiung von ihr. Diagnose – Therapie. Manchmal gelangt man dann zu Ergebnissen, die Wege auftun, die in dem einen und anderen Fall, etwas anders verlaufen und dafür deutlich kürzer sind, als man vorher angenommen hat...

Gisbert
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit. (Karl Marx)

Geändert von Gisbert Zalich (05.12.2002 um 20:54 Uhr)
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  #3  
Alt 06.12.2002, 07:42
Minnie
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Nein, in einer Anarchie möchte ich nicht leben!!
In D z.B. leben ca. 80 Mill. Menschen, was wäre, wenn es keine Gesetze und Ordnungen mehr geben würde? Terrorismus!
Es sind nicht alle Menschen edeldenkend und fürsorglich, viele sind raffgierig, missgünstig, geldgierig, machthungrig, aggressiv und kriminell. Wenn es nicht so wäre, würden Richter, Staatsanwälte, die Polizei usw. nicht fast in Arbeit ersticken.
Mit der momentanen politischen Situation bin ich nicht zufrieden, aber wir dürfen in einer Demokratie leben und haben nicht nur Pflichten sondern auch Rechte. Gott sei Dank! Man kann nur hoffen und beten, dass die Demokratie in D niemals ins Wanken geraten wird.
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  #4  
Alt 06.12.2002, 14:24
Nguyen Nguyen ist offline
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"Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet, verdient keinen Blick, denn sie läßt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird." Oscar Wilde
Ich denke, dass die welt sich in die richtung entwickelt hat das sich jeder einzelne seinen vorteil daraus ziehen möchte, die gemeinschaft in den vordergrund für seine interessen zu stellen.
ich denke es funktioniert weder den einzelnen unter die gemeinschaft zu stellen, den jedes individuum muss frei sein. ich sehe es aber auch als falsch an, die gemeinheit unter den einzelnen zu stellen. wir haben beides ausprobiert, erstes hat noch nicht mal die kinerkrankheiten überlebt, während zweiteres seit mehr als 200 jahren unter dem namen kapitalismus leidet und sich selbst zu grunde richtet. der staat will diesem wirken entegentretten indem er es beschleunigt, er legt der gesellschaft immer mehr fesseln an, um den einzelnen, bzw. das eizelne, das kapital zu fördern. der innere selbstwiderspruch (siehe marx, da ich keine zeit habe das zu erläutern) wird immer deutlicher, und aktueller denn je. man sehe sich globalisierung, kriege und den rest an.
dabei bewegen wir uns doch auf dem richtigen weg: willensfreiheit und die möglichkeit zu produzieren ohne uns anzustrengen etc. doch wozu nutzen wir das? um uns weiter gegenseitig auszubeuten und immer mehr ins elend zu stürzen.
ich denke also man sollte sich echt mal gedanken machen, wie das weitergehen soll. und ein wichtiges kriterium ist für mich die aufhebung von macht über andere, denn diese erzeugt immer leid und gewalt. dazu gehört auch das saatliche wesen wie es jetzt ist. zuerst die kritik, dann das aufbauen etwas neuerem, besserem, dessen formen sich aber nicht im vorhinein bestimmen lassen, denn das funktioniert nicht (apropro planen @ gisbert)
@ nina
ich glaube menschen sind das nur, weil ihnen gesetze gegenübergestellt werden, und gesetze sind dazu da gebrochen zu werden.
langer text, was?
ich bin gerne für kritik offen, kann auch sein, dass ich aus zeitgründen dinge ausversehen weggelassen habe, die zum verständis notwendig sind, doch ich hoffe, dass nicht, wenn nicht, dann melden
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  #5  
Alt 06.12.2002, 15:11
Minnie
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@ nina
ich glaube menschen sind das nur, weil ihnen gesetze gegenübergestellt werden, und gesetze sind dazu da gebrochen zu werden.
langer text, was?

nicht lang, aber unrealistisch!
Da habe ich eine klare Meinung, es geht nicht ohne Gesetze und wer sie bricht, muss bestraft werden. Nur so können so viele Menschen einigermassen friedlich zusammenleben. Was will man denn noch? Wieder wie Adam und Eva leben ?
Viele Menschen sind gegen den Fortschritt und die Industrie, aber ohne dem könnten die Menschen gar nicht mehr existieren.

Geändert von Minnie (06.12.2002 um 15:14 Uhr)
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  #6  
Alt 06.12.2002, 15:42
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Gysi Gysi ist offline
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Zitat:
Original geschrieben von Nguyen
ich glaube menschen sind das nur, weil ihnen gesetze gegenübergestellt werden, und gesetze sind dazu da gebrochen zu werden.
langer text, was?
Wo bin ich denn hier? Hat mich grad eine Zeitmaschine in das Jahr 1970 gefahren? Was glaubst du, was passieren würde, wenn es keine Gesetze mehr gäbe? Das Gesetz des Stärkeren setzte sich durch. Dann wäre keine kollektive Produktion mehr möglich (z.B. Hof, Betrieb, Volks- und Weltwirtschaft), von der wir Menschen - seit Menschengedenken - abhängig sind. Dann würde ich nicht mehr mit drei Euro fuffzig über die Straße laufen. Glaubst du, Gesetze sind nur gemacht, um Ausbeutungssysteme zu schützen? Warum sind wir mit der Diskussion noch nicht weiter als vor 30 Jahren? Denken und Politik entwickeln sich offensichtlich träger als die Wirtschaft sich entwickelt. Und das schafft uns wirklich ein Problem...

Gisbert
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  #7  
Alt 06.12.2002, 15:52
Minnie
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Original geschrieben von Nguyen
ich glaube menschen sind das nur, weil ihnen gesetze gegenübergestellt werden, und gesetze sind dazu da gebrochen zu werden.
langer text, was?

Zum "langen" Text fällt mir noch etwas ein:
Es stellt sich die Frage, WER ohne Gesetze leben möchte.
Jemand, der friedlich sein Leben leben will ist froh, dass es sie gibt, weil sie einen schützen.
Es können doch eigentlich nur Gesetzesbrecher sein, die die Gesetze abschaffen möchten, weil sie diejenigen in ihrem "Tun" behindern und stören.

Geändert von Minnie (06.12.2002 um 15:54 Uhr)
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  #8  
Alt 06.12.2002, 22:07
anthropos anthropos ist offline
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ach komm schon nina. das was du denkst ist das produkt deiner erziehung und des einflusses deiner unmittelbaren umwelt. du hast dir scheinbar noch nicht sehr viele gedanken gemacht über menschen, die verbrechen begangen haben. du scheinst mir nur die taten zu erfahren, dich aber nicht mit den motivationen solcher handlungen auseinander zu setzen.

das ist verdammt schade und zeigt, dass es dir im grunde genommen genauso darum, wie auch sehr vielen anderen menschen in dieser gesellschaft: du denkst primär mal an dein eigenes wohlergehen und an deine bedürfnisbefriedigung - dann kommt lange nix und wenn sichs ausgeht kommen mal die bedürfnisse der anderen menschen. das ist in gewissem maße nachvollziehbar und auch gut so, aber es niegt sehr zu egoistischem denken. das ist das grundproblem unserer gesellschaft - jeder denkt an sich, nur ich denk an mich... sogar die definition von gut und böse unterliegt dem nützlichkeitsprinzip. glück wird - extrem formuliert - durch wohlstand und besitz definiert...

momentan würde ich auch nicht in einer anarchie leben wollen und zwar deswegen, weil 90 % der jetzt lebenden menschen nicht gesellschaftsfähig sind. das ist verdammt schade aber es ist numal derzeit einfach so. um das zu ändern müssen dem menschen wieder die wirklichen ideale und die wirklich erstrebenswerten werte ins bewusstsein gerückt werden - dann klappt das auch irgendwann mit der anarchie. wie gesagt habe ich den thread auch nicht umsonst anarchismus genannt und nicht anarchie und die beiden sachen auf härteste unterschieden.

strafen machen auch nur bedingt sinn: nämlich nur dann wenn sie das bewusstsein des täters erreichen und ihn zur reue bewegen. klar hat das auch einen funktionellen sinn, aber den nennt man auch zweck (!) und zwar den, dass eine wiederholungstat ausgeschlossen ist. mir geht es aber um den sinn und nicht um den zweck...

@gisbert: "Oder sollte das Kapital [I]abgeschafft[/] werden? Bist du dieser Meinung? Dann sag´s." nöö gar nicht. um das geht es mir nicht und auch nicht um das abschaffen von gesetzen. mir geht es um das bewusstsein des menschen: mir geht es darum, dass die leute einsehen dass ideale wie ehrlichkeit, gutmütigkeit, gütigkeit, verzeihen, geduld usw usf viel "menschlicher" sind, als die derzeit herrschenden werte wie profit, haben, gewinnoptimierung etc. dann klappts auch mit der anarchie...
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  #9  
Alt 06.12.2002, 23:11
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Gysi Gysi ist offline
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@anthropos

Zitat:
Original geschrieben von anthropos
um das geht es mir nicht und auch nicht um das abschaffen von gesetzen. mir geht es um das bewusstsein des menschen: mir geht es darum, dass die leute einsehen dass ideale wie ehrlichkeit, gutmütigkeit, gütigkeit, verzeihen, geduld usw usf viel "menschlicher" sind, als die derzeit herrschenden werte wie profit, haben, gewinnoptimierung etc. dann klappts auch mit der anarchie...
1. Anarchie ist Herrschafts- und Gesetzlosigkeit, soviel zur Definition.
2. Was hast du eigentlich gegen Gewinnoptimierung? Ist doch besser, als Verluste einzufahren. Auf die Verteilung kommt es an. Und darauf, was produziert wird.
3. Ehrlichkeit, Gutmütigkeit und all die anderen guten Eigenschaften – das sind alles Eigenschaften, die nicht nur du gut findest. Aber es gibt nun mal den Egoismus, der ein starker naturverankerter Trieb ist, im Gegensatz zum Gemeinschaftssinn, der den Erfordernissen der menschengemachten Kultur entspringt, auf die die Natur [noch] keine so starke Triebverankerung als Antwort gefunden hat. Sollte man da nicht erst mal den Gesetzen vertrauen, wie nicht stehlen und nicht töten zu dürfen und sie respektieren?
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wir Menschen haben nun einmal diese Kultur aufgebaut, die ein Verhalten bedingt, dass uns die Natur nicht mitgegeben hat. Natur heißt: Töten und fressen, Auslese und Anpassung. Wer da nicht mitkommt, ist weg. Die menschliche Gesellschaft erfordert Gemeinsinn, Verständnis, Solidarität. Mit Besitz und Werkzeugen haben wir eine Verwundbarkeit geschaffen, auf die die Natur keine Antwort hat.
Deine Ziele sind ehrenwert. Aber du verlangst von den Menschen eine Anpassung, die wir erst in 100.000 Jahren erreicht haben werden. Die Anpassungsprozesse der Natur an diese Umwelt, die wir so rasant geschaffen und verändert haben und noch viel rasanter - und hoffentlich zu unserem Vorteil - verändern werden, sind viel träger als du dir vorstellst, wie die Geschichte der Evolution beweist...
Bleiben wir lieber erst mal bei den Gesetzen und der Demokratie...

LG
Gisbert
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  #10  
Alt 07.12.2002, 08:17
Minnie
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@anthropos
ach komm schon nina. das was du denkst ist das produkt deiner erziehung und des einflusses deiner unmittelbaren umwelt. du hast dir scheinbar noch nicht sehr viele gedanken gemacht über menschen, die verbrechen begangen haben. du scheinst mir nur die taten zu erfahren, dich aber nicht mit den motivationen solcher handlungen auseinander zu setzen.
(Text von Dir o.)

nix, ach komm schon!
Das was ich denke, ist meine ganz persönliche Meinung, die ich mir in 37 Jahren SELBER gebildet habe!!
Über Verbrecher habe ich mir auch viele Gedanken gemacht. Über Kinderschänder, Frauenvergewaltiger- und schänder z.B. und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Menschen in dem jetzigen System noch viel zu milde bestraft werden. Therapierbar sind sie eh nicht! Das ist doch krank, sich Gedanken über die Motivation von Straftaten zu machen. Wer denkt an die unschuldigen Opfer???

zweiter Text von Dir:
das ist verdammt schade und zeigt, dass es dir im grunde genommen genauso darum, wie auch sehr vielen anderen menschen in dieser gesellschaft: du denkst primär mal an dein eigenes wohlergehen und an deine bedürfnisbefriedigung - dann kommt lange nix und wenn sichs ausgeht kommen mal die bedürfnisse der anderen menschen. das ist in gewissem maße nachvollziehbar und auch gut so, aber es niegt sehr zu egoistischem denken. das ist das grundproblem unserer gesellschaft - jeder denkt an sich, nur ich denk an mich... sogar die definition von gut und böse unterliegt dem nützlichkeitsprinzip. glück wird - extrem formuliert - durch wohlstand und besitz definiert...

warum unterstellst Du mir solche Dinge? Das habe ich niemals behauptet!
Was ich selber denk' und tu, das trau' ich auch dem anderen zu...
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  #11  
Alt 07.12.2002, 13:44
Rudi Rudi ist offline
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Re: anarchismus

Zitat:
Original geschrieben von anthropos
aber ich meinerseits halte die (vorerst gedankliche) idealordnung mit der aufhebung jeglicher macht eines menschen über einen anderen für die beste.
Also, anthropos: das Ende jeder "Erziehung" durch Eltern, Staat, Gesellschaft? Würde das verhindern, daß "kranke" Individuen wie Sexualmörder entstehen? Keine Gesetze, daß hieße: wir hätten heute die Todesstrafe, Folter (für besonders grausame Mörder fänden sich garantiert Mehrheiten) - und nicht zuletzt (warum ich Anarchie ablehne oder was ich darüber hier und da mal gelesen habe!): eine Diskriminierung derjenigen, die sich NICHT politisch beteiligen wollen!

Zugegeben, der Staat bevormundet uns - aber der Mensch ist nunmal nicht "gut" und "einsichtig" - sondern faul (inklusive denkfaul!), manipulierbar (auch in anarchistischen Formen des Zusammenlebens/ Stichwort: "Basisdemokratie"-Utopie oder wie wäre die Meinungsbildung im Anarchismus zu organisieren?) und hält an Gewohnheiten fest! Auch an schlechten. Jede Veränderung erfordert Anstrengung. Wir wollen doch auch in großem Maße Konstanz im Leben bewahren. Deshalb auch u.a. Gesetze, die ich natürlich brechen kann... aber eher tue ich das nur, wenn ich "ausbrechen" will... in Grenzsituationen eben! Persönlichen oder gesellschaftlichen wie den 68ern...

Rudhi
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  #12  
Alt 07.12.2002, 13:55
Nguyen Nguyen ist offline
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ich will nicht zitieren, das greift immer persönlich an. ich denke jeder weiß selbst, wann er angesprochen ist.

anarchie ist gesetzlosigkeit - stimmt !
gut dann muss man aber auch zwischen den brüchen mit dem gesetz differenzieren, mag sein dass ich nicht mal die hälfte deiner lebenserfahrung habe nina, aber gedanken kann ich mir auch machen.

1. der gesetzesbrecher, der die tat aufgrund seines sozialen statuses oder ähnlichen widrigen umständen begeht. dieser würde durch ein neuordnung ohne gesetze, die zumeist nur die besitzenden schützen profitieren, und wer alles hat, was er braucht, braucht nicht stehlen oder ähnliches. dazu muss aber die möglichkeit für alle bestehen, dass sich anzueignen, was man braucht. es müssen also alle arbeiten können. es braucht aber auch einen ORGANISIERENDEN staat zur güter- und arbeitsverteilung. wenn alle arbeiten, muss der einzelne weniger arbeiten.

2. der frauenschänder oder ähnlich brutales: diesen hindern heute keine gesetze und werden auch zukünftig keine gesetze hindern seine taten zu vollführen, da ein psychischer defekt vorliegt. vielleicht würde er sogar zurückschrecken vor den befürchtungen, dass -da es keine gesetze gibt- an ihm von verwandten oder sonstigen bekannten des opfers eine äqivalente rache praktiziert wird.

3. der mörder, der für das vaterland kämpft. KEINE TERRITORIALEN ANSPRÜCHE, KEINE KRIEGE

desweiteren denke ich, dass jedes lebewesen produkt seiner inneren einstellung, die widerum zum großen teil durch die äußeren, sprich sozialen umstände geprägt wird ist. ändert man also die sozialen umstände, so denke ich kann man das wesen des menschen binnen "kürzester" zeit erreichen.wir kennen das menschengeschlecht nur unter heutigen bedingungen, und diese sind wirdig. es kann also keiner sagen, dass ist DER MENSCH, sondern nur das ist der mensch unter DEN GEGEBENEN UMSTÄNDEN. -danke ich bin fertig
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  #13  
Alt 07.12.2002, 15:30
Minnie
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@Nguyen
1. der gesetzesbrecher, der die tat aufgrund seines sozialen statuses oder ähnlichen widrigen umständen begeht. dieser würde durch ein neuordnung ohne gesetze, die zumeist nur die besitzenden schützen profitieren, und wer alles hat, was er braucht, braucht nicht stehlen oder ähnliches. dazu muss aber die möglichkeit für alle bestehen, dass sich anzueignen, was man braucht. es müssen also alle arbeiten können. es braucht aber auch einen ORGANISIERENDEN staat zur güter- und arbeitsverteilung. wenn alle arbeiten, muss der einzelne weniger arbeiten.
(Text von Dir)

Darf ich Deine Texte nochmal aufgreifen?
In D z.B. wird durch das soziale Netz, das es zum Glück gibt, jeder Bedürftige aufgefangen. Niemand braucht hungern und frieren und aus einer Not heraus kriminell zu werden.
Dass es hier nicht genügend Arbeitsplätze gibt finde ich katastrophal und ein Riesenproblem, welches die jetzige Regierung nicht lösen können wird. Der Sozialismus ist meiner Meinung nach keine Lösung für das Problem.

2. der frauenschänder oder ähnlich brutales: diesen hindern heute keine gesetze und werden auch zukünftig keine gesetze hindern seine taten zu vollführen, da ein psychischer defekt vorliegt. vielleicht würde er sogar zurückschrecken vor den befürchtungen, dass -da es keine gesetze gibt- an ihm von verwandten oder sonstigen bekannten des opfers eine äqivalente rache praktiziert wird.
(Text von Dir)

Dass die Brutalverbrecher von den heutigen Gesetzen nicht abgeschreckt werden ist zu befürchten. Härtere Bedingungen in den Gefängnissen könnten evtl. abschreckend wirken.
Von Selbstjustiz und dadurch mangelnde Recherche bei den Ermittlungen halte ich nichts, genauso wenig von der Todesstrafe. Ein Unschuldiger ist ein Unschuldiger zuviel.
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  #14  
Alt 07.12.2002, 15:54
anthropos anthropos ist offline
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hmm, nina. ich will dir nichts unterstellen, aber trotzdem: es geht überhaupt nicht um die bestrafung! bestrafung an sich ist nur symptombekämpfung. bestrafen bringt in etwa gleich null, wenn nicht an der wurzelbekämpfung gearbeitet wird. du glaubst doch auch nicht, dass menschen abgeschreckt werden und keine schwerverbrechen mehr begehen, nur weil andere menschen, die das gleiche schon gemacht haben, zum tod verurteilt werden (usa, china usw) oder lebenslänglich ins gefängnis müssen, oder?! solltest du das meinen, dann schau dir einfach n paar statistiken zum thema an - die härte der bestrafung ändert kaum die anzahl der neuverbrechen. die ändert sich nur wenn sich die situation der potentiellen verbrecher verbessert. viele sexualstraftäter wurden in ihrer jugend selbst vergewaltigt, der starke anteil sexueller übergriffe unter zolibatär lebenden geistlichen könnte auch mit der strengen und unnatürlichen sexualmoral ihres glaubensinhaltes zusammenhängen - nur: das berücksichtigen die medien, die uns davon berichten, überhaupt nicht. der medieneinfluss wirkt sich stark auf unsere meinungsbildung aus und wenn medien unseriös und zu emotional schreiben dann wird es halt an die grundtendenz des jeweiligen durchschnittslesers angepasst (die wollen oftmals rachejustiz- gleiches mit gleichem vergelten usw) und furchtbar aufgebauscht, so dass die objektivität mitunter stark darunter leidet: es werden "monster" und "sexbestien" usw. aus menschen gemacht ohne sich für irgendwelche motivationen zu interessieren. man nimmt ihnen quasi eigenwillig das recht auf menschsein (dh die würde) ohne sich tiefgründige gedanken darüber zu machen - oftmals nur der verkaufszahlen wegen. wenn man aber die gründe für derartige handlungen nicht berücksichtigt, dann wird sich an der anzahl solcher handlungen nicht viel ändern. beim gericht schaut es zwar schon ein bisschen anders aus und hier ist die objektivität weniger gefährdet aber trotzdem bleibt das gesellschaftliche armutszeugnis einer vorurteilenden, unbelehrbaren und nicht rational handelnden masse.

bestrafungen machen verbrechen auch nicht ungeschehen. aber das zeigt die oberflächlichkeit mit der die gesellschaft rumdoktort. von viel medizin gehen vielleicht die krankheitserscheinungen weg, aber wenn die ursache nicht gefunden wird, dann werden wir noch viel mehr unnötige medizin brauchen.

@gisbert: deine definition ist zwar neutral, aber ich denke, dass du auch eher die negativen aspekte im hinterkopf hast. das soll jetzt sicher keine unterstellung werden (und zudem ist es erfreulich, dass wir die gleichen ziele verfolgen, was die menschlichen werte betrifft) aber ich meine anarchie im positiven sinne. ich meine mit anarchie den zustand, der durch die (irgendwann erreichte) fähigkeit des menschen in seiner uneingeschränkten freiheit verantwortung für sich und die anderen menschen so zu übernehmen, ein friedliches und sinnvolles miteinander ermöglichen kann. deswegen geht es mir ja auch um das bewusstsein des menschen und deswegen auch um die gedankliche sache anarchismus in erster linie; und erst dann um die verwirklichung (was wahrscheinlich utopie bleiben wird)... demokratie ist auf jeden fall auch eine fortentwicklung, die aus der geschichte gelernt hat und schon von daher nicht sinnlos ist - aber so wie sich das königtum verabschiedet hat mit zunehmendem kritischen denken der menschehit so wird sich auch irgendwann vielleicht die demokratie weiter entwickeln und in einer ganz anderen form erscheinen, als jetzt. der parlamentarismus in heutiger form war auch ein gewinn der menschlichen denkentwicklung - bei den griechen gabs den noch nicht wirklich...

peace, anthropos.
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  #15  
Alt 07.12.2002, 16:15
anthropos anthropos ist offline
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@rudhi: warum keine erziehung? warum todesstrafe? warum folter? warum eine diskriminierung politisch unbeteiligter?? was hat das mit anarchie bzw vielmehr mit anarchismus zu tun?? hmm. anarchismus ist eine gewisse ordnung. eine art von ordnung die darauf aufbaut, dass jeder mensch sich "vernünftig" verhält - so vernünftig wie zb kant es in seinem kategorischen imperativ fordert. es baut alles darauf auf, dass der mensch einsieht, dass es das beste ist, nicht eigennützig und egoistisch zu denken und zu handeln, sondern nur dann wirklích glücklich leben kann, wenn er sein denken auf das wohl aller und damit im ende auch auf sein eigenenes wohl bezieht.

wenn ich meinerseits von anarchie rede, dann meine ich nicht chaos, denn das wäre gerade die form der herrschaftslosigkeit die außer kontrolle geraten ist und in der in keinster weise auch nur irgendwelche menschen menschlich und damit meine ich vernünftig handeln. wer anarchie mal in nem guten duden nachschlägt findet dort eine wertneutrale beschreibung des herrschaftslosen zustandes.

und was nguyen betrifft so kann ich teilweise nur nochmals wiederholen was er geschrieben hat. in anderen worten vielleicht so: wer sich als mensch definiert und nicht als einer bestimmten gruppe angehöriger braucht keine unterschiede zu machen. hautfarben, herrkunft, aussehen, sprache etc ist alles völlig unwichtig. das wäre auch ein weiterer poitiver aspekt des anarchismus.

peace, a.

ps: nicht immer nur zitieren, sondern mal in eigenen worten rekapitulieren würde vielleicht helfen missverständnisse von vornherein erst gar nicht aufkommen zu lassen. hmm. zitieren ist zu einfach

Geändert von anthropos (07.12.2002 um 16:18 Uhr)
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