Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sterbehilfe - Ja oder Nein


Georg
26.07.2003, 22:13
Ein Recht auf Sterbehilfe?

In der heutigen Diskussion um Sterbehilfe und Euthanasie wird von den Befürwortern dieser Maßnahmen mit dem Mitleid argumentiert, das man gegenüber todkranken und schwer leidenden Menschen haben müsse. Das Schicksal solcher Menschen, die auch selbst diese Hilfe zum Sterben begehrten, weil sie ihre Schmerzen und ihre Abhängigkeit von anderen nicht mehr ertragen könnten, müsse so erleichtert werden.

Beispiel:
Ein Schwerkranker, ohne Chance auf Heilung, hat nur noch einen unerfreulichen Weg zum absehbaren Ableben vor sich; seines Leidens müde, will er sich mit einem Arzt über die Abkürzung dieses Weges ins Benehmen setzen. Aber hier fängt die Schwierigkeit an. Es ist keineswegs der Entscheidung des Kranken überlassen, seinen Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen und sich die verbleibende Zeit so aushaltbar wie möglich machen zu lassen. Das gilt ebenso für die gar nicht so seltenen Fälle, bei denen das Bewusstsein des todkranken Patienten teilweise oder ganz getrübt ist und der Arzt oder die Angehörigen nur über den Willen des Todkranken mutmaßen können. Im einen wie im anderen Fall sieht die rechtsetzende Obrigkeit nicht nur den wirklich betroffenen Kranken, sondern vor allem sich betroffen: Sie betrachtet nämlich das Leben, das so unschön sein mag wie es will, als schützenswertes Rechtsgut. Damit gibt die demokratische Herrschaft hochoffiziell kund, dass die physische Existenz ihrer Untertanen nicht deren Sache, sondern staatliches Eigentum ist. Sehr prinzipiell stellt die Staatsmacht klar, dass es in deren Lebenslauf nur einen einzigen wirklichen Herrn über Leben und Tod gibt: den Staat, der das Recht auf Leben so großzügig spendiert. Noch lange bevor seine Bürger wissen, wie sie heißen, und buchstäblich bis zu ihrem letzten Atemzug beansprucht er das alleinige Verfügungsrecht über deren Existenz. Indem die Staatsgewalt den "Schutz des Lebens" in ihr Grundgesetz schreibt, verdonnert sie alle ihre Staatsangehörigen, ,, leben zu müssen". Und dieses Prinzip gilt auch für sterbensmüde Alte und Kranke: Sie sind und bleiben Teile des Volkskörpers und ihr "Recht auf Leben" liegt in der Hand des Staates.

Sterbehilfe – Ja oder Nein

Was meint Ihr?

Gruß
Georg

Georg
27.07.2003, 06:13
PS:
Mich würde wirlich sehr interessieren, ob ihr dafür seid oder dagegen, und vor allem, aus welchen Gründen!

Gruß
Georg

Georg
27.07.2003, 09:41
Hier in Deutschland ist ja die Sterbehilfe verboten, im Gegensatz zu manchem Nachbarland.

D.h. auch ihr selbst könntet irgendwann mal "Opfer" der Apparatemedizin werden, oder als schwerkranker bettlägriger alter Mensch mit sehr starken Schmerzen jahrzehntelang dahinsiechen (es gibt genügend Beispiele).

Ist dieses Thema für Euch ein Tabu oder seid ihr einfach nur gleichgültig?

Gruß
Georg

Gysi
27.07.2003, 10:11
Ich bin für Sterbehilfe.
Haben wir das Recht, medizinisch, also künstlich, das LEBEN qualitativ zu verbessern und zu verlängern? Wir haben sogar die PFLICHT dazu! Wenn Sterbehilfe ein künstlich erschaffene Lebensverlängerung nur mit Schmerzen , ohne Aussicht auf Besserung, abstellen soll, dann greifen wir damit nicht in natürliche Lebensproresse, sondern in medizinisch geschaffene Lebens- und LEIDENSprozesse ein! Wenn der Patient glaubhaft sagt: Ich will gehen, dann haben wir auch die PFLICHT, ihn von den MENSCHLICH geschaffenen Leiden zu befreien.

Gysi

Georg
27.07.2003, 11:19
von Gisbert
Ich bin für Sterbehilfe.

Was denkst Du also, wie können wir die Situation z.B. in Deutschland verändern?
Wäre eine europäische Einigung möglich?

Wenn ich an den "Sterbetourismus" denke (alte Menschen, z.B. aus Deutschland, reisen zum Sterben in die Schweiz), zeigt es doch, daß ein Bedarf an Sterbehilfe besteht.

Wir müßten doch in Deutschland dringend andere Verhältnisse schaffen.

Gruß
Georg

Gysi
27.07.2003, 12:09
Original geschrieben von Georg
Was denkst Du also, wie können wir die Situation z.B. in Deutschland verändern?
Die Gesetze entsprechend ändern. Wie stehen denn unsere Volksvertreter dazu? Weiß ich echt nicht. Vielleicht brächte eine Volksbefragung was? Mal bei der PDS anklopfen? Die protestieren doch so gern....:D

walter
27.07.2003, 12:38
Ich bin auch für Sterbehilfe auf Verlangen.
Das Ziel sollte ein würdiges Sterben sein, dazu gehört für mich eine vernünftige Betreuung bevor es soweit ist.

Georg
27.07.2003, 13:10
von Walter
Ich bin auch für Sterbehilfe auf Verlangen.

Manchmal ist es aber leider auch so, daß gerade Betroffene dieses "Verlangen" nicht mehr so richtig formulieren können (z.B. Koma-Patienten die nur noch durch Maschinen am "leben" gehalten werden, oder bettlägrige und schwerkranke senile alte Menschen).

Gruß
Georg

walter
27.07.2003, 13:15
Original geschrieben von Georg
Manchmal ist es aber leider auch so, daß gerade Betroffene dieses "Verlangen" nicht mehr so richtig formulieren können

Darf ich wirklich jemandem das Leben nehmen von dem ich nicht weiss ob er es will?

Georg
27.07.2003, 14:57
Ich denke dabei auch immer eher an konkrete Fälle und deren Konsequenzen.

Beispiel:
In einem Fernsehbericht, wurden Fotos gezeigt, die Pathologen von verstorbenen ehemals bettlägerigen alten Menschen gemacht haben, die ihre letzten Jahre bis zum Ende in einem Altenpflegeheim in Betten hinter Gittern zubringen mussten. Sie hatten offene Wunden am ganzen Körper, und auch Körperstellen, die schon zu Lebzeiten anfingen zu verfaulen. Diese Befunde, und auch spätere Überprüfungen dieser Altenpflegeheime, bewiesen, dass diese alten Menschen über Jahre nicht mehr angemessen gepflegt wurden.

Natürlich handelt es sich hier um den skandalösen Mißstand in Altenpflegeheimen, der unbedingt beseitigt werden sollte.
Ich denke, Altenpflegeheime sollten viel gründlicher überwacht werden; und es sollte hier bei Vergehen an alten pflegebedürftigen Menschen drastische Strafen geben.

Man berücksichtige aber auch den Fakt, dass es diesen Menschen nichts genutzt hätte, wenn sie das „Verlangen nach Sterbehilfe“ geäußert hätten, da ja wie gesagt Sterbehilfe in Deutschland verboten ist.

Gruß
Georg

Georg
27.07.2003, 18:26
Apropos Konsequenzen:

Auch das Verbot der Sterbehilfe hat natürlich Konsequenzen.

z.B., dass die staatlich verordnete Lebensverlängerung vielen schwerkranken Menschen unsägliches Leid bereitet.

Und das alles aus pseudochristlichen Gründen, wobei doch in Wahrheit vieles nur Heuchelei ist.

Gruß
Georg

baerliner
27.07.2003, 19:39
Georg,

mir scheint, daß Du nicht völlig über die Rechtslage in D informiert bist. Die sogenannte passive Sterbehilfe ist auch hier erlaubt. Niemand muß sich durch Maschinen am Leben erhalten lassen, wenn er in einer Patientenverfügung oder in einer sonstwie schlüssigen Willensäußerung zu Lebzeiten dies vorausverfügt hat. Auch Angehörige können die Abschaltung der Maschinen verlangen, wenn sie überzeugend darlegen, daß die Abschaltung dem Wunsch des Patienten entspricht.

Ebenso muß kein Arzt einen Patienten im Pflegeheim, der die Nahrungsaufnahme verweigert, zwangsernähren lassen. Vielmehr setzt man bei solchen sterbewilligen Patienten die Flüssigkeitszufuhr herab
und sorgt durch Befeuchten der Lippen
mit schmackhaften Getränken für ein langsames Einschlafen (Atemstillstand).

Aktive Sterbehilfe ist in D nicht erlaubt, und das finde ich auch gut so.

Georg
27.07.2003, 21:53
von baerliner
...mir scheint, daß Du nicht völlig über die Rechtslage in D informiert bist.

Debatte um die „aktive“ Sterbehilfe in Deutschland

Nach der Legalisierung der „aktiven“ Sterbehilfe in den Niederlanden und Belgien wurde auch in Deutschland das Für und Wider diskutiert.
Politik und Kirche scheinen sich in ihrer Ablehnung einig.
Die Bürger allerdings urteilten einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach aus dem Jahre 2001 anders.

Worum geht es?

"Du sollst nicht töten"

Die Kritik an der aktiven Sterbehilfe, die im April 2001 in den Niederlanden und im Mai 2002 in Belgien legalisiert wurde, zieht sich seither wie ein roter Faden durch die Predigten der deutschen evangelischen und katholischen Bischöfe.

Niederlande und Belgien legalisieren Sterbehilfe

Die Niederlande waren im April 2001 zunächst das erste Land, in dem die aktive Sterbehilfe legalisiert wurde. Demnach dürfen Ärzte dem Wunsch nach Sterbehilfe ohne juristische Konsequenzen entsprechen, wenn der Patient ohne Aussicht auf Heilung unerträglich leidet. Es muss dabei klar sein, dass der Patient seinen Wunsch aus freien Stücken äußerte und den Arzt seit langem kennt. Der Mediziner muss sich mit einem Kollegen beraten und nachweisen, dass eine Behandlung des Kranken keinen Erfolg mehr verspricht. Bald erreichte die Diskussion über die legale Sterbehilfe eine neue Dimension: Die damalige niederländische Gesundheitsministerin Els Borst sprach sich für die Freigabe einer Selbstmordpille aus.

Im Mai 2002 folgte Belgien mit der Legalisierung. Entsprechend der Regelung dürfen erwachsene Menschen um den Tod bitten, wenn sie unheilbar krank sind und darunter sowohl körperlich als auch seelisch leiden. Der Sterbewunsch muss schriftlich geäußert werden. Sollte der Patient dazu nicht in der Lage sein, kann auch eine Vertrauensperson das Ansinnen niederschreiben. Zwischen dieser Erklärung und der eigentlichen Sterbehilfe muss mindestens ein Monat vergehen.

Gruß
Georg

Georg
28.07.2003, 10:57
von baerliner
Aktive Sterbehilfe ist in D nicht erlaubt, und das finde ich auch gut so.

Ist auch Dein gutes Recht.

Nachdem sich hier ja schon Gisbert, Walter und ich (sowieso) als Befürworter der "aktiven" Sterbehilfe in Deutschland geoutet haben, finde ich es auch richtig wenn sich mal jemand von der Gegenseite hier äußert.

Das kann ja nur die Diskussion anregen.

Mich würde auch mal interessieren, warum genau Du gegen die "aktive" Sterbehilfe bist.

Gruß
Georg

Georg
28.07.2003, 15:59
Und was ist mit Euch anderen?

Seid Ihr alle für die Einführung der „aktiven“ Sterbehilfe?

OK.

Dann sollten aber auch schnellstens die Gesetze in Deutschland geändert werden!

Gruß
Georg

baerliner
28.07.2003, 19:16
Also ich kann auch den Beiträgen von Walter und gysi nicht eindeutig entnehmen, daß sie für aktive Sterbehilfe sind.

Ich selbst bin aus meinem christlichen Glauben dagegen.

Gysi
28.07.2003, 19:23
Original geschrieben von baerliner
Also ich kann auch den Beiträgen von Walter und gysi nicht eindeutig entnehmen, daß sie für aktive Sterbehilfe sind.

Ich selbst bin aus meinem christlichen Glauben dagegen. ICH bin für aktive Sterbehilfe, wenn sie von dem Sterbenden gewollt wird, das habe ich auch deutlich gesagt. Und die (logisch, und daher nicht biblisch resp. religiös, abgeleitete) MORALISCHE Begründung habe ich gleich mit geliefert. :)

Gysi

walter
29.07.2003, 07:20
Original geschrieben von baerliner
Also ich kann auch den Beiträgen von Walter und gysi nicht eindeutig entnehmen, daß sie für aktive Sterbehilfe sind.

Ich bin dafür sofern der Betreffende bei klarem Verstand ist und das möchte.

wirrlicht
29.07.2003, 10:19
Zu Deiner Frage, Georg:


logischerweise sollte ich dafür sein.

Gefühlsmäßig bin ich gegen Sterbehilfe.

LG, wirrlicht


P.S.: ich halte es übrigens für Quatsch (sorry) zu behaupten, daß ein Mensch, der wirklich sterben will, das nicht könne. Ein Mensch, der mit seinem Leben am Ende ist, wird sterben. Das ist weniger von Apparaten als von der menschlichen Psyche abhängig. Davon bin ich zutiefst überzeugt, und ich habe schon einige Menschen sterben sehen.

Georg
29.07.2003, 10:43
von baerliner
Ich selbst bin aus meinem christlichen Glauben dagegen.

Natürlich respektiere ich diese Meinung.

Aber so manche diesbezüglich pseudochristliche Statements von Politikern und Geistlichen halte ich für große Heuchelei und Scheinheiligkeit.

Gruß
Georg

Georg
29.07.2003, 11:35
Hier ein weiteres Beispiel:

Ein schwerkranker Mensch leidet so sehr, dass er sterben möchte. Darf ihm ein Arzt das tödliche Beruhigsmittel spritzen? Oder den Giftcocktail reichen? Ja, meinen die Befürworter der aktiven Sterbehilfe. Und verweisen darauf, dass die aktive Sterbehilfe in den Nachbarländern Holland, Belgien und Schweiz erlaubt ist. Sie fordern, die Sterbehilfe auch in Deutschland gesetzlich zu regeln - eine Forderung, mit der sich wohl der Bundestag in dieser Legislaturperiode beschäftigen muss. Die Gegner der Sterbehilfe dagegen befürchten: auf die Dauer wachse der gesellschaftliche Druck auf Schwerstkranke, aus dem Leben zu scheiden, um so der Allgemeinheit Kosten zu ersparen.

Rolf Knoll (Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben):
"Der Gedanke, gewickelt werden zu müssen, gefüttert werden zu müssen - das war und ist für mich heute noch eine Horrorvorstellung.
Lieber möchte ich vorher und in Würde gehen. Und ich möchte nicht zum Beispiel von der Göltzschtalbrücke springen müssen, sondern ich möchte dann eine Möglichkeit haben, wo ich sanft vom Leben in den Tod übergehe, und ich möchte jemanden haben, der dann bei mir ist, der mir dabei hilft - am besten ein Arzt, der für seine Hilfe dann anschließend nicht noch bestraft wird."

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben setzt sich für aktive Sterbehilfe ein. Dafür, das Leben eines Sterbenden zu verkürzen, wenn er unerträglich leidet - etwa durch eine Überdosis Schmerzmittel. Aber auch unheilbar Kranke sollen den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen und dafür ärztliche Hilfe erhalten können - die so genannte "Tötung auf Verlangen".

Die Ethikerin verweist auf die Erfolge der Palliativmedizin: Selbst stärkste Schmerzen könnten heute meist soweit betäubt werden, so dass die Patienten nicht mehr litten. Die Palliativmedizin sei in Deutschland unterentwickelt, entgegnet Rolf Knoll. Wer garantiere ihm denn, dass er zum Schluss in einem Krankenhaus liege, das in der Schmerzbekämpfung auf dem neuesten Stand sei?

Mit dieser Sorge steht Knoll nicht allein. Immer wieder berät der Sterbehilfe-Vertreter Menschen, die an ihrem Lebensende nichts dem Zufall überlassen möchten. Er informiert nicht nur über Patientenverfügungen. Er nennt auch Adressen in der Schweiz. Adressen, unter denen Ärzte die "Tötung auf Verlangen" praktizieren. Wer zu "Exit International" oder "Dignitas" nach Zürich reist, dessen Todeswunsch wird innerhalb weniger Tage erfüllt. Inzwischen habe sich ein regelrechter "Sterbetourismus" in die Schweiz entwickelt, sagt Rolf Knoll. Ihn stört daran:

"Wenn ein Mensch die Hilfe von einer der Gesellschaften in Anspruch nehmen möchte, muss er noch in die Schweiz reisen können. Was natürlich ganz bestimmt nicht die wünschenswerte Variante ist. Denn die meisten Menschen wünschen sich, wenn sie schon sterben müssen, dass sie zuhause sterben können, und dann nicht in einem anonymen Raum in einer fremden Stadt."

Gruß
Georg

wirrlicht
29.07.2003, 11:42
Original geschrieben von Georg
Hier ein weiteres Beispiel:

Ein schwerkranker Mensch leidet so sehr, dass er sterben möchte. Darf ihm ein Arzt das tödliche Beruhigsmittel spritzen? Oder den Giftcocktail reichen? Ja, meinen die Befürworter der aktiven Sterbehilfe. Und verweisen darauf, dass die aktive Sterbehilfe in den Nachbarländern Holland, Belgien und Schweiz erlaubt ist.


Na, DIE Argumentation zieht aber nicht. Wäre dasselbe als hätten zu Hitlers Zeiten Frankreich, NL usw. argumentiert: "Die Deutschen haben KZ's, also können wir das auch haben!"

LG, wirrlicht



(soll jetzt nicht Gleichsetzung der Themen sein - nur die ART dieser Argumentation finde ich jämmerlich)

Georg
12.08.2003, 10:15
Hier noch einmal mein Aufruf an Alle:

Schreibt hier doch bitte Eure Meinung!

Seid Ihr für oder gegen aktive Sterbehilfe?

(Wenn es geht bitte mit Begründung)

Gruß
Georg

Georg
13.08.2003, 11:53
Ich wundere mich, daß hier die meisten von Euch noch nicht gepostet haben.

Woran liegt das?

Keine eigene Meinung, oder das Thema einfach nur verdrängt?

Für all diejenigen hier mal etwas Nachdenkenswertes.

Früher, traditionell, bis in das beginnende 20. Jahrhundert hinein, verstarben Menschen in der Regel in der Familie. Das 20. Jahrhundert brachte einen tiefen Einschnitt: Heute ist nun vornehmlich die Medizin, darunter die Intensivmedizin, für den Umgang mit der letzten Lebensphase zuständig. Sterben ereignet sich mehr und mehr im Krankenhaus; das Sterben wurde aus der Familie und aus dem Alltag ausgegliedert, also hospitalisiert und an die Medizin delegiert, d.h. medikalisiert. Ferner wurden Sterben und Tod im 20. Jahrhundert teilweise verdrängt, ja tabuisiert sowie – durch die Ausgrenzung aus dem Lebensalltag – privatisiert. In einer Gesellschaft, deren Leitbilder an Leistung und Effizienz oder auch an Konsum ausgerichtet sind ("Leistungsgesellschaft", "Erlebnisgesellschaft"), sind Sterben und Tod disfunktional geworden; sie lassen sich in die alltägliche Lebenswelt nur noch schwer integrieren.

Darüber hinaus hat der Sterbeprozeß selbst sich verändert. Der Kieler Internist Karlheinz Engelhardt unterstreicht: "Früher dominierte ein rascher Tod, z.B. durch Infektionen oder Lungenödem, heute wird oft langsam gestorben. Das gilt insbesondere für ältere Menschen mit Karzinom, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, chronisch obstruktiver Lungenkrankheit oder mit Demenz in den letzten Jahren ihres Lebens." Und darüber hinaus: Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vermag die Intensivmedizin den Sterbeprozeß aufzuhalten, zu verlangsamen, zu verzögern. Heimlich droht durch Medikamente oder durch Intensiv- und Apparatemedizin das menschliche Sterben überfremdet, medizinisch-technisch entfremdet zu werden. Die technisch gestützte künstliche Lebensverlängerung kann inhuman, nämlich zur belastenden, rein quantitativen Ausdehnung der Lebenszeit werden und unter Umständen in eine bloße Leidensverlängerung umschlagen.

Gruß
Georg

wirrlicht
14.08.2003, 12:01
In diesem Zusammenhang sollte erst einmal ganz deutlich zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe unterschieden werden!

Dein Diskussionsanstoß u.a. war es, der mich in den vergangenen Tagen veranlaßt hat, eine Patientenverfügung auszustellen :)


So wie ich gegen aktive Sterbehilfe bin (auch hier hat sich meine Einstellung in den letzten Tagen eindeutig gefestigt) bin ich gegen die Verweigerung der "passiven" Sterbehilfe, das heißt: es ist menschenunwürdig, sterbende Menschen mittels Magensonden und Hightech am Gehen zu hindern. Gegen solche Maßnahmen hoffe ich mich mit meiner Patientenverfügung geschützt zu haben.

LG, wirrlicht

Georg
14.08.2003, 12:39
von Wirrlicht
In diesem Zusammenhang sollte erst einmal ganz deutlich zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe unterschieden werden!
Aus diesem Grund habe ich ja schon mehrmals darauf hingewiesen, daß ich persönlich für die Einführung der "aktiven Sterbehilfe" bin.

Leider würde mir eine Patientenverfügung momentan nichts nützen, da ja die aktive Sterbehilfe in Deutschland noch verboten ist.

Wenn das Verbot aber mal augehoben würde, lohnte sich allerdings eine Patientenverfügung.

Gruß
Georg

Georg
19.08.2003, 09:41
Ein Beispiel:

Viele Prominente wie z.B. die Schauspielerin Inge Meysel und die (leider verstorbene) ostdeutsche Sozialpolitikerin Regine Hildebrandt, gehören oder gehörten zu den Befürwortern, der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Deutschland, die fordern, den Zeitpunkt des eigenen Todes selbst bestimmen zu dürfen.

Gruß
Georg

suche
01.03.2006, 11:23
Wie soll man da eine richtige Antwort geben, wenn man sich unter STERBEN nichts vorstellen kann.

Allerdings habe ich in den letzten Jahren mehr als eine Ahnung von überdimensionalen Schmerzen bekommen. Manchmal musste ich diese durch Wochen, ja sogar Monate ertragen bis ich endlich durch die richtige Spritze befreit werden konnte.

Zum Schluss hat man doch erkannt, woher der Hauptschmerz rührte. Eine etwas schwierige Operation hat dann schlussendlich geholfen.

Momentan bin ich wieder schmerzfrei.

Mein Schluss: Schmerzen müssen nicht das Ende bedeuten. Manche Menschen wollen Schluss machen, weil die Schmerzen unerträglich werden.
Dieser Entschluss wäre aber nicht richtig, denn, auch wenn es nicht sofort die richtige Hilfe gibt, besteht wohl Aussicht darauf.

Überhaupt wenn Menschen erst im fortgeschrittenen Alter große Schmerzen bekommen, könnten sie glauben, dass dies bereits das Ende bedeute.

Wir wissen nicht, wann es so weit ist, dass wir von dieser Erde abberufen werden. Auch wissen wir nicht, ob das STERBEN so fürchterlich ist, wie es manchmal beschrieben wird. Meiner Großmutter ist es z.B. am letzten Tag vor dem Sterben sehr gut gegangen. Sie meinte, sie werde bald wieder gesund sein.

Es gibt für mich zu viele Rätsel um das STERBEN, sodass ich mich nur Gott und einem Arzt, der mir im Falle von unterträglichen Schmerzen über das Schlimmste hinweghilft, anvertrauen möchte.

Der Gedanke, eine Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, kommt mir nicht in den Sinn. Doch halte ich es auch für möglich, dass ein Leben unter gewissen Umständen nicht mehr auszuhalten ist. Und dann? Gott steh uns bei.

suche