Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Platon
mwirthgen 16.03.2004, 22:48 Liebe Denker,
folgender Auszug aus dem Dialog zwischen Alkibiades und Sokrates kann uns einen interessanten Gedankenaustausch ermöglichen:
Sokrates: Ist das nun wohl etwas Leichtes, sich selbst zu kennen, und war das wohl nur ein gemeiner Mensch, der dies aufgeschrieben hat im Pythischen Tempel; oder ist es schwer und nicht jedermanns Sache?
Alkibiades: Mir, o Sokrates, ist es oft als etwas ganz Gemeines vorgekommen, und oft auch als etwas Schweres.
Sokrates: Aber, o Alkibiades, es mag nun leicht sein oder nicht, so steht es doch auf jeden Fall so: wissen wir es, dann können wir wohl auch wissen, worin die Sorge für uns selbst besteht, wissen wir es aber nicht, dann wohl niemals.
Alkibiades: So ist es.
Was meint Sokrates?
Wer war Alkibiades?
manni
worin die Sorge für uns selbst besteht
wir müssen uns selbst drum kümmern,
ganz egal ob es uns bisweilen leichter oder schwerer fällt
vielleicht handelt es sich auch um ein Wissen,
welches nie zuende erforscht werden kann
...
ich spiele mir seit paar Wochen in Gedanken durch,
was alles in einem Text über das Wesen des Menschen drinstehen müsste
meine Gliederung sieht derzeit so aus:
Welche Personengruppen sind lächerlich?
Welches Denken dominierte in historischer Zeit?
Wie unterscheidet sich das Denken von Frauen und Männern?
Wie verändert sich das Denken im Laufe des Lebens?
Welche Lebensentwürfe stehen zur Auswahl?
Wie baut sich die Gesellschaft auf?
mwirthgen 01.04.2004, 23:23 ich spiele mir seit paar Wochen in Gedanken durch,
was alles in einem Text über das Wesen des Menschen drinstehen müsste
Um sich dem Wesen des Menschen anzunähern, scilla, halte ich es immer noch für das Beste, bei sich selbst anzufangen. Selbsterkenntnis, das fordert übrigens Sokrates auch von Alkibiades, ist der beste Weg dafür. Dieser Weg eröffnet dann auch die Möglichkeit, zu entscheiden wie man für sich sorgen muss. Dass dies ein lebenslanger Weg ist, ist ziemlich wahrscheinlich.
Es interessiert mich, wie du dazu kommst, das Wesen des Menschen auf die von dir beschriebene Weise erkennen zu wollen.
gruß
manni
wie komme ich dazu?
es war einmal
meine Diplomarbeit
bei der Recherche stoße ich auf ein neues Buch eines Profs aus Berlin
darin steht
die Gehirnentwicklung von Kleinkindern durchläuft bestimmte Phasen
die Veränderung des Denkens im Laufe eines Menschenlebens durchläuft dieselben Phasen
und noch besser
die Entwicklung gesellschaftlichen Denkens durchläuft wieder diese Phasen
alles kalter Kaffee
(wusste ich damals noch nicht, wusste der Prof in Berlin wohl auch nicht)
das steht aber so ähnlich in RICARDA HUCH 'Vom Wesen des Menschen' von 1922!!!
erfreulicherweise hat man so
bereits erste Hinweise auf die Ursache des Patriarchates gefunden
Patriarchen schließen sich bekanntlich gerne zu Männerbünden zusammen
und verbrennen ebenso gerne Bücher,
die ihre Überlegenheit auf die Schippe nehmen
desweiteren
gibt es Theorien über die beiden Gehirnhälften
(Wie denken Rechts/Linkshänder?)
und über das Denken der Indogermanen
(Wie denkt die indogermanische Sprache?)
zum Abschluß würde ich gerne alle möglichen Lebensentwürfe aufzeigen,
die frei zugänglich und leicht praktizierbar sind (also keine Geheimlehren)
und die nicht in Triebbefriedigung ausarten
mit all diesem Wissen lässt sich, so hoffe ich, ein Blick auf die Gesellschaft werfen,
wie sie sich in ihrer natürlichen Ordnung darstellt
(also nicht, wie sie eine Ideologie gerne sehen möchte)
maja-bine 04.04.2004, 17:07 Liebe scilla,
gehst Du bei Deinen Recherche davon aus, dass das Denken den Menschen zum Menschen macht? Was veranlasst Dich sosehr auf das Denken einzugehen? Frage mich genauso wie mwirthgen.
lg
es gibt zu viele Wissenschaften,
die sich mit dem Menschen beschäftigen
micht interessiert nicht eine (unvollständige) Auflistung
speziellen Wissens aus Anatomie, Psychologie, Ethnologie, Soziologie, Medizin, Anthropologie, Ernährung ...
sondern die metaphysische Ebene, die das alles miteinander verwebt
mwirthgen 05.04.2004, 16:29 es gibt zu viele Wissenschaften,
die sich mit dem Menschen beschäftigen
micht interessiert nicht eine (unvollständige) Auflistung
speziellen Wissens aus Anatomie, Psychologie, Ethnologie, Soziologie, Medizin, Anthropologie, Ernährung ...
sondern die metaphysische Ebene, die das alles miteinander verwebt
Scilla, da gibt es nur einen Weg - ich wiederhole mich -, wie ich das sehe: Du musst dich erst selbst ergründen, dann wirst du auch das Hintergründige der jeweiligen Wissenschaften über den Menschen entdecken, oder auch nicht!
Das Faktensammlung kann dabei durchaus ein Anfang sein.
gruß manni
ich habe meinen roten Faden schon
(siehe Gliederung)
im Zuge des Schreibens werde ich sicher noch auf Texte stoßen,
die ich bisher nicht gekannt habe
aber zu warten,
bis ich tod bin,
um dann rückblickend,
das ultimative Wesen des Menschen zu ergründen,
dauert mir zu lang
ich schreibe ab jetzt
ich denke, daß ich das hinbekomme,
vor hundert Jahren wäre es ganz normal gewesen,
so etwas zu schreiben
ich sehe keine aktuellen Alternativtexte,
die meinen Beitrag überflüßig machen könnten,
los gehts!
mwirthgen 10.04.2004, 19:07 ich habe meinen roten Faden schon
(siehe Gliederung)aber zu warten,
bis ich tod bin,
um dann rückblickend,
das ultimative Wesen des Menschen zu ergründen,
dauert mir zu lang
Wenn man tot ist,scilla, macht es keinen Sinn mehr, da hast du recht. Selbsterkenntnis ist aber ein lebenslanger, das Leben begleitender und begründender Prozess.
Viel Erfolg bei deinem Projekt!
gruß manni
Coeur Froid 05.05.2004, 11:21 'n Abend auch,
hat sich nicht schon Rudolf Steiner (1861 bis 1925) diese Theorie mit seiner Antroposophie mitbegründet? Er hat dem Ganzen zwar ein 'mythisches' Äußeres verpasst (Seelen leben kurze Zeit im 'Jenseits' fort und wählen dann neue Eltern aus) aber prinzipiell geht es genau um diesen Gedanken: Wie entwickelt sich die Menschheit?
ich habe bisher weder Steiner noch Freud gebraucht
bei denen schaue ich erst rein,
wenn ich mit dem Schreiben fertig bin
instanton 29.04.2005, 22:24 ja, wie entwickelt sich die menschheit?
Was ist die treibende Kraft der Geschichte,was denkt ihr? würd mich interessieren...
Ist sie dazu bestimmt, sich zu entwickeln?
Auf was strebt sie hin? Gibt es ein Ziel, wenn wir schon von Entwicklung reden? Entwicklung bedeutet ja, das Hinschreiten zur "Vollendung".
hallo, ich weiß der letzte beitrag liegt schon etwas zurück.
deshalb bin ich erst jetzt auf dieses sehr interessante thema gestoßen.
was scilla im werk seines profs und bei huch gelesen hat, war der versuch der begründung einer wissenschaft namens Psychohistorie, die die entwicklung der menschheit mithilfe der lebensphasen eines menschen beschreiben wollte. wie viele andere auch denke ich, dass es sich dabei um eine pseudowissenschaft ohne wirklichen realitätsbeweis geht.
ich bin selber ein großer anhänger der theorien der psychohistorie, allerdings in andere form.
ich mein damit die psychohistorie, wie isaac asimov sie in seinen werken beschrieben hat, und seitdem einige wissenschaftler versuchen, diese zu realisieren. sie wird auch von vielen leuten als reine fiktion dargestellt, ich glaub, sie ist realisierbar.
vielleicht eröffne ich bald nen thread über das thema, wo auch die frage nach dem grund der entwicklung des menschen gestellte werden wird.
Auf was strebt sie hin? Gibt es ein Ziel, wenn wir schon von Entwicklung reden? Entwicklung bedeutet ja, das Hinschreiten zur "Vollendung".
Sehr interessant, dazu passen zwei Zitate:
10. Ganzes und Nichtganzes, Eintracht, Zwietracht, Einklang, Mißklang und aus allem eins und aus einem alles.
und
50. Habt ihr nicht mich, sondern mein Wort [Gesetz] vernommen, ist es weise zuzugestehen, daß alles eins ist.
Heraklit
Kultus Maximus 04.12.2008, 07:09 Zitat: 50. Habt ihr nicht mich, sondern mein Wort [Gesetz] vernommen, ist es weise zuzugestehen, daß alles eins ist.
Heraklit
Wenn: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", das Wort vernehmend, weise zuzugestehen, dass alles (unter Heraklit) eins sein soll, um welchen Preis? -und die eigene Person von seinem eigenen verabschiedeten Gesetz zu trennen, so: Ich muss dich leider hinrichten, nicht ich, sondern mein Gesetz verlangt es?
LG Kultus Maximus
mwirthgen 20.12.2008, 14:30 Es herrscht hier kein Mangel an Originalität.
(Trimestigus der 115.)
manni :reden:
Kultus Maximus 20.12.2008, 14:52 Liebe Denker,
folgender Auszug aus dem Dialog zwischen Alkibiades und Sokrates kann uns einen interessanten Gedankenaustausch ermöglichen:
Sokrates: Ist das nun wohl etwas Leichtes, sich selbst zu kennen, und war das wohl nur ein gemeiner Mensch, der dies aufgeschrieben hat im Pythischen Tempel; oder ist es schwer und nicht jedermanns Sache?
Alkibiades: Mir, o Sokrates, ist es oft als etwas ganz Gemeines vorgekommen, und oft auch als etwas Schweres.
Sokrates: Aber, o Alkibiades, es mag nun leicht sein oder nicht, so steht es doch auf jeden Fall so: wissen wir es, dann können wir wohl auch wissen, worin die Sorge für uns selbst besteht, wissen wir es aber nicht, dann wohl niemals.
Alkibiades: So ist es.
Was meint Sokrates?
Wer war Alkibiades?
manni
Hallo mwirthgen!
Was hat Dich bewegt, gerade diese Textstelle zu wählen?
Gruß
Kultus Maximus
Kultus Maximus 20.12.2008, 20:23 Aus der Politeia:
7. Buch von Platon (Übersetzung von Wilhelm Wiegand) :
Ja, bei den Göttern, sagte er, gar lächerlich ist's, wenn sie ich weiß nicht welche ‚Verdichtungen’ im Munde führen und ihre Ohren hinhalten, als wollten sie aus des Nachbars Haus herüber einen Ton erlauschen, und wenn einige behaupten, sie vernähmen dazwischen noch einen Ton, und dies sei das kleinste Intervall, nach dem man messen müsse, während andere es bestreiten und sagen, man vernehme bereits keinen Unterschied der Intervalle, beide Parteien gebrauchen aber dabei ihre Ohren statt ihrer Vernunft.
Du meinst gewiß hier, sprach ich, die guten armen Tröpfe, die die Saiten quälen und foltern, indem sie diese auf die Schrauben ziehen. Damit aber deine malerische Schilderung von den Schlägen mit dem Hammer, von dem Ansprechen und Versagen sowie von der Sprödigkeit der Saiten nicht zu lang werde, so will ich dieser Beschreibung ein Ende machen und bemerke, daß ich an jene armen Tröpfe gar nicht denke, sondern an diese, von denen wir eben sagten, daß wir sie über die Musik zu Rate ziehen wollten. Diese nämlich verfahren ebenso wie jene Sternkundler, denn sie forschen zwar in den wirklichen, mit ihrem Ohre vernommenen Akkorden nach den ihnen zugrunde liegenden Zahlen, aber sie bringen es darin nicht zu den höheren Untersuchungen, welche harmonische Zahlen sind, welche nicht, und weshalb sie beides sind.
Welchen Zusammenhang stellte Platon über Musik mit Harmoniegesetz zur Rechtsordnung her?
Und welche Drillwirkung (Erziehung) hat Musik?
K. M.
Kultus Maximus 20.12.2008, 20:28 Es herrscht hier kein Mangel an Originalität.
(Trimestigus der 115.)
manni :reden:
Bei den Göttern nicht, nur solange es verborgen bleibe!
K. M.
andronikus 23.12.2008, 21:42 Ich denke, dass derjenige, welcher sein eigenes Wesen vollständig erkannt hat, auch das Wesen des Universums erkennen wird, wenn man annehmen kann, dass sich im Kleinerem das Größere spiegelt und finden lässt.
Ob Sokrates aber darauf hinauswollte, weiß ich nicht. Dass wir, wenn wir uns selbst erkennen, wissen, worin die Sorge für uns selbst besteht, bedeutet vielleicht, dass derjenige, welcher sich selbst und sein Verhältnis, in dem er zum Universum steht, erkannt hat, auch weiß, was er zu tun hat, was letzlich der Sinn seiner Existenz ist.
MfG
Kultus Maximus 24.12.2008, 09:15 Ich denke, dass derjenige, welcher sein eigenes Wesen vollständig erkannt hat, auch das Wesen des Universums erkennen wird, wenn man annehmen kann, dass sich im Kleinerem das Größere spiegelt und finden lässt.
Ob Sokrates aber darauf hinauswollte, weiß ich nicht. Dass wir, wenn wir uns selbst erkennen, wissen, worin die Sorge für uns selbst besteht, bedeutet vielleicht, dass derjenige, welcher sich selbst und sein Verhältnis, in dem er zum Universum steht, erkannt hat, auch weiß, was er zu tun hat, was letzlich der Sinn seiner Existenz ist.
MfG
Hallo Andronikus!
Sehr klug erkannt, finde ich, dem kann ich nur zustimmen.
Gruß
Kultus Maximus
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