Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berateritis
Der Chefredakteur der Cuxhavener Nachrichten hat mich in einem Kommentar auf das Wort BERATERITIS gebracht.BERATER ist doch
eigentlich ein geiler Job? FAST jeder - von Staat bis zum einfachen Bürger - braucht ihn heutzutage zu allen erdenklichen Gelegenheiten, weil kaum einer mehr das
Risiko irgendeiner falschen Entscheidung eingehen will. Dabei ist der Berater, wenn er sich bei der Vertragsgestaltung nicht allzu blöd anstellt, doch
der einzige, der kein Risiko eingeht: Wenn es schiefläuft, war er eben der falsche Berater.Ein neues Opfer wird sich schon
finden - man muß nur genügend Beratungsbedarf wecken: Wer clever und creativ ist, erfindet neue Probleme oder verkauft
altbekannte Weisheiten als neueste geistige Highlights. Wer dumm ist, hängt sich an eingefahrenen Beratungswellen dran und
erlebt die Risiken eine in Schwüren ergrauten Schneeballsystems. Schlecht beraten, kann ich da nur sagen. Fachkompetenz
scheint da eher hinderlich,gefragt sind Verkaufstalent und Skrupellosigkeit.Es sei denn, die Beratung ist gratis, was aber
ein schmaler Grat is, denn dann kann sie ja der Volksmeinung ja nur umsonst sein - oder es steckt ein lukrativer Gedanke
dahinter.Dann doch lieber draufzahlen?
Johko
Danke, Johko, du hast mich auf den Gedanken gebracht, wie ich mehr aus meinem Leben machen könnte.
Was zeichnet einen guten Berater aus?
1. abstruse englischsprachige Berufsbezeichnung
2. Mangel an Selbstzweifel
3. Neigung zu klaren, vereinfachenden Aussagen
4. Neigung, klare Aussagen durch nebulöse Sprache wieder zu verklären
5. Lösungsvorschläge, die leider nicht umzusetzen sind aus rechtlichen oder sozialen Gründen, "aber nur so könnte es gehen".
6. Bestechendes Wissen über die Zukunft:
7. Gute Kontakte zu Astrologen, Zukunfst- und Trendforschern.
8. Herausragende Kontakte zu Steuer- und Anlageberatern.
9. Vertrag mit der Bundesagentur für Arbeit in der Tasche.
10. Zur Absicherung Nebenberuf als Stripteasetänzer, Sumo-Ringer, Fernglasverkäufer oder SPD-Vorsitzender
Obwohl ich kein Berater/Consultant bin frage ich mich, warum alle auf die Berater einprügeln.
Weil man gehört hat dass damit auch Schindluder betrieben wird?
Weil es vorkommt, dass es unseriöse Berater gibt?
Weil es so einfach ist?
Weil man voller Neid auf gute Gehälter blickt?
Sicher gibt es unter den Beratern auch etliche schwarze Schafe, aber ich würde die Berateritis nicht so negativ sehen.
Noch niemals zuvor gab es so vieles zu wissen, noch niemals zuvor gab es so viele Spezialgebiete. Niemand kann sich überall auskennen, aber es wird immer schwieriger, ohne dieses Spezialwissen auszukommen. Also braucht man einen Berater. Was soll daran schlecht sein?
Sicher treibt es auch Blüten. Wenn ich mich nicht mehr aus dem Haus traue, weil mein Stilberater mir nicht das passende Outfit verschreiben kann, wird's zumindest skurril. :p
Konfuzi
Original geschrieben von walter
Obwohl ich kein Berater/Consultant bin frage ich mich, warum alle auf die Berater einprügeln.
Weil man gehört hat dass damit auch Schindluder betrieben wird?
Weil es vorkommt, dass es unseriöse Berater gibt?
Weil es so einfach ist?
Weil man voller Neid auf gute Gehälter blickt?
Nun ja, Walter, in Deutschland ist für mich der Inbegriff der Berateritis die so genannte Hartz-Kommision.
Die Regierung hat keine Idee, also beauftragt sie ein Team um Herrn Hartz, um konkrete Reformvorschläge des Arbeitsmarktes zu machen.
Herr Hartz schlägt einen umfangreichen Aktionskatalog vor, der die Arbeitlosenzahl bald halbieren soll (!).
Er warnt aber davor, die Vorschläge zu verwässern, sonst könne es AUF kEINEN FALL funktionieren.
Natürlich kann es sowieso nicht funktionieren, aber Herr Hartz hat nun eine gute Ausrede.
Die von ihm propagierten Jobagenturen sind ein Flop. Die so genannten Mini-Jobs laufen zwar gut, senken aber die Arbeitslosigkeit nicht - statt dessen kommen sie den Arbeittgebern teuer - senken also die Lohnnebenkosten nicht. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter...
Natürlich braucht es ab und zu Berater. Wir hatten hier im Betrieb auch welche. Meine Erfahrung ist, dass sie das sehen, was sowieso jeder sehen müsste - ihre Lösungsvorschläge sind zwar plausibel, berücksichtigen jedoch nicht genügend die Probleme der Umsetzung ANHAND VORHANDENER Strukturen. Dann gehen sie wieder, die alten Leute setzen die Ratschläge holprig um,und fahren den Karren noch tiefer in die Scheiße.
Ist natürlch alles ein bisschen Verallgemeinerung und (Real)satire, aber zusammenfassend gilt vielleicht: Berater sind gut, eine Sache, die gut ist, noch besser zu machen.
Bei einer Sache, die auf dem absteigenden Ast ist, hilft der Feuerwehreinsatz selten etwas.
Grüße
Er rät A. Sie rät B. Es kann aber das Alphabet nicht.
Was tun?
Alle Menschen zu Analphabeten zurückentwickeln?
Dann könnten wir vielleicht noch einmal von vorne anfangen - ohne Berater, nur mit Tätern.
:D :D :D
Marianne
Jan Amos 09.02.2004, 14:18 Hallo Robin, die Sache gefällt mir.
Lassen wir die Punkte 1 und 8 bis 10 außen vor, dann gibt es diesen Beruf schon seit etlichen Jahrhunderten. Man kannte sie sogar schon zu römischen Zeiten und sie waren als Lustigmacher populär.
An den Fürstenhöfen hatten sie bedeutenden Einfluß und gehörten zu einem vollständigen Hofstaat dazu, da die „damaligen Regierenden“ oft ebenso ratlos waren, wie die „heutigen Volksvertreter“ die uns regieren. Es gab unter ihnen Berühmtheiten, weil sie oft Mutterwitz besaßen und geistreiche Erzähler waren.
Oft trugen sie Schellen an der Kappe, machten auch viel Lärm um nichts, nur damit die feine Gesellschaft gebührlich unterhalten wurde, was wir Heutigen in TV-Talkshows, in ähnlicher Form auch präsentiert bekommen. Aber auch viele Aufsichtsratssitzungen dürften ähnlich ablaufen.
Schon erraten? Richtig, ich schreibe über den Hofnarren!
Gegen Ende des 15.Jahrh. artete das Wesen der Hofnarren besonders in Deutschland stark aus, da sich fast jeder Edelmann seinen Hofnarren hielt und sich viele Gauner vom erstbesten Adligen das Narrenpatent ausstellen ließen, um unter dieser Firma Schellen- und Schurkenstreiche ausüben zu können, so ward das Land mit fahrendem Volk überfüllt.
Wie sehen also es gibt kaum etwas Neues unter der Sonne, die Menschen sind immer noch die gleichen, nur die Umstände haben sich verändert.
Die Parallelen sind so frappierend, dass es schon wieder traurig ist.
Aber es gibt noch Hoffnung, denn die Geschichte hat auch gezeigt, dass auf den Reichstagen von 1495 – 1575 strenge Beschlüsse, besonders gegen den Unfug dieser Titularnarren, gefasst wurden; und wenn man die modernen Berater, die wahrscheinlich nur die Biographien dieser besonderen Höflinge studiert haben ebenso zum Teufel jagt, werden gewaltige Kosten eingespart.
Nur dann müssen die Herren in den oberen Etagen selbst tätig und kreativ werden, was wieder zu einer neuen Spezi unter einem, und jetzt kommt Punkt 1. „abstrusen englischsprachigen Berufsbezeichnung“, sich etablieren wird.
MfG Jan Amos
Salut!
Eine mir vollkommen unbekannte Stimme flüsterte mir gerade "Ich bin so verliebt" aus dem Lautsprecher zu. Das stimmt mich milde und so lasse ich mich auch von Jan Amos unbekannterweise als Hofnarr titulieren, fühle mich nicht gekränkt. Schliesslich waren Hofnarren nicht die schlechtesten Berater.
Fühle mich aber durch diesen Beitrag angesprochen, obwohl ich von Wirtschaft nicht sehr viel Ahnung besitze.
Johko, ein Berater nimmt dem Unternehmen das Risiko einer falschen Entscheidung nicht ab. Dass viele Firmen erst dann nach einem Berater rufen, wenn das Unternehmen als hoffnungslos marode zu bezeichnen ist, muss man wohl - wie auch die Tatsache, dass sie marode sind! - eher der Inkompetenz der Firmenführung oder den widrigen Umständen denn dem unfähigen oder gierigen Berater/Beraterteam anlasten. Ebenso, wenn das Unternehmen in einer ausweglosen Situation die teuersten Berater (McKinsey & Co.-grins) engagiert, denn was billig ist, kann nicht viel taugen - so Du und der Volksmund. Ein seriöser Berater wird sich in einem solchen Fall nach einer ersten Einsichnahme auch sicherlich eher zurückziehen, um das Unternehmen nicht noch um die letzten Finanzreserven zu bringen. Vermutlich mit dem ehrlichen Vorschlag - je nach Lage - zu liquidieren oder zu fusionieren. Bei einer Regierung ist die Situation noch schwieriger. Da erlaube ich mir, gar kein Urteil abzugeben, noch weniger, handelt es sich um die Regierung Deutschlands. Ein Berater kann nur dann jemanden beraten, wenn er in der Lage ist, seine Vorschläge auch in der Praxis umzusetzen, bzw. Wege dazu aufzuzeigen. Leider habe ich keine Reformvorschläge zu verkaufen, und auch keine an marode Unternehmen in petto.
Nicht mal Robins Punkte 1-10 treffen auf mich zu, wobei ich natürlich nicht sehr objektiv bin ;) . Vielleicht genügt es schon, dass mir hin und wieder zum Frühstück mein Horoskop serviert wird, oder dass ich aus Faulheit meine Steuerangelegenheiten durch einen Berater regeln lasse. Meine Tätigkeit ist aber trotzdem in ca. 30% beratender Natur. Diese 30% ermöglichen mir, für den Rest des Monats auch weniger lukrative oder gar 'Verlust' bringende Aufträge anzunehmen, die mich interessieren oder sogar mal ganz einfach 'nichts' zu tun. Ist das verwerflich? Dann mal aber ganz konkret: Wieviel darf ein 'Berater' verdienen, damit er gesellschaftlich und moralisch tragbar und akzeptabel ist?
Für den Fall, wir könnten davon, was hier jetzt beschlossen wird, nicht leben, überlege ich in der Zwischenzeit ernsthaft Punkt 10 - grins.
Amitiés
:D
Um mal deutlicher zu werden - denn meine ironischen Worte oben wurden ja nicht gustiert. Daher werde ich weniger tropisch.
Wir leben in so undurchschaubaren Räumen, dass es ohne Berater in ökonomischen, politischen und sonstigen Bereichen gar nicht mehr ginge.
Wer von den Entscheidungsträgern kennt schon alle Auswirkungen, die eine Entscheidung zur Folge haben kann? Wer alle Unwägbarkeiten?
Im Zivilprozess müsste ein Richter entweder Gott sein oder sonst irgendwie allwissend.
Er muss sich für fast alle Fragen Sachverständige kommen lassen.
Das Urteil bleibt an ihm hängen; nämlich die rechtliche Abwägung des Falles.
Ich hoffe, jetz war ich klarer. Es geht nicht ohne......
Marianne
Pardon, Majanna, meinst Du mit den Zeilen mich? Ich habe Deinen ersten Beitrag sehr wohl richtig verstanden. Wäre dem nicht so, so hätte ich mich an Dich persönlich gewandet, wie ich es - auf meine Weise und nicht ganz ernsthaft - bei den beiden Herren tat.
Deine Antwort richtete sich aber an Johko, wie ich vermuten muss - meine auch ;) . Tut mir Leid, sorgte ich schon wieder für Deinen Unmut - dies OHNE jegliche Ironie.
Grüsse
Verdamt noch mal- immer diese Missverständnisse.
Mon ami, Jerome!
Natürlich richteten sich meine Worte an Johko und die sonstigen Kritiker an der Institiution Berater.
Deine Worte machten mir klar, dass ich klarer werden müsse.
Wir blasen doch beide ins " gleiche Horn".
Übrigens - wie schon oft. Ob die Geschichte, dass einer meiner Ur- ur -großväter ein französischer Soldat aus den Napoleonischen Kriegen war, der beim Rückzug aus Russland in Oberschlesien ( heute in Polen ) hängenblieb nicht doch stimmt? Es gibt jedenfalls in unserer Familie eine französische Bibel mit dem Namen Andre Cuis(e?). Und mein Mädchenname ist eine slawische Verballhornung dieses Namens.
Ich hege und pflege jedenfalls meine positiv besetzten Vorurteile, was die Ratio und die Lebendigkeit unseres Nachbarvolkes, Deines Volkes, angeht.
Mit der untertänigen Bitte, diese implizite Entschuldigung von mir anzunehmen:guru: :guru:
verbleibe ich
Marianne
Chère madame,
da der Fehler eindeutig auf meiner Seite zu suchen ist, gibt es meinerseits nichts zu verzeihen. Jetzt müsste ich den Spiess wieder umdrehen, doch 'cui bono'?
Viel mehr sehe ich mich darin bestärkt, dass Du tats. französische Vorfahren hast, wenn auch der Name Cuis(e) in mir keine Assoziation weckt - ausser 'art de cuisine/art culinaire'. Passt doch aber auch vorzüglich, n'est-ce pas?
Je suis désolé! :geschenk:
Ooch Mennoooooh!
Ich hab doch nichts gegen Berater. Ich habe lediglich festgestellt, dass das ein geiler, meist prima prämierter und sogar dann risikoloser Job ist, wenn man selbst als Scharlatan clever genug ist, immer neuen Bedarf zu wecken. Egal, ob man beim "Leitbild" einer Kommune consultet, einen Sexualstraftäter begutachtet, oder Avon, Ayurveda und Aloe Vera berät.
Nusachtdassesbnichsoiss...?
Oh oh Johko, Johko!
Das war mir schon klar, dass Du wieder nur ein wenig hetzen wolltest....
einmal Provokateur - immer ein solcher.
Jedenfalls freut es mich, dass Du wieder präsenter wirst hier bei uns. Und Missbrauch anzuklagen ist ja nichts Unebenes.
Nicht noch ein flottes Gedichterl zum Thema?
Vorschlag zur Lösung des Arbeitslosenproblems- Beraterose
Herr Grasser weiß es nur nicht genau, (Eichel)
dass für jede arbeitslose Frau
und jeden arbeitslosen Mann
er flott und sicher Arbeit schaffen kann.
Dem, der schwitzend der Arbeit frönt,
stellt er zur Seite eine/n, der klönt.
Der sagt, wie man nicht im Schweiß versinkt,
wie man nicht vor Arbeit stinkt.
Dann gibt es keine Arbeitslosen mehr,
sie haben einen neuen Beruf, der ist nicht schwer.
Wer sie bezahlen soll?
Diese Frage ist ja toll.
Die, die beraten werden,
zahlen überall auf Erden.
Und Grassers Kassen sind nicht mehr leer, (Eichels)
gibt es doch keine Arbeitslosen mehr.
Wenn Ihr jetzt denkt, ich kann die Namen der Finanzminister aller Staaten, die dieses - leicht zu lösende - Problem haben, seid Ihr schief gewickelt.
Aber wenn ich von irgendeinem Lande höre, in dem mein Modell verwirklicht wird, fordere ich Erfindungsprämie. Zahlbar vom Finanzministerium.
:D :D :D Marianne
....wenn man selbst als Scharlatan clever genug ist, immer neuen Bedarf zu wecken.
Vielleicht liegt das ja auch daran, dass viele Menschen mit der Informationsbeschaffung überfordert sind? Oder schlichtweg zu faul dazu. Oder keine Ahnung haben, woher man Information beziehen kann. Oder keinen Zugang zu diesen Hilfsmitteln.
Einfacher ist es allemal, einen Berater zu konsultieren, als selbst tätig zu werden. In jedem Fall aber bringt man eine subjektive Meinung ein - entweder die eigene, die ja aus verschiedenen Möglichkeiten die passendste auswählt, oder die des Beraters, der schon ausgewählt hat.
Es bleibt also Glaubenssache.
Konfuzi
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